Das Wertvollste am alten Atomkraftwerk Brunsbüttel ist sein Netzanschluss. Vattenfall nutzt diesen nun für einen riesigen Batteriespeicher, anstatt andernorts jahrelang auf eine Anbindung zu warten.

Batteriecontainer auf dem alten Atomgelände Brunsbüttel: Der Großspeicher mit 254 Megawatt nutzt den bestehenden Netzanschluss des ehemaligen Reaktors. Grafik: Vattenfall
Am 10. September 2026 hat Vattenfall die finale Investitionsentscheidung getroffen. Auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks entsteht ein Speicher mit 254 Megawatt Leistung und einer Kapazität von rund einer Gigawattstunde. Wo bis 2007 ein Reaktor Strom ins Netz einspeiste, sollen ab Ende 2028 Wind- und Sonnenenergie zwischengelagert werden. Über Jahrzehnte speiste ein Atomkraftwerk 771 Megawatt hier ins Netz ein. Dieser Zugang zum Höchstspannungs-Übertragungsnetz bleibt bestehen, auch wenn der Meiler längst abgeschaltet ist. Genau solche Anschlusspunkte sind heute knapp: Wer einen Großspeicher bauen will, wartet oft jahrelang auf eine Netzanbindung. In Brunsbüttel sind Fläche und Netzzugang vorhanden, Vattenfall muss nur ein neues Umspannwerk dazwischensetzen.
Für den Konzern ist es das bislang größte Batterieprojekt und einer der größten Speicher Deutschlands. Er verdoppelt fast das eigene Portfolio von rund 270 Megawatt Speicherleistung. Bis 2029 will Vattenfall auf bis zu 1,5 Gigawatt kommen. Ausgelegt ist die Anlage als Vier-Stunden-Speicher: Sie kann vier Stunden lang 254 Megawatt abgeben, so viel wie ein mittelgroßes Kraftwerk, und dabei rund eine Million Kilowattstunden puffern. „Je stärker Wind- und Solarenergie ausgebaut werden, desto wichtiger werden leistungsfähige Speicher“, sagt Claus Wattendrup, der bei Vattenfall für Solar und Batterien zuständig ist. Vom Atomkraftwerk Brunsbüttel, das einst für seine Pannen berüchtigt war, überdauert nicht der Reaktor, sondern das Kabel. Der Rückbau des Meilers wird noch bis in die 2030er Jahre dauern, während nebenan schon die nächste Stromgeneration arbeitet
Erst vor wenigen Tagen meldete das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr 2026 einen Rekord: 59,1 Prozent des erzeugten Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen. Je höher dieser Anteil, desto häufiger gibt es Stunden mit zu viel Strom, in denen Windräder abgeregelt werden und die Börsenpreise ins Minus rutschen. Speicher fangen diese Überschüsse auf und geben sie ab, wenn Flaute herrscht. Der Markt reagiert bereits: Im ersten Quartal 2026 wurde mit 2,2 Gigawattstunden so viel Speicherkapazität wie nie zuvor zugebaut. Großspeicher liefern inzwischen mehr Kapazität als alle neuen Heimspeicher zusammen. Für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit acht bis zehn Gigawattstunden.
Die Netzentwicklungsplanung rechnet für die kommenden Jahrzehnte mit einem Vielfachen der heutigen Speicherleistung. Und trotzdem steht der Boom auf wackeligem Grund. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt, dass der Ausbau nach 2029 ins Stocken geraten könnte, da Netzentgelte und Marktregeln Speicher benachteiligen. Der neue Kapazitätsmarkt etwa prämiert vor allem Gaskraftwerke.
- Quellen:
- Vattenfall: Vattenfall trifft finale Investitionsentscheidung für 254 Megawatt Batterie in Brunsbüttel
- DESTATIS: Stromerzeugung im 1. Halbjahr 2026: 6,5 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien
- Bundesverband Solarwirtschaft: Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher