Die ersten kommunalen Wärmepläne liegen vor. Eine Untersuchung zeigt, wo Lücken sind. Was Fraunhofer ISE und das Öko-Institut in 113 kommunalen Plänen gefunden haben, zeigt, wo die Wärmewende auf dem Papier noch löchrig ist.

Installation einer Wärmepumpe von Samsung. Geräte wie dieses übertrafen 2025 in Deutschland erstmals die Verkaufszahlen von Gasheizungen. Foto: Sam Bush / Nesta / Climate Visuals
11.000 deutsche Kommunen sind dazu verpflichtet, einen Wärmeplan vorzulegen. So schreibt es das Wärmeplanungsgesetz vor. Fraunhofer ISE und das Öko-Institut haben jetzt erstmals 113 dieser Pläne ausgewertet. Dokumente aus 223 Gemeinden, die bereits fertiggestellt sind. Das Ergebnis: Eine klare Richtung ist erkennbar, aber dieselben wiederkehrenden Lücken tauchen auf.
In Gebieten ohne Anschluss an Nah- oder Fernwärme setzen die Kommunen auf die Wärmepumpe. Marc Stobbe vom Öko-Institut bringt es auf den Punkt: „Die Wärmepumpe erweist sich über alle Pläne und Gemeindegrößen hinweg als die wesentliche Technologie für die dezentrale Versorgung.“ Wo hingegen Fernwärmeleitungen verlegt werden können, denken die Planer groß. Der Anteil soll von heute rund 16 Prozent auf durchschnittlich 40 Prozent steigen. Noch ambitionierter kalkulieren Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern: Bis 2045 wollen sie jeden zweiten bis vier von fünf Haushalten ans Wärmenetz anschließen.
Häufige Schwachstellen sind laut Fraunhofer folgende: Erstens werden die Wärmebedürfnisse der Industrie vergessen. Wer einen Heizplan für Wohngebäude erstellt, hat noch keinen für die Fabrik nebenan. Prozesswärme aus Gewerbe und Industrie bleibt in vielen Dokumenten schlicht außen vor, obwohl sie einen erheblichen Teil des gesamten Wärmebedarfs ausmacht.
Zweitens wird Biomasse überschätzt. Viele Kommunen setzen stark auf Holz und andere biogene Brennstoffe. Dabei arbeiten sie mit unterschiedlichen Definitionen und kalkulieren in etlichen Fällen mit Mengen, die das lokale Potenzial übersteigen. Was eine Gemeinde als lokale Ressource verplant, steht der Nachbargemeinde nicht mehr zur Verfügung, das werde bisher zu wenig berücksichtigt.
Drittens bleiben Effizienzannahmen vage. Fast alle Pläne gehen von einem deutlichen Rückgang des Wärmebedarfs aus. Doch woher soll dieser Rückgang kommen? Aus Gebäudesanierungen? Aus technischen Verbesserungen? Oder aus veränderten Heizgewohnheiten? In den meisten Dokumenten bleiben die Antworten auf diese Fragen offen und das Fraunhofer-Institut sieht keinen Anlass von einem schnellen Rückgang des Wärmebedarfs auszugehen.
Die Forschergruppe empfiehlt einheitliche Richtwerte: Alle Kommunen sollen mit derselben Grundannahme rechnen, wie viel Wärme durch Gebäudesanierungen bis 2040 eingespart wird. Statt dass jede Stadt ihre eigene Zahl erfindet. Wer mehr ansetzt, muss begründen warum. Bis 2028 werden Tausende weitere Pläne folgen. Ob sie dieselben Schwächen aufweisen, hängt davon ab, ob Bund und Länder bei der nächsten Förderrunde auch Qualitätsstandards einfordern. Bisher reicht es, einen Plan abzugeben. Ob er trägt oder sinnlos ist, prüft niemand.
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