Karliczek: “Wasserstoff ist das Öl von morgen”

Die Forschungsministerin im SPIEGEL-Interview: “Wir wollen Trendsetter werden”

„Grüner Wasserstoff ist das Erdöl von morgen“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am 19.12.2019 vor ihrer Fraktion (siehe: solarify.eu/gruener-wasserstoff-ist-das-erdoel-von-morgen). Jetzt hat sie das in einem SPIEGEL-Interview bekräftigt: “Deutschland wird sich in den nächsten 50 Jahren nicht selbst mit Energie versorgen können. Heute führen wir gut 80 Prozent aus dem Ausland ein.” Daher will sie im großen Stil Wasserstoff aus Afrika importieren. „Der grüne, importierte Wasserstoff ist das Öl von morgen“, sagte Karliczek. Ziel sei es, bis 2050 den deutschen Energiebedarf „zu über 50 Prozent aus importiertem, nachhaltig erzeugtem Wasserstoff“ zu decken.

Vor der Unionsfraktion hatte sie im Dezember gesagt: Grüner Wasserstoff diene als synthetischer Kraftstoff – beispielsweise für die Industrie oder im Verkehr -, aber auch als Stromspeicher. Wenn Europa ein klimaneutraler Kontinent werden wolle, müsse es sich des grünen Wasserstoffs bedienen. Karliczek sieht in der Entwicklung des Energieträgers eine „Jahrhundertchance für den Standort Deutschland“. Deutsche Firmen hätten die einmalige Gelegenheit, zum Technologieausstatter für die Energiewende zu werden. Bis 2050 könnten so bis zu 470.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

„Wir sind mit Australien im Gespräch und vor allem mit afrikanischen Staaten“, erklärte sie dem SPIEGEL nun. Die dortigen Bedingungen ermöglichten „eine deutlich effizientere und damit billigere Produktion von grünem Wasserstoff als hierzulande“. Karliczek stellt sich „einen Kreislauf“ vor, von dem alle Beteiligten profitierten. „Deutschland verkauft die Technik: Windräder, Meerwasserentsalzungsanlagen und Elektrolyseure. Im Gegenzug verkaufen uns die Partner in Afrika die Energie, die sie mit deutscher Umwelttechnik herstellen“

Karliczek kündigte an, das Kabinett wolle im Februar eine nationale Wasserstoffstrategie auf den Weg bringen. Bis 2023 stünden im Energie- und Klimafonds 310 Millionen Euro für die Technologie bereit. Es brauche aber auch ein Ordnungsrecht, das Innovationen möglich mache. „Wir wollen Weltmarktführer bei grünem Wasserstoff werden und Innovationsland bleiben“, betonte die CDU-Ministerin.

Derzeit erstelle die Bundesregierung einen Atlas für Afrika mit den besten Standorten, wobei es auch auf stabile politische Verhältnisse ankomme, so die Forschungsministerin. Der Wasserstoff könne dann „etwa in Form von Ammoniak per Schiff nach Europa transportiert werden“. Karliczek wörtlich: “Wir bleiben von Importen abhängig. Aber wenn es nach mir und anderen geht, wird es künftig vor allem grüner Wasserstoff sein, der klimafreundlich aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird. Wir werden grünen Wasserstoff auch bei uns produzieren, ihn aber vornehmlich einführen. Er ist für mich der Energieträger der Zukunft. Er hat das Zeug, die Energiewende wirklich ins Ziel zu bringen. Und er kann außerdem in der Industrie CO2-Emissionen unschädlich machen.” Schließlich: „Europa wartet auch auf uns. Wir wollen Trendsetter werden und haben keine Zeit zu verlieren“.

->Quelle und ganzes Interview:  spiegel.de/anja-karliczek-wasserstoff-ist-das-oel-von-morgen