Wertschätzen statt Wegwerfen

BMUV: Wenn wir etwas nicht mehr brauchen, werfen wir es weg: 7 Mrd.t pro Jahr

Die Folge: Über sieben Milliarden Tonnen Abfall fallen laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen weltweit jedes Jahr an, davon über zwei Milliarden Tonnen Siedlungsabfall. Für uns – egal ob Staat, Unternehmen oder Bürger – heißt das: Wir müssen neue Wege gehen. Viele eingefahrene Strukturen und liebgewonnene Verhaltensweisen müssen auf den Prüfstand gestellt werden – fordert das BMUV in einer Medienmitteilung vom 01.07.2022. Wie können Unternehmen nachhaltiger produzieren? Benötigen wir Einweg-Artikel wie Coffee-to-Go-Becher oder Plastikteller? Ziel ist die Kreislaufwirtschaft statt der Wegwerfgesellschaft.

Plastikmüll – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft, für Solarify

Verbraucher können seit 01.07.2022 ihre ausgedienten Elektrogeräte auch bei vielen Lebensmitteleinzelhändlern kostenlos abgeben. Ziel ist es, die Sammelquote zu verbessern und mehr Geräte und ihre wertvollen Ressourcen zu recyceln. Für kleine Elektro-Altgeräte, wie Handys oder Taschenlampen, gilt dies unabhängig vom Neukauf eines Produkts, für größere Altgeräte beim Kauf eines entsprechenden neuen Artikels. Die Bundesregierung will die Zahl an alltagsnahen Rücknahmestellen erhöhen und es so Verbraucherinnen und Verbrauchern leichter machen, ihre Altgeräte abzugeben (s. solarify.eu/supermaerkte-muessen-jetzt-alte-handys-taschenlampen-und-elektrorasierer-zuruecknehmen).

Jede und jeder Einzelne kann durch sein Verhalten mitwirken. Dabei gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten, Abfall zu vermeiden. Abfallvermeidung ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, nicht nur ein einzelnes Programm oder ein Bündel staatlicher Maßnahmen. Und vieles lässt sich nicht durch rechtliche Vorgaben erzwingen – denn wer wollte entscheiden, was „richtige“ und „falsche“ Bedürfnisse sind.

Stoffströme – konkrete Maßnahmen für weniger Abfall

Ob Privatpersonen, Kommunen, Unternehmen oder der Handel – alle können etwas tun, um die Abfallmenge in fast allen Lebensbereichen zu reduzieren: Vom Bauen und Wohnen über Kleidung und Lebensmittel bis hin zum Waschen und Putzen. So kann die Abfallmenge durch bewussteres Einkaufs- und Konsumverhalten sowie einer nachhaltigen Produktion gesenkt werden.

    • Wiederverwendbare Taschen statt kurzlebiger Einwegtüten: Sämtliche Einwegtüten sind kurzlebig, Papiertüten weisen keine ökologischen Vorteile gegenüber Einwegplastiktüten auf. Biologisch abbaubare Tüten können das Recycling stören. Sie werden zumeist nur energetisch verwertet.
    • Verpackungsabvfälle reduzieren: In Deutschland fielen im Jahr 2016 insgesamt 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an (Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, 2018). Da sich das Konsumverhalten ändert, gibt es mehr vorverpackte Lebensmittel, unterschiedliche Verpackungsgrößen und einen rasant ansteigenden Online-Handel, der mehr Versandverpackungen benötigt.
    • Lebensmittelafälle verringern: Rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel wird weggeworfen. In Deutschland sind es jedes Jahr mehr als 12 Millionen Tonnen, die frühzeitig im Müll landen – obwohl viele noch genießbar sind. Die weggeworfenen Lebensmittel zu reduzieren, sinkt nicht nur die Abfallmenge, sondern wirkt sich positiv auf die Umwelt aus, da sich der mit der Produktion verbundene Flächen- und Energieverbrauch verringert würde.
    • Umweltverträglich waschen und reinigen: Wasch- und Reinigungsmittel können Inhaltsstoffe – wie etwa Tenside – enthalten, die für Wasserorganismen giftig sind. Manche Inhaltsstoffe sind zudem schwer abbaubar und reichern sich in Gewässern und Sedimenten an. Gelangen Phosphor und Salze aus Wasch- und Reinigungsmitteln in Gewässer, werden seine Nährstoffe und somit der Lebensraum für Pflanzen und Tiere verändert.
    • Bauabfälle vermeiden: Der Bausektor gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Beim Bau und Abbruch von Gebäuden entstehen große Mengen an Abfall: 2017 laut bundesweiter Abfallbilanz in Deutschland mehr als 50 Prozent der Gesamtabfallmenge im gleichen Jahr. Eine besondere Herausforderung: Durch die hohe Lebensdauer von Gebäuden fallen darin enthaltene und bereits verbotene Schadstoffe erst Jahrzehnte später als Abfälle an.
    • Schadstoffe reduzieren: Viele Artikel des täglichen Lebens werden mit Chemikalien behandelt, die ihnen spezielle Eigenschaften geben sollen. So werden beispielsweise viele Funktionsbekleidungen mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS) behandelt, die diese wasser- und schmutzabweisend machen. Häufig haben diese Chemikalien aber auch negative Eigenschaften, die sie problematisch für die Umwelt und die menschliche Gesundheit machen. PFAS sind beispielsweise extrem beständig und mobil in der Umwelt. Einmal dort, lassen sie sich kaum mehr entfernen. Gleichzeitig häufen sich auch die Hinweise auf gesundheitsschädliche Eigenschaften bestimmter PFAS. Dies ist während der Nutzung solch behandelter Artikel problematisch, aber auch wenn der Artikel zu Abfall wird.

Ziel der Abfallvermeidung ist neben der Verringerung der Abfallmenge, immer auch die Verringerung der schädlichen Auswirkungen des Abfalls. In Bezug auf enthaltene Schadstoffe ist daher eine Verringerung und gegebenenfalls Entfernung dieser Schadstoffe aus den Recyclingkreisläufen notwendig. Andernfalls sammeln sich die Schadstoffe durch Recycling an.

Am besten ist es, umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe gar nicht erst einzusetzen. Beschränkungen oder Verbote des Einsatzes sind dort notwendig, wo der freiwillige Ersatz nicht ausreichend funktioniert. Einige Hersteller von Funktionstextilien verzichten zwar bereits auf den Einsatz von PFAS, aber längst nicht alle und es gibt auch eine Vielzahl weiterer Anwendungsgebiete dieser Stoffe. Daher wird für die PFAS derzeit eine umfassende Regelung auf EU-Ebene vorbereitet.

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