CO2– und NO2-Ausstoß gesunken – Streit

Diesel zu Unrecht verteufelt?

Der CO2-Austoß in den vom EU-Emissionshandel erfassten Sektoren ist im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent gesunken, meldete das Branchenportal energate. Weil das natürlich mehr oder weniger das weltweit gibt, verschiebt sich – zum ersten Mal – der Earth Overshoot Day nach hinten – dank COVID-19; die Pandemie verursachte bekanntlich eine Verringerung des Ökologischen Fußabdrucks und zeigte, dass es möglich ist, die Trends beim Ressourcenverbrauch innerhalb kurzer Zeit zu verschieben. Echte Nachhaltigkeit, die es allen Menschen auf der Erde ermöglicht, gut zu leben, kann jedoch nur durch Entwicklung (Design) erreicht werden, nicht infolge von Katastrophen (Desaster) – so das Global footprint Network am 07.05.2020 in Kalifornien.

Mythen, Halbwahrheiten, Irrtümer und Falschnachrichten begleiten unterdessen die Corona-Pandemie, von Anfang an. Manchmal – so das ARD-Magazin Kontraste – kämen sie “sogar direkt aus der Bundesregierung”. Obwohl weniger Diesel-Fahrzeuge unterwegs seien, “sei die Stickstoffdioxidbelastung in deutschen Städten gleich geblieben oder sogar gestiegen”, hieß es so laut Kontraste. Doch das RBB-Magazin rückte am 07.05.2020 zurecht: “Wahr daran ist nur: Die Belastung mit Luftschadstoffen kann wetterbedingt an einzelnen Orten erheblich schwanken”. So seien am neuralgischen Stuttgarter Neckartor Werte aus nasskalt-windigen Tagen mit denen von windstill-warm-trockenen Tagen verglichen worden. Der Diesel sei mitnichten rehabilitiert. Eine Umfrage des Magazins bei den Bundesländern habe “ein eindeutiges Bild” ergeben: Die Stickstoffdioxidwerte seien “auf breiter Front im Sinkflug”. Doch Kontraste geht weiter: “Auch um das Klima rankt sich ein Mythos – der Glaube, die Corona-Krise helfe uns beim Klimaschutz.”

Wie aus Zahlen der EU-Kommission hervorgeht, emittierte vor allem der Stromsektor weniger

Die Brüsseler ETS-Angaben umfassen Treibhausgasemissionen in der EU-28 plus Liechtenstein, Island und Norwegen. Der Rückgang sei deshalb bemerkenswert, weil die Wirtschaft im gleichen Zeitraum um 1,5 Prozent gewachsen sei. Obwohl Vizekommissionschef Frans Timmermans in den Zahlen einen Beleg dafür sieht, dass der ETS funktioniert, will die Kommission das System im kommenden Jahr überarbeiten, damit es zu einem “noch wirkungsvolleren” Instrument werden könne. Laut den Zahlen hat der Stromsektor mit 15 Prozent weniger CO2-Ausstoß die Treibhausgasemissionen am meisten verringert. Die Industrie trug nur zwei Prozent bei; in der Luftfahrt stieg der Ausstoß dagegen um ein Prozent im Vergleich zu 2018.

Die Klimagase in der Europäischen Union sind aber schon vor der Corona-Krise deutlich zurückgegangen, darauf wiesen (laut T-Online.dedpa-AFX Wirtschaftsnachrichten am 06.05.2020 hin. Für das vergangene Jahr meldete Eurostat am 06.05.2020 ein Minus beim CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Eingeräumt wurde dabei zugleich, es handle sich um eine frühe Schätzung. Für Deutschland – allein für ein Viertel der CO2-Emissionen der EU verantwortlich – gab Eurostat einen Rückgang um 4,6 Prozent in 2019 an. Andere EU-Staaten meldeten prozentual einen viel höheren Rückgang, darunter Estland (-22,1%), gefolgt von Dänemark (-9%) sowie Griechenland und die Slowakei (-8,9% jeweils). In vier EU-Staaten stieg der CO2-Ausstoß: Luxemburg mit einem Plus von 7,5 Prozent, Österreich (+2,8%), Malta (+2,0%) und Litauen (+1,6%).

Nichts zum Feiern

Der im Vergleich zum vergangenen Jahr spätere Earth Overshoot Day 2020 (siehe: solarify.eu/so-frueh-wie-nie-erderschoepfungstag-am-29-juli) ist laut Footprint-Network jedoch nichts zum Feiern. Dennoch biete er eine nie dagewesene Gelegenheit, “über die Zukunft nachzudenken, die wir schaffen wollen. Wenn wir aus der Krise herauskommen und die Entscheidungsträger in Regierung und Wirtschaft hart daran arbeiten, unsere Volkswirtschaften wieder auf Hochtouren zu bringen, können sie sich dafür entscheiden, nachdenklich die Strategien zu identifizieren und zu unterstützen, die die Sicherheit der biologischen Ressourcen und den Wohlstand auf einem Planeten gewährleisten”. Das Footprintnetwork stellt sich “eine Welt vor, in der die Menschheit durch Design und nicht durch Desaster zu einer Ein-Planeten-Kompatibilität übergeht, so dass alle innerhalb der Möglichkeiten unseres Planeten gedeihen können”. Allerdings ist zu befürchten, dass manisches Ungeschehenmachen nach der Krise die Emissionen unverhältnismäßig ansteigen lassen könnte – noch weniger Grund zum Feiern.

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