Synthetisches Kerosin aus Zement-CO2

100-Millionen-Pilotprojekt geplant

Ein Pilotprojekt namens „catch4climate“, für das sich vier Zementhersteller zusammengeschlossen haben, will durch Abscheidung von CO2 und dessen industrielle Nutzung mit grünem Strom klimaneutrale synthetische Kraftstoffe, wie etwa Kerosin für den Flugverkehr herstellen. Auf dem Gelände des Zementwerks Schwenk in Mergelstetten (Heidenheim a.d. Brenz) bei Schwäbisch Hall soll eine Demonstrationsanlage im halbindustriellen Maßstab entstehen, die das sogenannte Oxyfuel-Verfahren zur CO2-Abscheidung einsetzt.

Bei Schwenk-Zement in Heidenheim-Mergelstetten soll aus den Abgasen synthetisches Kerosin gewonnen werden – Foto © SCHWENK Zement KG

Die Zementindustrie sucht intensiv nach Lösungen, um die CO2-Emissionen, die beim Brennen des eingesetzten Kalksteins unvermeidbar entstehen, wieder in einen Kreislauf zu bringen indem sie für neue Produkte genutzt werden. Hierfür muss das CO2 beim Zementherstellungsprozess abgeschieden werden. Um solche Verfahren in der Praxis zu demonstrieren, haben die vier europäischen Zementhersteller Buzzi Unicem SpA – Dyckerhoff GmbH, HeidelbergCement AG, SCHWENK Zement KG und Vicat S.A. bereits Ende 2019 die gemeinsame Gesellschaft CI4C – Cement Innovation for Climate – gegründet. Das „catch4climate“-Projekt soll nun die Voraussetzungen für einen großflächigen Einsatz von CO2-Abscheide-Technologien in Zementwerken schaffen, um so eine spätere Verwendung des CO2 als Rohstoff in anderen Prozessen zu ermöglichen (CCU, CCS).

Das Oxyfuel-Verfahren (aus Oxy für Oxygen = Sauerstoff und fuel = Brennstoff) ist ein Klinkerbrennverfahren, bei dem anstelle von Luft reiner Sauerstoff in den Zementofen eingebracht wird. Dank des reinen Sauerstoffs gelangt kein Stickstoff mehr in den Brennvorgang und ein hochkonzentriertes CO2 entsteht. Nahezu 100 Prozent dieser CO2-Emissionen sollen kosteneffizient abgeschieden werden. Wenn die zu beantragenden Fördermittel genehmigt werden, kann die europäische Zementindustrie dadurch die prozessbedingten CO2-Emissionen verringern und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das CI4C Konsortium ist bereits in die Planungsphase eingestiegen und kooperiert im Pilotprojekt „catch4climate“ in Mergelstetten eng mit dem Land Baden-Württemberg. Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten und dem Verkehrsminister des Landes wurde am 18.11.2020 in Stuttgart ein entsprechender „Letter of Intent“ unterzeichnet.

Das Land Baden-Württemberg, die Zementindustrie und der Flughafen Stuttgart wollen mit dem gemeinsamen Pilotprojekt die Herstellung erneuerbarer Kraftstoffe aus den CO2-Emissionen von Zementwerken und deren Einsatz beispielsweise im Luftverkehr erproben. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung unterzeichnet.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte: „Die Innovation, über die wir heute sprechen, hat es wirklich in sich. Es geht darum, den bei der Produktion von Zement entstehenden Klimakiller CO2, der prozessbedingt und nicht vermeidbar ist, zur Grundlage für die Herstellung von klimafreundlichem, synthetischem Kerosin zu machen. Das klingt nach einem schwierigen und außergewöhnlichen Vorhaben. Und das ist es auch. Aber gerade deshalb ist es bei uns in Baden-Württemberg genau richtig.“

Verkehrsminister Winfried Hermann erklärte: „Das Land unterstützt ausdrücklich die Initiative der Zementwirtschaft Baden-Württemberg, in einer großtechnischen Demonstrationsanlage CO2 an der Quelle abzuscheiden. Das ermöglicht eine klimafreundlichere Zementproduktion und zugleich die Gewinnung eines wichtigen Rohstoffes für erneuerbare Kraftstoffe. Wir müssen alle technologischen Pfade erkunden, um Treibhausgase zu reduzieren und die Erderwärmung einzudämmen.“

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