Infraschall von Windenergieanlagen ohne Gesundheitsfolgen

Finnische Langzeitstudie

Eine multidisziplinäre Langzeitstudie des technischen Forschungszentrums Finnland (VTT) zu den Auswirkungen von Infraschall durch Windenergieanlagen kommt zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung von Anwohnern gefunden werden können. Die Studie untermauert damit die Aussagen des Umweltbundesamtes, auf die sich auch der Bundesverband WindEnergie (BWE – siehe dessen Medienmitteilung vom 23.04.2020) immer gestützt hat.

BWE-Präsident Hermann Albers unterstrich anlässlich der Ergebnisse der Studie: „Bisher gab es keinen wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang zwischen Windrädern und Infraschallbelastung von Anwohnern. Die finnische Studie bestätigt dies nun. Damit ist nochmals klargestellt, dass Windenergieanlagen keine gesundheitliche Belastung für die Bürger darstellen. Es ist gut, dass ein in der Vergangenheit oft emotional diskutiertes Thema nun noch einmal wissenschaftlich fundiert bewertet wurde. Es ist zu hoffen, dass dies den weiter laufenden Dialog versachlicht.“

Die Langzeitstudie war die erste dieser Art und bestand aus drei Teilen: Einer Langzeitmessung von Schall in Wohngebäuden in der Nähe von Windenergieanlagen, Befragungen sowie Hörtests der Befragten. Bei einer Simulation der Schallemissionen von Windenergieanlagen konnten keine Reaktionen des autonomen Nervensystems auf Infraschall gemessen werden. Die Studie sieht als Erklärung für das vermeintlich häufige Auftreten von Symptomen in der Nähe von Windenergieanlagen das Wirken eines sogenannten „Nocebo-Effekts“ (analog zum „Placebo-Effekt“), wonach körperlich eigentlich unschädliche Einflüsse einen negativen Gesundheitseffekt dadurch hervorrufen können, dass Betroffene selbst einen negativen Effekt vermuten. Auch könnten Symptome mit anderen Ursachen fälschlicherweise mit Windenergieanlagen assoziiert werden.

Intuitiver Zusammenhang, aber kein ursächlicher

Die Studie stellte fest, dass Symptome, die intuitiv mit dem Infraschall von Windkraftanlagen in Verbindung gebracht werden, relativ häufig auftreten, die Symptome jedoch nicht durch die Infraschallexposition verursacht werden. Die Ergebnisse verbesserten das Verständnis der Wissenschaftler für die Natur des Infraschalls beim Lärm von Windkraftanlagen. Die Arbeit wurde von der finnischen Regierung im Rahmen ihrer Analyse-, Bewertungs- und Forschungsaktivitäten in Auftrag gegeben und finanziert. Die Teilnehmer an dieser Studie waren VTT (Leiter des Projekts), das Finnische Institut für Gesundheit und Wohlfahrt, das Finnische Institut für Arbeitsmedizin und die Universität Helsinki.

Die Fragebogenstudie wurde vom Finnischen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt durchgeführt. Basierend auf den Antworten waren Symptome, die intuitiv mit dem Infraschall von Windkraftanlagen in Verbindung gebracht wurden, relativ häufig (15%) bei Personen, die in der Nähe von (? 2,5 km) Windparks wohnen, wo die Anwohner über Symptome im Zusammenhang mit Infraschall berichtet hatten, und weniger häufig (5%) im gesamten Gebiet (? 20 km). Den Messungen zufolge wurde die Geräuschkulisse im Umkreis von etwa 1,5 km von Windkraftanlagen hinsichtlich des Schalldrucks urbaner. Der Schall in den Wohnungen wurde von sehr tiefen Frequenzen, weniger als 2 Hz, dominiert. Die Messungen wurden 308 Tage lang in zwei Gebieten fortgesetzt, in denen die Nennleistungen der Windkraftanlagen zwischen 3 und 3,3 MW lagen. Der äquivalente Dauerschalldruckpegel innerhalb von Häusern schwankte zwischen 67 und 75 dB, und der höchste Wert für einen 10-minütigen äquivalenten Pegel betrug 102 dB. Die Infraschallproben, die die Worst-Case-Szenarien repräsentieren, wurden aus den Messdaten ausgewählt und in den Hörversuchen verwendet.

Die Teilnehmer an den Hörtests wurden in zwei Gruppen eingeteilt, je nachdem, wie sie über die mit dem Infraschall von Windkraftanlagen verbundenen Symptome berichteten: Personen, die unter diesen Symptomen litten, und Personen, die nie Symptome hatten. Die Teilnehmer waren nicht in der Lage, Infraschallfrequenzen im Lärm von Windkraftanlagen zu erkennen, und die Anwesenheit von Infraschall machte keinen Unterschied darin, wie störend die Teilnehmer den Lärm empfanden, und ihr autonomes Nervensystem reagierte nicht darauf. Es gab keine Unterschiede zwischen den Ergebnissen der beiden Gruppen. Es wurden weiter keine Hinweise auf gesundheitliche Auswirkungen des Infraschalls von Windkraftanlagen gefunden. Die Ergebnisse verbessern das Verständnis der Wissenschaftler für die Art des Lärms von Windkraftanlagen in Wohnungen zu verschiedenen Jahreszeiten, insbesondere in Bezug auf Infraschall. Es wurden einzigartige und seltene Schalldaten über einen Frequenzbereich von 0,05 bis 20 000 Hz über einen langen und kontinuierlichen Zeitraum in unbewohnten Wohnungen erfasst.

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