Warum Aluminium gelingt, was Plastik nicht schafft

Eine Aluminiumdose, einmal im Pfandautomaten verschwunden, ist nach etwa 60 Tagen wieder im Regal. Der Weg durch Sortieranlagen, Schreddertrommeln und Schmelzöfen mit Materialverlust von praktisch null. Die Kreislaufwirtschaft funktioniert in Europa. So gut, allerdings nur bei Aluminium.

Image by <a href="https://pixabay.com/users/analogicus-8164369/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=6902961">Tom</a> from <a href="https://pixabay.com//?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=6902961">Pixabay</a>

Die Kreislaufwirtschaft funktioniert, wenn die Bedingungen stimmen. Aluminium ist der Beweis. Foto: Tom

Mit rund 580.000 Tonnen Aluminium aus Getränkedosen, die 2023 in Europa wieder eingeschmolzen wurden, wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Die Recyclingquote stieg auf 76,3 Prozent. Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl selbst als das Verhältnis: Während der Dosenverbrauch im selben Jahr um vier Prozent wuchs, stieg das Recyclingvolumen um sieben Prozent.
Hinter der Quote steht ein einfacher Mechanismus. Aluminium verliert beim Schmelzen seine Eigenschaften nicht. Eine alte Dose lässt sich endlos zu einer neuen Dose verarbeiten, ohne dass das Material an Qualität verliert. Die Branche nennt diesen Prozess „can-to-can loop”. Während Kunststoff bei jedem Durchgang an Reinheit einbüßt und früher oder später zu Parkbänken oder Folien downcycled wird, bleibt Aluminium immer Aluminium. Das spart pro Tonne rund 14.000 Kilowattstunden Energie gegenüber der Primärproduktion von Bauxit aus Minen, also etwa 95 Prozent.

Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht in der Chemie, sondern im Preis. Aluminiumschrott hat einen so hohen Marktwert, dass sich das Sammeln auch ohne staatliche Förderung lohnt. Wo zusätzlich ein Pfandsystem hinzukommt, schießen die Quoten in die Höhe: So sprang Malta innerhalb eines Jahres von 50 auf 80 Prozent und die Slowakei von 58 auf 91 Prozent. In Deutschland, wo seit über zwei Jahrzehnten Pfand erhoben wird, liegt die Quote sogar bei 99 Prozent. Die Dose ist faktisch kein Abfall mehr, sondern eine Münze.
Wie die dahinterstehende Infrastruktur aussieht, lässt sich an einem Standort bei Hannover beobachten. Emirates Global Aluminium investiert dort 145 Millionen Euro in eine Anlage, die Schrott sortiert, einschmilzt. Diese Schritte, die früher an verschiedenen Orten stattfanden, werden zusammengelegt. Ähnliche Konzepte verfolgen Novelis und Speira, die zusammen den deutschen Markt für recycelte Dosen bedienen.

Bis 2030 will die Branche die hundert Prozent erreichen – den vollständig geschlossenen Kreislauf. Das ist realistisch, weil die ökonomischen Anreize stimmen. Hier liegt die unbequeme Wahrheit. Aluminium wird nicht deshalb recycelt, weil es die Politik so will, sondern weil der Rohstoff teuer genug ist, um Menschen, Maschinen und Logistik dafür in Bewegung zu setzen. Kunststoff ist zwar billig in der Herstellung, aber technisch komplex in der Sortierung und nach wenigen Durchläufen entwertet. Obwohl es ein großes Kreislauf-Potenzial gibt, wird die tatsächliche Kreislauf-Quote Plastik wahrscheinlich bei 14 Prozent stehen bleiben, egal wie viele Recyclingziele Brüssel beschließt. Die Frage ist also nicht, warum Aluminium funktioniert, sondern was bei den anderen Materialien fehlt, dass kein Stoffkreislauf zustande kommt.

 

Quellen: