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Veröffentlicht am24. Dezember 202010. Februar 2021Autorgh

Das Solarify-Team wünscht frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr als es 2020 in Bezug auf das Virus war!

KategorienKolumnen

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Verwandte Themen

  • Problem Abendlücke: Indiens Solar reicht bis 18 Uhr

    Indiens Solarausbau läuft schneller als geplant, doch das Netz hat ein Problem, das mehr Solarpaneele allein lösen können: Mittags produziert die Sonne im Überfluss, am Abend fehlt der Strom genau dann, wenn die Nachfrage steigt. Was fehlt, sind vor allem Speicher. Dieses Strukturproblem ist auch Deutschland bekannt Indiens Stromnetz hat an diesem Wochenende einen Rekord gebrochen, den niemand feiern wollte. Bei 45,3 Grad in Neu-Delhi forderten Haushalte und Industrie 270 Gigawatt, mehr als je zuvor. Bereits Ende April wurde mit über 250 Gigawatt ein alter Rekord aus dem Vorjahr überboten. Der Sommer kam diesmal Wochen früher als gewohnt und wurde durch das warme Wasser des El Niño, das den Subkontinent überdurchschnittlich aufheizt, begünstigt. Doch die Rekordnachfrage allein war nicht das Problem. Das Problem zeigt sich im Tagesverlauf. Mittags, wenn die Sonne hochsteht, liefert Indien Solarstrom im Überfluss. In den sonnigsten Stunden deckt er rund ein Viertel des nationalen Bedarfs. Im Jahr 2025 waren es 9,4 Prozent des gesamten Verbrauchs, und der Zubau beschleunigte sich: Allein im Jahr 2025 kamen 37,5 Gigawatt hinzu, was einem Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Doch um 20 Uhr ist die Sonne weg und Klimaanlagen und Geräte laufen weiter. Die Stromnachfrage fällt erst zwischen 18 und 22 Uhr, genau dann, wenn Millionen Klimaanlagen gegen die Hitze des Tages anlaufen und es in der Tropennacht nicht abkühlt. Solarstrom wird in diesem Moment nicht mehr geliefert. Einspringen müssen Kohle- und Wasserkraftwerke. Doch Kohlekraftwerke brauchen Stunden zum Hochfahren und reagieren träge, wenn die Last innerhalb weniger Minuten steil ansteigt. Ein Kraftwerk, das mittags zurückgefahren wurde, weil der Solarstrom es überflüssig gemacht hat, steht abends nicht auf Knopfdruck wieder bereit. Das Ergebnis war ein Defizit von 2,57 Gigawatt am Abend, wie der nationale Netzregulator Grid India bekannt gab. In Chennai fiel der Strom deshalb für fast eine Stunde aus. Auch in anderen Regionen wie Noida, Neu-Delhi und Odisha kam es zu Stromausfällen. Die Regierung rief die Verbraucher dazu auf, Strom „weise und sparsam” zu nutzen. Die Lücke verursacht Kosten: Die Central Electricity Authority beziffert das Ungleichgewicht zwischen Mittagsüberschuss und Abendknappheit auf rund 12.000 Crore Rupien im Jahr, umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Euro. Was fehlt, sind Batteriespeicher, die den Mittagsüberschuss in den Abend tragen könnten. Bisher hat Indien weniger als eine Gigawattstunde davon am Netz, praktisch nichts. Doch die Pipeline füllt sich: 92 Gigawattstunden sind im Bau oder in Planung und das Ziel liegt bei 346 Gigawattstunden bis 2033. In den letzten zwölf Monaten wurden 69 neue Ausschreibungen gestartet, was einem Anstieg von 35 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Eine erste Auktion für Solarstrom mit sechsstündiger Speicherdauer erzielte Anfang 2026 einen Preis von 3,12 Rupien je Kilowattstunde und ist damit erstmals mit konventionellem Strom konkurrenzfähig. Das Potenzial ist groß. Laut einer Analyse von IEEFA und Ember könnte Solar plus Speicher 90 Prozent der indischen Stromnachfrage decken, und zwar mit 930 Gigawatt Solar und 2.560 Gigawattstunden Batteriekapazität. Der Engpass liegt jedoch nicht in der Technik oder im Preis, sondern im Tempo. Disha Aggarwal vom Thinktank CEEW mahnt, Indien müsse die Inbetriebnahme der Speicher dringend beschleunigen. Bei 45 Grad Celsius tagsüber und 35 Grad Celsius nachts ist eine Klimaanlage keine Komfortfrage. Fällt der Strom für eine Stunde aus, steigt die Innentemperatur auf Werte, die für ältere Menschen und Kranke lebensbedrohlich werden. Millionen waren in der Nacht des 23. Mai in Chennai, Noida und Odisha betroffen – in Stunden, in denen keine natürliche Abkühlung eintrat. Batteriespeicher sind die technische Antwort. Doch ihr Ausbau dauert Jahre, und die Hitzewellen werden nicht warten. Quellen: reuters: India battles power cuts as heatwave boosts electricity demand to record IEEFA Viability of standalone battery energy storage tariffs IEEFA: India’s battery storage boom: Getting the execution right



  • Warum Aluminium gelingt, was Plastik nicht schafft

    Eine Aluminiumdose, einmal im Pfandautomaten verschwunden, ist nach etwa 60 Tagen wieder im Regal. Der Weg durch Sortieranlagen, Schreddertrommeln und Schmelzöfen mit Materialverlust von praktisch null. Die Kreislaufwirtschaft funktioniert in Europa. So gut, allerdings nur bei Aluminium. Mit rund 580.000 Tonnen Aluminium aus Getränkedosen, die 2023 in Europa wieder eingeschmolzen wurden, wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Die Recyclingquote stieg auf 76,3 Prozent. Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl selbst als das Verhältnis: Während der Dosenverbrauch im selben Jahr um vier Prozent wuchs, stieg das Recyclingvolumen um sieben Prozent. Hinter der Quote steht ein einfacher Mechanismus. Aluminium verliert beim Schmelzen seine Eigenschaften nicht. Eine alte Dose lässt sich endlos zu einer neuen Dose verarbeiten, ohne dass das Material an Qualität verliert. Die Branche nennt diesen Prozess „can-to-can loop”. Während Kunststoff bei jedem Durchgang an Reinheit einbüßt und früher oder später zu Parkbänken oder Folien downcycled wird, bleibt Aluminium immer Aluminium. Das spart pro Tonne rund 14.000 Kilowattstunden Energie gegenüber der Primärproduktion von Bauxit aus Minen, also etwa 95 Prozent. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht in der Chemie, sondern im Preis. Aluminiumschrott hat einen so hohen Marktwert, dass sich das Sammeln auch ohne staatliche Förderung lohnt. Wo zusätzlich ein Pfandsystem hinzukommt, schießen die Quoten in die Höhe: So sprang Malta innerhalb eines Jahres von 50 auf 80 Prozent und die Slowakei von 58 auf 91 Prozent. In Deutschland, wo seit über zwei Jahrzehnten Pfand erhoben wird, liegt die Quote sogar bei 99 Prozent. Die Dose ist faktisch kein Abfall mehr, sondern eine Münze. Wie die dahinterstehende Infrastruktur aussieht, lässt sich an einem Standort bei Hannover beobachten. Emirates Global Aluminium investiert dort 145 Millionen Euro in eine Anlage, die Schrott sortiert, einschmilzt. Diese Schritte, die früher an verschiedenen Orten stattfanden, werden zusammengelegt. Ähnliche Konzepte verfolgen Novelis und Speira, die zusammen den deutschen Markt für recycelte Dosen bedienen. Bis 2030 will die Branche die hundert Prozent erreichen – den vollständig geschlossenen Kreislauf. Das ist realistisch, weil die ökonomischen Anreize stimmen. Hier liegt die unbequeme Wahrheit. Aluminium wird nicht deshalb recycelt, weil es die Politik so will, sondern weil der Rohstoff teuer genug ist, um Menschen, Maschinen und Logistik dafür in Bewegung zu setzen. Kunststoff ist zwar billig in der Herstellung, aber technisch komplex in der Sortierung und nach wenigen Durchläufen entwertet. Obwohl es ein großes Kreislauf-Potenzial gibt, wird die tatsächliche Kreislauf-Quote Plastik wahrscheinlich bei 14 Prozent stehen bleiben, egal wie viele Recyclingziele Brüssel beschließt. Die Frage ist also nicht, warum Aluminium funktioniert, sondern was bei den anderen Materialien fehlt, dass kein Stoffkreislauf zustande kommt.   Quellen: Aluminium Journal: „Ein Vorzeigebetrieb für zukünftige Industrieprojekte“ EGA Leichtmetall: Aluminum Innovation Made in Germany eurostat: 2025 Packaging waste statistics   



  • Deutschland verfehlt Klimaziel 2030

    Wenn Deutschland sein Klimaziel 2030 verfehlt, kostet das nicht nur Glaubwürdigkeit. Es kostet bares Geld. Schätzungen rechnen mit bis zu 30 Milliarden Euro. Das Umweltbundesamt kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland beim CO2-Ausstoß knapp noch im erlaubten Rahmen liegt. Der unabhängige Expertenrat für Klimafragen sieht das jedoch anders: Er berechnet, dass Deutschland sein gesetzlich festgelegtes Emissionsbudget für die Jahre 2021 bis 2030 um 60 bis 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente überschreitet. Beide Bewertungen beziehen sich auf denselben Emissionshaushalt – unterscheiden sich aber um etwa 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Der Streit dreht sich nicht um Klimadaten, sondern um die Wirkung von Politik. Das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung umfasst 67 Maßnahmen und ein Budget von acht Milliarden Euro: Förderung für Elektroautos, Anreize zur Gebäudesanierung und den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Der Expertenrat hält die Wirkung jedoch für zu optimistisch berechnet. Kritisch fällt vor allem ins Gewicht, dass noch gar nicht beschlossene Gesetze, wie etwa eine geplante Gebäudesanierungspflicht, bereits als gesicherte Einsparung verbucht werden. Ratschefin Barbara Schlomann sagt: „Die tatsächliche Minderungswirkung dürfte deutlich geringer ausfallen als von der Bundesregierung angenommen.” Der Energiesektor liegt im Plan – Kohleausstieg und Erneuerbaren-Zubau wirken. Verkehr und Gebäude hingegen liefern nicht. Der Gebäudesektor lag 2025 bei 103 Millionen Tonnen – und stieg um 3,4 Prozent. Auch der Verkehr legte zu. Beide Sektoren gehen in die falsche Richtung. Hinzu kommt ein blinder Fleck: Wälder und Moore, die laut Klimaschutzgesetz CO2 binden sollen, sind seit 2018 selbst zur Quelle geworden. Die EU verlangt, dass der Gebäudebereich und der Verkehr ihre Emissionen bis 2030 gegenüber 2005 halbieren. Verfehlt Deutschland dieses Ziel, muss es Emissionsrechte von anderen Mitgliedstaaten kaufen. Kostenschätzungen bewegen sich dabei im Milliardenbereich. Ältere Rechnungen gehen von 7,5 bis 30 Milliarden Euro aus. Ab 2027 verschärft der neue Emissionshandel die Lage, da er Gebäude und Verkehr direkt erfasst und CO2 für Heizen und Tanken einpreist. Bundesumweltminister Carsten Schneider nimmt die Warnung des Expertenrats nach eigenem Bekunden ernst, bezeichnet die Lücke jedoch als „handhabbar” und verweist auf geopolitische Störungen am Energiemarkt. Er will erneuerbare Energien „mit Vollgas” ausbauen und die strittigen Posten in den Haushaltsverhandlungen klären. Der Expertenrat fordert jedoch mehr: die Rückkehr eines Klimakabinetts, eine belastbare technische Strategie für CO2-Entnahme und eine soziale Abfederung der kommenden Kosten.   Quellen: Expertenrat für Klimafragen: Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgasemissionen für das Jahr 2025 und zu den Projektionsdaten 2026 BMUKN: Bundesumweltminister Carsten Schneider zur Vorstellung des Gutachtens des Expertenrats für Klimafragen



  • Golfstrom schwächt sich stärker ab als bisher angenommen

    Eine neue Studie korrigiert die Golfstrom-Prognose nach unten: 51 Prozent Abschwächung bis 2100. Das ist drastischer düsterer als bisher angenommen. Was bedeutet das für Europa? Die Klimamodelle haben den Golfstrom um 60 Prozent zu optimistisch eingeschätzt. Eine neue Studie, die in Science Advances veröffentlicht wurde, aktualisiert die Prognose zur Entwicklung des Golfstroms. Die Entwicklung ist schlechter als bisher gedacht. In der Wissenschaft wird sie als die Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC) bezeichnet. Man kann sich den Golfstrom wie eine gigantische Förderpumpe vorstellen: An der Oberfläche wird  warmes Tropenwasser nach Norden geschoben und in der Tiefe fließt kaltes Wasser zurück nach Süden. So liegt London ähnlich nördlich wie Moskau, wo der Boden monatelang gefroren ist. Sie wird von einem feinen Gleichgewicht aus Temperatur und Salzgehalt angetrieben. Wenn zu viel Süßwasser ins Nordmeer schmilzt, gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken. Genau das passiert gerade. Das Schmelzwasser aus Grönland hat sich seit den 1990er-Jahren mehr als vervierfacht. Für seine Studie verband das französische Forscherteam um Valentin Portmann echte Messdaten mit den großen internationalen Klimamodellen, an denen Forschungsgruppen weltweit zusammenarbeiten. So konnte das Team die Bandbreite der Prognose stark eingrenzen. Bisher waren die Schätzungen unsicher und es gab verschiedene Entwicklungs-Vorhersagen. Nun konnte die Studie mit großer Sicherheit die drastische Verlangsamung des Golfstroms feststellen. Die Aussage wird damit nicht nur verlässlicher, sondern auch düsterer. Den größten Teil der bisherigen Abweichung erklären die Autoren mit falsch berechneten Salzgehalten im Südatlantik und Temperaturfehlern im Nordatlantik. „Die Kombination aus Beobachtungen und Klimamodellen deutet auf eine 60 Prozent stärkere Abschwächung hin, als die Modelle allein nahelegen“, schreiben die Forscher. Wie nah ein möglicher Kipppunkt liegt, zeigt eine zweite Arbeit. Ein Kipppunkt ist die Schwelle, ab der sich der Prozess von selbst weitertreibt und nicht mehr zu stoppen ist. Sybren Drijfhout vom niederländischen Wetterdienst und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung haben ausgerechnet: Bei hohen Emissionen könnte diese Schwelle schon Mitte des Jahrhunderts erreicht sein. Zwischen dem Kipppunkt und dem vollständigen Zusammenbruch lägen dann, je nach Modell, 50 bis 100 Jahre. Rahmstorf schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses auf über 50 Prozent. Was danach käme, lässt sich grob umreißen: trockene Sommer und eisige Winter in Nordwesteuropa, ein um 20 bis 30 Zentimeter höherer Meeresspiegel an der US-Ostküste sowie verschobene Regenzeiten in den Tropen. Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2024 formuliert es nüchtern: Gegen so einen schnellen Temperatursturz gibt es noch keine realistischen Anpassungsmaßnahmen. Für die Energiewende ist das mehr als eine ferne Klimafrage. Stromnetze, Kraftwerksstandorte und Wärmeplanung werden für ein Klima ausgelegt, das als grob stabil gilt. Verschiebt sich das Klima schneller als gedacht, steigen  die Kosten für Anpassungen. Heikel ist der zweite Befund: Der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC, auf dem viele Klimaschutzziele basieren, stützt sich auf eben jene Modelle, die die Abschwächung nach den neuen Erkenntnissen zu niedrig ansetzen. Wer mit zu optimistischen Zahlen plant, plant womöglich zu knapp. Die einzige Stellschraube bleibt dieselbe wie zuvor, nur drängt sie jetzt mehr: weniger Emissionen, schneller.   Quellen: Science Advances: Observational constraints project a ~50% AMOC weakening by the end of this century Potsdam-Institut für Klimaforschung: Möglicher Zusammenbruch der atlantischen Umwälzzirkulation nach 2100 bei hohem Emissionspfad The Guardian: Critical Atlantic current significantly more likely to collapse than thought



  • Weniger China, mehr Pforzheim: Magnete aus Magneten

    China beschränkt den Export seltener Erden seit 2025. In Pforzheim ist Ende April eine der ersten kommerziellen EU-Anlagen in Betrieb gegangen, die Seltenerdmagnete aus Schrott zurückgewinnt – ohne neuen Bergbau Die Anlage gilt als wichtiger Meilenstein im europäischen Magnetrecycling. Betreiberin ist die HyProMag GmbH, eine Ausgründung der Universität Birmingham. In den industriellen Maßstab hat sie das Projekt gemeinsam mit dem Steinbeis-Europa-Zentrum und der Hochschule Pforzheim gebracht. Der Aufbau wurde vom EFRE-Fonds, dem Land Baden-Württemberg und UK Research and Innovation gefördert. Das Werk ist in das Horizon-Europe-Projekt REEsilience eingebettet, an dem 18 Partner aus mehreren EU-Staaten beteiligt sind. Ein baugleiches Schwesterwerk im britischen Tyseley Energy Park wurde im Januar 2026 eröffnet. Worum es geht, lässt sich in einer Stoffgruppe zusammenfassen: Neodym-Eisen-Bor, kurz NdFeB. Diese Permanentmagnete sind der Kern von Generatoren in Windturbinen und Antriebsmotoren in Elektroautos. Ohne sie gäbe es kein Magnetfeld, keinen Strom und keine Bewegung. China dominiert sowohl die Förderung seltener Erden als auch die Verarbeitung und Magnetfertigung; die EU ist bei Seltenerdmagneten stark abhängig von chinesischen Lieferungen. Obwohl Peking die Exportkontrollen verschärft ist Europa bei Magneten weiterhin stark von Importen aus China abhängig und produziert nur kleine Mengen selbst. In der Pforzheimer Halle stehen Reaktoren, in denen das HPMS-Verfahren (Hydrogen Processing of Magnet Scrap) abläuft. Darin werden alte Magnete aus geschredderten Festplatten, ausrangierten Antriebsmotoren oder demontierten Lautsprechern in einer Wasserstoffatmosphäre erhitzt. Der Wasserstoff dringt ein und die spröden Magnete zerfallen zu einem feinen, dunkelgrauen Pulver. Dieses Pulver lässt sich direkt zu neuen Magnetblöcken pressen, ohne dass die Legierung aufgeschmolzen oder neu zusammengesetzt werden muss. Das unterscheidet das Verfahren von klassischen Recyclingwegen, bei denen das Material meist zunächst in seine Bestandteile zerlegt werden muss. Patentiert wurde das HPMS-Verfahren an der Universität Birmingham. Laut HyProMag verursacht das Verfahren rund 90 Prozent weniger CO2 als die Herstellung von Magneten aus primären Rohstoffen. Die Anlage in Pforzheim startet 2026 mit einer Jahresproduktion von etwa 50 Tonnen, soll 2027 auf 350 Tonnen wachsen und ist für eine Jahresproduktion von 750 Tonnen genehmigt. Das ist viel für eine Pilot- und Anlaufphase, im europäischen Maßstab aber noch wenig. Der Critical Raw Materials Act der EU setzt bis 2030 höhere Zielwerte für Gewinnung, Verarbeitung und Recycling strategischer Rohstoffe. 10 Prozent sollen in der EU gefördert, 40 Prozent verarbeitet und 25 Prozent recycelt werden; außerdem soll höchstens 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs aus einem einzelnen Drittland stammen. Die Pforzheimer Anlage zeigt, dass die Technologie funktioniert. Sie macht aber auch deutlich, wie abhängig wir noch sind und wie schmal die Basis ist, von der aus Europa seine Magnetversorgung aufbauen will. Quellen: Steinbeis-Europa: Recycling-Anlage für Seltenerdmagnete in Pforzheim eröffnet HyproMag Rare Earth Magnet Recycling: Offizielle Eröffnung der HyProMag GmbH in Pforzheim



  • Statusbericht Kreislaufwirtschaft 2026

    Vier Statusberichte, dieselbe Diagnose: Die Kreislaufwirtschaft scheitert nicht an der Technik. Sie scheitert an langen Genehmigungsdauern, einer schwachen Inlandsnachfrage und einer öffentlichen Beschaffung, die Recyclingmaterial systematisch übergeht. Zu diesem Fazit kommt der „Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026“. Er wurde von Prognos im Auftrag von 15 Branchenverbänden erstellt und auf der Umweltmesse IFAT in München präsentiert. Eine Branche, die jährlich 400 Millionen Tonnen Abfall behandelt, 13.500 Anlagen betreibt und eine Bruttowertschöpfung von 60 Milliarden Euro erzeugt, wird politisch noch immer als nachgelagerter Umweltsektor verwaltet. Laut dem Bericht stoße die Kreislaufführung „heute weniger an technische als an wirtschaftliche und rechtliche Grenzen“. Übersetzt bedeutet dies: Die Anlagen stehen, das Wissen ist vorhanden und die Stoffströme sind sortiert. Was fehlt, sind Abnehmer und verlässliche Regeln. Der Bericht listet eine Reihe der Bremsen auf. Die Preise für Sekundärrohstoffe schwanken stark, die Energiekosten steigen und Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge. Bei Kunststoff, Textilien und Glas bricht zusätzlich die Inlandsnachfrage weg, weil Hersteller billiger zu Neuware greifen. Öffentliche Auftraggeber, die per Vergabe gezielt Recyclingmaterial einkaufen könnten, nutzen ihren Spielraum nicht. Und Innovationen, etwa im Bereich des chemischen Recyclings oder der Batterierückgewinnung, kommen aus der Pilotphase nicht in den Regelbetrieb – sie scheitern oft am ersten kommerziellen Maßstab. Wie groß der ungenutzte Hebel ist, zeigt eine zeitgleich von BCG und BDI vorgelegte Studie. Demnach beträgt das Wertschöpfungspotenzial einer  Kreislaufwirtschaft bis 2045 880 Milliarden Euro, verteilt auf die Bereiche Mobilität, Maschinenbau, Bau, Energie und Textilien, die zusammen über 60 Prozent des deutschen Industrieoutputs ausmachen. Die Recycling-Branche selbst könnte sich von 60 auf 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Strategische Rohstoffimporte ließen sich um 20 bis 40 Prozent senken, bei Seltenen Erden um bis zu 20 Prozent und bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. Allein die Wiederverwendung gebrauchter Windkomponenten, Transformatoren und Batterien spart der Energiewende rechnerisch 40 Milliarden Euro. Damit verschiebt sich die Debatte. Recycling war einmal Müllpolitik. Heute geht es um Versorgungssicherheit. Wer Kupfer aus Altkabeln zurückgewinnt, einen ausgedienten Transformator wieder einsetzt oder Lithium aus Batterien gewinnt, ersetzt Importe aus politisch heiklen Regionen. Genau diesen Punkt benennt der bvse: „Die Branche ist bereit, Innovationen voranzutreiben und Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen.“ Die passende Antwort der Politik wäre, die Kreislaufwirtschaft als das zu behandeln, was sie längst ist: eine Rohstoffinfrastruktur. Im Alltag der Branche ist davon jedoch wenig zu spüren. Sie bleibt, wie der Bericht ausdrücklich feststellt, „politisch vielfach weiter als nachgelagerter Umweltsektor wahrgenommen“. Quellen: prognos: Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft  Boston Consulting Group für den BDI:  Circular Economy Studie



  • Europa heizt sich doppelt so schnell auf wie der Rest der Welt

    50,5 Grad in der Türkei geknackt. Erstmals überhaupt erreichte eine Messstation in Europa die 50-Grad-Marke. Es war einer von vielen besorgniserregenden Rekorden, die der neue Copernicus-Bericht für 2025 dokumentiert. Der europäische Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Das ist die Aussage des „European State of the Climate 2025“, den der EU-Klimadienst Copernicus gemeinsam mit der Weltorganisation für Meteorologie am 28. April vorgelegt hat. Fast der gesamte Kontinent verzeichnete überdurchschnittliche Temperaturen und der Sommer brachte die zweitschwerste Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Zahlen, die der Bericht zusammenträgt, zeigen eine  klar erkennbare Verschiebung. So kletterte das Thermometer im Südosten der Türkei auf 50,5 Grad – der erste je in Europa gemessene Wert oberhalb dieser Schwelle. Auch Zypern verzeichnete mit 44,7 Grad einen Rekord. Vom 7. bis zum 31. Juli, also 25 Tage am Stück, standen weite Teile Europas unter einer Hitzeglocke. Noch bemerkenswerter ist, dass es in Norwegen, Schweden und Finnland 21 aufeinanderfolgende Tage mit Temperaturen über 30 Grad gab – und das so weit nördlich innerhalb des Polarkreises. Auch die Meere reagieren. Die Oberflächentemperatur der europäischen Meere erreichte zum vierten Jahr in Folge einen neuen Höchstwert. 86 Prozent der europäischen Meeresregionen erlebten im Jahr 2025 marine Hitzewellen, mehr als ein Drittel davon in der Kategorie „schwer” oder „extrem”, der höchste je gemessene Anteil. Im Mittelmeer wurde an jedem einzelnen Tag des Jahres eine Hitzewelle registriert. Drei Jahre in Folge war also die Temperatur wärmer als sonst. Was  Anomalie war, ist nun Normalzustand. Auf den Landflächen kippt der Wasserhaushalt in beide Richtungen. 70 Prozent der europäischen Flüsse führten weniger Wasser als im Mittel und im Mai galt mehr als die Hälfte des Kontinents als von Dürre betroffen. Gleichzeitig brannte Europa: Über eine Million Hektar verbrannten im Jahr 2025, was einen neuen Rekord darstellt. Die Brände in Spanien waren für rund die Hälfte der Brandemissionen verantwortlich. Im Norden schmolz der grönländische Eisschild um 139 Gigatonnen und die Gletscher Islands verzeichneten den zweitgrößten Massenverlust seit Beginn der Aufzeichnungen. Nicht nur Negativ-Rekorde sind für 2025 festgehalten. Erneuerbare Energien deckten im Jahr 2025 erstmals 46,4 Prozent des EU-Stromverbrauchs; Solarenergie steuerte mit 12,5 Prozent einen Rekordanteil bei. Die EU-Treibhausgasemissionen sanken zwischen 2023 und 2024 um 2,5 Prozent. Diese Zahlen sind real. Sie sind jedoch nicht groß genug, um die physikalische Trägheit eines bereits eingespeicherten Wärmeüberschusses umzukehren. Hier setzt die offene Frage des Berichts an: Anpassung, Hitzeschutz für Städte, Wassermanagement, Brandprävention sind keine Ergänzung zur Dekarbonisierung mehr, sondern eine eigene politische Aufgabe. Die Erwärmung des Kontinents folgt einer rasanten Dynamik, die sich immer schwerer bremsen lassen wird. Quelle: Copernicus (C3S/ECMWF and WMO): European State of the Climate (ESOTC) 2025 report Europäische Kommission: Europe’s warming accelerates beyond global trend



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