Der Staat zahlt einem Stahlwerk die Mehrkosten der grünen Produktion und erhält das Geld zurück, sobald grün billiger wird als fossil. Dieses Tauschgeschäft, auch CO2-Differenzvertrag genannt, geht in die zweite Runde. Bis zu fünf Milliarden Euro stehen bereit.

Die Zukunft der Industrie schon heute starten? Das soll der Differenzvertrag der Bundesregierung ermöglichen. Foto: Simon Kadula
Dahinter steckt eine einfache Überlegung. Grundstoffindustrien wie die Chemie-, Stahl-, Zement- oder Keramikindustrie lassen sich nicht mit kleinen Effizienzschritten dekarbonisieren – sie benötigen neue Verfahren, die oft auf Wasserstoff oder elektrischen Hochtemperaturprozessen basieren. Diese Verfahren sind heute teurer als die fossile Routine. Der Differenzvertrag schließt diese Lücke für 15 Jahre. Liegt der grüne Pfad über dem konventionellen, zahlt der Bund die Differenz. Kippt das Verhältnis, fließt das Geld zurück. Es handelt sich also nicht um einen Investitionszuschuss, sondern um eine Versicherung gegen das Preisrisiko der Transformation.
Wie groß die Nachfrage ist, zeigte die erste Runde im Oktober 2024: Von 17 Bewerbern erhielten 15 einen Zuschlag und das Volumen von 2,8 Milliarden Euro war vergriffen. Die ausgewählten Unternehmen – vom Mittelständler bis zum Konzern – wollen über die Vertragslaufzeit hinweg bis zu 17 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Fünf von ihnen setzen auf Wasserstoff. Die Zuschläge wurden noch unter der vorherigen Bundesregierung erteilt, kurz bevor die Ampel zerbrach und das Programm in der politischen Schwebe landete.
Die jetzige zweite Runde ist deshalb auch ein Signal: Die neue Bundesregierung hält am Instrument fest, hat es aber angepasst. Das Förderinstrument heißt nicht mehr Klimaschutzvertrag, sondern CO2-Differenzvertrag und die Schwellen wurden gesenkt. So reichen statt 60 Prozent Emissionsreduktion bis zum vierten Vertragsjahr künftig 50 Prozent und im letzten Jahr 85 statt 90 Prozent. Neu förderfähig ist außerdem das Abfangen und Nutzen von C02. Relevant zum Beispiel für die Zementindustrie ist, dass deren Prozessemissionen aus dem Gestein selbst stammen und sich nicht durch grünen Strom vermeiden lassen.
Eindeutig positiv ist diese Lockerung nicht. Wer die Anforderungen senkt, öffnet das Programm für mehr Unternehmen, lässt aber weniger Anreiz, besonders ambitionierte Lösungen zu verfolgen. Dazu kommen Unsicherheiten, die geblieben sind: Die EU hat das Programm noch nicht beihilferechtlich genehmigt, der Haushaltsvorbehalt besteht weiterhin. Für Stahlwerke und Zementfabriken, die Investitionsentscheidungen auf Jahrzehnte treffen, ist genau diese Unklarheit das eigentliche Problem – nicht nur die Transformation selbst.
Differenzverträge schützen vor Preisrisiken, ersetzen aber nicht die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff, zusätzlichem Strom aus erneuerbaren Energien oder CO2-Speichern. Bis 2045 muss Deutschland klimaneutral sein. Ein Instrument wie dieses könnte helfen, dass energieintensive Projekte abwandern.
Quellen: