Temperatur in Nord- und Ostsee „besorgniserregend“ schnell gestiegen

Meere um 1,3, bzw. 1,8 Grad wärmer als vor 30 Jahren

Klimawandel-News jetzt (am 08.07.2020) auch aus dem Bundesverkehrsministerium: Laut BMVI werden Nord- und Ostsee ständig wärmer. Von 1969 bis 2017 hat sich die Nordsee um 1,3 Grad Celsius erhitzt, so die Antwort des Ministeriums auf eine schriftliche Frage der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen-Bundesfraktion Steffi Lemke. In der westlichen Ostsee wurde seit 1982 ein Temperaturanstieg von 0,6 Grad pro Dekade gemessen, das heißt um mindestens 1,8 Grad.

„Nord- und Ostsee erhitzen sich in besorgniserregendem Tempo“, sagte Lemke (unter anderen) laut Bildzeitung der Deutschen Presse-Agentur. Wenn sich der Temperaturanstieg fortsetze, drohten in beiden Meeren massive Veränderungen von Pflanzen und Umwelt. „Hering und Kabeljau fliehen schon heute in kühlere Gewässer, Richtung Arktis. Für die kleine Küstenfischerei ist das genauso dramatisch, wie für komplexe ökologische Kreisläufe innerhalb unserer Meere, so Lemke.“ Auch könnten Algenblüten weiter zunehmen.

Zur Übernahme des Vorsitzes der Helsinki-Kommission durch Deutschland zum Schutz der Ostsee hatte Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik der grünen-Bundestagsfraktion, am 03.07.2020 erklärt: „Die Ostseeanrainer haben sich verpflichtet, bis zum Jahr 2021 einen guten Meereszustand zu erreichen. Doch die Ostsee befindet sich weiterhin in einem katastrophalen Zustand. Überhitzung, Schadstoffeinträge, der Sauerstoffmangel und die Überfischung setzen den marinen Ökosystemen massiv zu. Beim Meeresschutz sind es auch die deutschen Meeresgebiete, die bisher keinerlei Schutz für bedrohte Arten und Ökosysteme bieten. Es gibt keinerlei definierte Regeln in den Schutzgebieten oder Beschränkungen für wirtschaftliche Aktivitäten. Im Gegenteil: Es ist ein Skandal, dass innerhalb der Schutzgebiete sogar mehr gefischt wird als außerhalb. Die Helsinki-Kommission hat Anfang des Jahres Empfehlungen gegeben, wie der Schutz von einzelnen Arten erfolgreich gelingen kann. Der vom Aussterben bedrohte Ostsee-Schweinswal benötigt echte Rückzugsräume. Zudem muss es  für den Erhalt dieser Meeressäuger Einschränkungen von besonders tödlichen Fischereitechniken, wie etwa Stellnetzen, geben. Die Schweinswale, aber auch andere Tiere verheddern sich darin und sterben qualvoll. Die Bundesregierung muss während des Vorsitzes endlich mit gutem Beispiel vorangehen und den Meeresschutz zur Priorität machen. Ohne Fischereibeschränkungen sind Meeresschutzgebiete nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Statt Lippenbekenntnisse und Festakte fordern wir Grüne die Ministerin auf, hier endlich zu handeln.“

In der Nordsee entsteht selbst in tieferen Schichten unterhalb von 30 Metern im Frühjahr eine warme Deckschicht – so das BMVI. Die saisonale Erwärmung könne regional und von Jahr zu Jahr variieren. Insgesamt ergeben die Messungen der Nordsee-Stationen für die vergangenen 30 Jahre Erwärmungen zwischen 0,5 und 2 Grad. Für die Deutsche Bucht wurde von 1980 bis 2015 Erwärmungen um 1,4 Grad an der Wasseroberfläche und um 1,6 Grad in 20 Metern Tiefe gemessen.

In der Ostsee liegt die Erwärmung im Zeitraum 1980-2015 bei 1,9 Grad in 20 Metern Tiefe. Überdurchschnittlich stark erhitzt sich das Gebiet “Oder Bank” an der östlichen deutschen Ostseeküste, wahrscheinlich auf Grund der seichten Wassertiefe durch unehmend warme Sommer verursacht.

Lemke forderte folglich wirksameren Klimaschutz. „Wenn wir unsere Meere retten wollen, braucht es endlich auch wirksame Schutzgebiete in denen sich geschützte Arten zurückziehen und erholen können“, sagte sie. Gesunde Meere könnten auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „So speichern gesunde Meere riesige Mengen an Kohlenstoff und produzieren gleichzeitig unsere Luft zum Atmen.“

->Quellen: