Wo bis vor wenigen Jahren noch Kohle verbrannt wurde, entsteht bald Hamburgs neues Zentrum für grünen Wasserstoff. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Moorburg wird ein leistungsstarker Elektrolyseur errichtet, der ab 2027 jährlich tausende Tonnen saubere Energie liefern soll. Bund und Stadt unterstützen das Großprojekt mit Millioneninvestitionen, wobei eine spätere Erweiterung der Kapazitäten bereits fest eingeplant ist.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Moorburg baut das HGHH-Konsortium Wasserstoffinfrastruktur auf. Foto: HGHH
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat den Grundstein für den Hamburg Green Hydrogen Hub (HGHH) gelegt. Wo bis 2021 eines der modernsten, aber auch klimaschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands stand, soll künftig grüner Wasserstoff entstehen. Die Symbolik ist gewollt – und die Dimensionen beachtlich. Der Elektrolyseur nutzt die Proton-Exchange-Membrane-Technologie (PEM) von Siemens Energy. Dabei wird Wasser mithilfe von Strom entlang einer Membran in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Vorteil: Mit dieser Technik kann flexibel auf Schwankungen im Stromnetz reagiert werden, und sie sind damit besonders geeignet für den Betrieb mit erneuerbaren Energien. Wenn viel Wind- oder Solarstrom verfügbar ist, läuft die Produktion auf Hochtouren.
Betreiber des Projekts ist die Hamburg Green Hydrogen GmbH & Co. KG, ein Zusammenschluss des Hamburger Asset Managers Luxcara und der Hamburger Energiewerke. Die Investition wird im Rahmen des IPCEI-Programms gefördert – „Important Projects of Common European Interest“. Bund und Land Hamburg steuern zusammen 154,1 Millionen Euro bei. Der Förderbescheid wurde bereits im Sommer 2024 übergeben. Die Bauarbeiten liegen im Zeit-Plan: Die Bodenplatte ist betoniert, der Hochbau hat begonnen. Bis Mitte 2026 sollen die Gebäude für Elektrolyseur und Kompressoren stehen. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.
Der produzierte Wasserstoff soll über das Hamburger Wasserstoff-Verteilnetz HH-WIN sowie eine geplante Trailer-Verladestation an Abnehmer aus Industrie und Verkehr geliefert werden. Zu den potenziellen Kunden zählen die Stahl- und Chemieindustrie sowie Logistikunternehmen, die schwere Nutzfahrzeuge auf Brennstoffzellenantrieb umstellen wollen. Doch 100 Megawatt sind erst der Anfang. Im Rahmen der europäischen Wasserstoffstrategie ist am Standort Moorburg ein weiterer Ausbau auf bis zu 800 Megawatt vorgesehen. Damit könnte der Standort zu einem zentralen Knotenpunkt der norddeutschen Wasserstoffwirtschaft werden und dafür auch schon eingebunden in das geplante überregionale Leitungsnetz, das bis 2032 über 9.000 Kilometer umfassen soll.
Das Projekt ist eines der großen Projekte in Deutschland: In Emden hat der Energieversorger EWE mit dem Bau einer 320-Megawatt-Anlage begonnen, in Münnerstadt entsteht ein 8-Megawatt-Elektrolyseur mit fünf Millionen Euro Förderung. Deutschland will bis 2030 Elektrolysekapazitäten von mindestens 10 Gigawatt aufbauen – aktuell sind erst wenige hundert Megawatt installiert. Ob die Transformation gelingt, hängt nicht nur von Fördermitteln ab. Entscheidend wird sein, ob genügend günstiger Grünstrom verfügbar ist und ob die Abnehmer tatsächlich auf Wasserstoff umsteigen. Die Verunsicherung in der Branche ist ein harter Faktor: Wirtschaftliche Unsicherheit, verzögerte Investitionsentscheidungen und die unklare politische Lage durch die Bundesregierung bremsen den Optimismus. Das Projekt in Moorburg aber zeigt: Die Transformation von fossiler zu grüner Infrastruktur ist baulich machbar.
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