COP30 in Belém: So sucht die Welt nach Geld und Richtung

Die COP30 ist weniger eine Konferenz für neue Ziele als ein Realitätscheck. Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich aus großen Versprechen endlich wirksamere Strukturen für den Klimaschutz bilden lassen.

Foto de Aline Massuca/COP30

Traditioneller Tanz beim Auftakt der COP30 in Belém – ein farbenreicher Auftakt zu Verhandlungen, die über die künftige Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung entscheiden sollen. Foto von Aline Massuca/COP30

In der brasilianischen Stadt Belém, die im Amazonasgebiet liegt, hat die 30. Weltklimakonferenz begonnen. Zehn Jahre nach dem Pariser Abkommen steht nicht die Formulierung neuer Zielmarken im Mittelpunkt, sondern die Frage, auf welche Weise Klimaschutz und Anpassung künftig finanziert werden können. Der Gastgeber Brasilien setzt ein signifikantes Signal: Mit dem Fonds Tropical Forest Forever Facility (TFFF) beabsichtigt das Land, Zahlungen an Staaten zu ermöglichen, die ihre Wälder erhalten. Die Anzahl der Länder, die sich der Initiative angeschlossen haben, beläuft sich auf mehr als 50. Zudem haben sie die Zielsetzung formuliert, insgesamt 125 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren. Auch Deutschland plant, sich zu beteiligen, ohne bisher eine Summe zu nennen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, die Wirtschaft sei „nicht das Problem, sondern der Schlüssel, um unser Klima besser zu schützen“. Der Fonds soll ein neuartiges Modell erproben: Staaten, die eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Wälder nachweisen, sollen belohnt, Länder mit fortgesetzter Abholzung dagegen bestraft werden.

Der Schutz des Waldes stellt jedoch lediglich nur einen Aspekt dieser Konferenz dar. Im Fokus der ersten Verhandlungstage steht das Thema Anpassung. Gemäß den Angaben der Vereinten Nationen wird für Entwicklungs- und Schwellenländer ein jährlicher Bedarf von rund 310 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2035 prognostiziert, um Maßnahmen zur Bewältigung von Sturm-, Dürre- und Überschwemmungskrisen zu schaffen. Derzeit fließt davon nur ein geringer Teil: Entwicklungsbanken stellten im vergangenen Jahr 26 Milliarden US-Dollar bereit, private Investoren lieferten nur rund drei Prozent des Bedarfs. Neue Initiativen sollen diese Lücke schließen, etwa ein UN-Impact-Bond zur Finanzierung von Frühwarnsystemen. Gemäß der vorliegenden Informationen haben die Bundesrepublik Deutschland und das Königreich Spanien jeweils eine Summe von 100 Millionen US-Dollar an die Climate Investment Funds (CIF) zugesagt. Zweck dieser Mittel ist die Förderung von Projekten zur Klimaanpassung. Die Tatsache, dass die Thematik der Adaption erstmalig auf der COP-Agenda verzeichnet ist, wird als Fortschritt gewertet.

Die als „Baku-to-Belém-Roadmap“ bezeichnete Strategie zielt darauf ab, bis zum Jahr 2035 jährlich 1,3 Billionen US-Dollar für Klimafinanzierung zu mobilisieren. Allerdings wurden bisher weniger als fünf Prozent dieses Ziels erreicht. Während in Belém Verhandlungen über Milliarden von US-Dollar geführt werden, sind die Konsequenzen heute breits verheerend. Alleine in den vergangenen Tagen verursachte Hurrikan Melissa in Jamaika Schäden in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar, während Taifune Vietnam und die Philippinen trafen. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete das Versäumnis, das 1,5-Grad-Ziel zu verfolgen, als „moralisches Versagen“.
Ob die COP30 tatsächlich etwas zum Klimaschutz beiträgt, wird davon abhängen, ob die Industriestaaten konkrete Finanzierungszusagen zusagen und angekündigte Fonds wirklich umgesetzt werden. Nur wenn aus politischen Ankündigungen verlässliche Mechanismen entstehen, kann ein System entstehen, das Klimaschutz, Anpassung und Kreislaufwirtschaft sinnvoll verbindet. Entscheidend wird sein, ob aus der Vielzahl von Projekten, Ankündigungen und Fonds ein tatsächlicher Rahmen entsteht, der Finanzströme, Technologie und Verantwortung zusammenführt. Gelingt das, könnte Belém zeigen, dass die internationale Klimapolitik noch handlungsfähig ist. Scheitert es, wird die COP30 ein Symbol dafür, wie weit Anspruch und Wirklichkeit beim Klimaschutz auseinanderliegen.

Quellen: