Textile Kreislaufwirtschaft

BASF und Inditex er­zielen Durch­bruch mit Nylon aus Stoffabfällen

Die BASF und Inditex (ZARA) haben am 23.01.2024 in einer gemeinsamen Medienmitteilung einen Durchbruch bei ihren Bemühungen verkündet, Zirkularität in der Textilindustrie zu fördern. Mit der Markteinführung von loopamid®, einem Polyamid 6 (PA6, auch bekannt als Nylon 6), das zu 100 Prozent aus Textilabfällen hergestellt wird, bietet die BASF die erste zirkuläre Lösung für Nylonbekleidung an, die vollständig auf Textilabfällen basiert. Zara hat eine Jacke aus 100 Prozent loopamid (für € 179) gefertigt, die weltweit erhältlich ist. Gemäß eines „Design für Recycling“-Ansatzes sind alle Teile, einschließlich Stoffe, Knöpfe, Füllung, Klettverschluss und Reißverschluss aus loopamid gefertigt.

ZARA-Etikett – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftJPG

Mit loopamid hat BASF eine innovative Lösung entwickelt, um Zirkularität in der Modeindustrie zu verbessern und Polyamid 6-Textilabfälle zu recyceln. Da die Technologie alle Gewebemischungen toleriert, einschließlich PA6 gemischt mit Elastan, ermöglicht sie Textil-zu-Textil-Recycling von Industrietextilabfällen und Altkleidern. Die Fasern und Materialien können über mehrere Zyklen recycelt werden. Gleichzeitig sind die Materialeigenschaften identisch mit denen von herkömmlichem Polyamid.

„BASF hat einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft in der Modeindustrie erreicht und Pionierarbeit geleistet, um den Kreislauf für Nylontextilien zu schließen“, sagt Dr. Ramkumar Dhruva, Leiter des BASF-Unternehmensbereichs Monomers. „Unser loopamid hat das Potenzial, den PA6-Markt zu revolutionieren. Wir arbeiten an der Skalierung unserer Technologie, um unsere Kunden mit kommerziellen Mengen zu bedienen. Die Jacke, die wir zusammen mit Inditex realisiert haben, ist der Beweis dafür, dass Zirkularität möglich ist, und wir sind bestrebt, die nachhaltige Transformation der Textilindustrie weiter voranzutreiben.“

Polyamid 6, allgemein bekannt als Nylon 6, ist ein synthetisches Polymer, das aufgrund seiner hervorragenden mechanischen Eigenschaften und Vielseitigkeit in zahlreichen Textilanwendungen weit verbreitet ist. BASF ist einer der führenden Hersteller von Polyamid 6 und dessen Vorprodukten und betreibt Produktionsstandorte in Europa, Asien und Nordamerika.

Inditex hat sich mit anderen führenden Anbietern in der Bekleidungsindustrie zusammengetan, um loopamid nahtlos in verschiedene Bekleidungskomponenten zu integrieren, darunter Stoffe, Reißverschlüsse, Knöpfe, Füllungen, Klettverschlüsse und Nähgarne. ModaRe, ein Rücknahmeprogramm der Hilfsorganisation Caritas, hat ausgesonderte Textilien klassifiziert, sortiert und als Ausgangsmaterial bereitgestellt. Das italienische Unternehmen RadiciGroup hat an der Umwandlung von loopamid-Polymer in verschiedene Garnarten mit unterschiedlichen Eigenschaften gearbeitet. Der japanische Hersteller von Verschlusstechniken YKK und die multinationalen Velcro Unternehmen haben eine entscheidende Rolle bei der Verwendung von loopamid-Polymer zur Herstellung von Kunststoffkomponenten für Reißverschlüsse und Druckknöpfe sowie Klettverschlüsse gespielt. Uniter aus Spanien, Tessitura Vignetta aus Italien sowie Freudenberg und Gütermann aus Deutschland haben sich ebenfalls an diesem Projekt beteiligt, um weitere Bekleidungskomponenten wie Innenetiketten, Füllmaterialien und Nähgarne aus loopamid zu entwickeln.

Javier Losada, Chief Sustainability Officer von Inditex, fügt hinzu: „Das Vorantreiben von Innovationen ist der Schlüssel zu einer verantwortungsvolleren Industrie. Diese Zusammenarbeit ist ein großartiges Beispiel dafür, wie wir die neue Technologie nutzen können, um Textilabfälle in eine neue Ressource umzuwandeln, wenn wir alle zusammenarbeiten. Dieses Projekt ist auch ein erster Schritt in Richtung einer Kreislauflösung, da die Branche neue Sammel- und Recyclingkapazitäten aufbauen muss, um den Kreislauf zu schließen und das Recycling von Post-Consumer-Abfällen zu skalieren.“

BASF und Inditex verfolgen nach eigenen Angaben „ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele“. Bis zum Jahr 2030 will die BASF den Umsatz mit Lösungen für die Kreislaufwirtschaft auf 17 Milliarden € verdoppeln. Um dies zu erreichen, konzentriere sich das Unternehmen auf drei Handlungsfelder: zirkuläre Rohstoffe, neue Stoffkreisläufe und neue Geschäftsmodelle.

Inditex hat sich zum Ziel gesetzt, seine Textilprodukte bis 2030 „ausschließlich aus Materialien mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck herzustellen“. Im Rahmen dieses Engagements rechnet der Konzern damit, dass 25 Prozent der Textilfasern aus Materialien der nächsten Generation hergestellt werden, die es im industriellen Maßstab noch nicht gibt. 40 Prozent werden konventionelle Recyclingmaterialien und 25 Prozent organische und regenerative Fasern sein.

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