Statusbericht Kreislaufwirtschaft 2026

Vier Statusberichte, dieselbe Diagnose: Die Kreislaufwirtschaft scheitert nicht an der Technik. Sie scheitert an langen Genehmigungsdauern, einer schwachen Inlandsnachfrage und einer öffentlichen Beschaffung, die Recyclingmaterial systematisch übergeht.

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880 Milliarden Potenzial bis 2045 – das beziffert eine BCG/BDI-Studie für die Kreislaufwirtschaft. Die Politik behandelt die Branche weiter als Nebensache. Grafik: Michael De Groot

Zu diesem Fazit kommt der „Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026“. Er wurde von Prognos im Auftrag von 15 Branchenverbänden erstellt und auf der Umweltmesse IFAT in München präsentiert. Eine Branche, die jährlich 400 Millionen Tonnen Abfall behandelt, 13.500 Anlagen betreibt und eine Bruttowertschöpfung von 60 Milliarden Euro erzeugt, wird politisch noch immer als nachgelagerter Umweltsektor verwaltet. Laut dem Bericht stoße die Kreislaufführung „heute weniger an technische als an wirtschaftliche und rechtliche Grenzen“. Übersetzt bedeutet dies: Die Anlagen stehen, das Wissen ist vorhanden und die Stoffströme sind sortiert. Was fehlt, sind Abnehmer und verlässliche Regeln.

Der Bericht listet eine Reihe der Bremsen auf. Die Preise für Sekundärrohstoffe schwanken stark, die Energiekosten steigen und Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge. Bei Kunststoff, Textilien und Glas bricht zusätzlich die Inlandsnachfrage weg, weil Hersteller billiger zu Neuware greifen. Öffentliche Auftraggeber, die per Vergabe gezielt Recyclingmaterial einkaufen könnten, nutzen ihren Spielraum nicht. Und Innovationen, etwa im Bereich des chemischen Recyclings oder der Batterierückgewinnung, kommen aus der Pilotphase nicht in den Regelbetrieb – sie scheitern oft am ersten kommerziellen Maßstab.

Wie groß der ungenutzte Hebel ist, zeigt eine zeitgleich von BCG und BDI vorgelegte Studie. Demnach beträgt das Wertschöpfungspotenzial einer  Kreislaufwirtschaft bis 2045 880 Milliarden Euro, verteilt auf die Bereiche Mobilität, Maschinenbau, Bau, Energie und Textilien, die zusammen über 60 Prozent des deutschen Industrieoutputs ausmachen. Die Recycling-Branche selbst könnte sich von 60 auf 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Strategische Rohstoffimporte ließen sich um 20 bis 40 Prozent senken, bei Seltenen Erden um bis zu 20 Prozent und bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. Allein die Wiederverwendung gebrauchter Windkomponenten, Transformatoren und Batterien spart der Energiewende rechnerisch 40 Milliarden Euro.
Damit verschiebt sich die Debatte. Recycling war einmal Müllpolitik. Heute geht es um Versorgungssicherheit. Wer Kupfer aus Altkabeln zurückgewinnt, einen ausgedienten Transformator wieder einsetzt oder Lithium aus Batterien gewinnt, ersetzt Importe aus politisch heiklen Regionen. Genau diesen Punkt benennt der bvse: „Die Branche ist bereit, Innovationen voranzutreiben und Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen.“
Die passende Antwort der Politik wäre, die Kreislaufwirtschaft als das zu behandeln, was sie längst ist: eine Rohstoffinfrastruktur. Im Alltag der Branche ist davon jedoch wenig zu spüren. Sie bleibt, wie der Bericht ausdrücklich feststellt, „politisch vielfach weiter als nachgelagerter Umweltsektor wahrgenommen“.

Quellen: