Aachener Startup Voltfang macht E-Auto-Akkus zu Industriespeichern

Wenn ein Elektroauto-Akku nur noch 70 Prozent seiner Kapazität liefert, ist er für Fahrzeuge am Ende. Für stationäre Stromspeicher beginnt dann erst sein zweites Leben – mit einer Restlaufzeit von bis zu zehn Jahren.

Cedric Haubennestel

Das bislang größte Projekt steht seit Januar im Rheinischen Revier: In Alsdorf ging ein Speicher mit 20 Megawattstunden ans Netz. Foto: Voltfang / Cedric Haubennestel

Von 5 Megawattstunden Batteriespeicher pro Jahr auf 20. Und für 2026 plant das Aachener Startup Voltfang, 250 Megawattstunden Speichern zu gewinnen. Aus Batterien, die eigentlich schon als ausgedient galten. Denn Elektroautobatterien gelten als verbraucht, wenn ihre Kapazität auf 70 bis 80 Prozent sinkt. Für Fahrzeuge wird die Reichweite dann zu unzuverlässig. Doch was für die Straße nicht mehr taugt, reicht für stationäre Anwendungen aus. Beispielsweise kann Solarstrom gepuffert, Lastspitzen in Industriebetrieben abgefangen und die Netzstabilität gesichert werden. Genau diese Lücke nutzt das Aachener Start-up.

Das Unternehmen kauft ausgemusterte Akkus europäischer Autohersteller, prüft und sortiert die Module und verbaut sie zu neuen Speichersystemen für Industrie und Gewerbe. Im April 2025 startete die Produktion in der neu bezogenen „Voltfang Future Fab“ im Aachener Technopark. Eine 6.000 Quadratmeter große Halle, die zuvor dem insolventen E-Auto-Hersteller Next e.GO gehörte. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst übernahm im August die Eröffnung.
Der Sprung ist beachtlich: von wenigen Megawattstunden vor zwei Jahren auf ein Produktionsvolumen im industriellen Maßstab. Bis Ende des Jahrzehnts peilt Voltfang eine Jahreskapazität von einer Gigawattstunde an. Dazu gehört ein eigenes Energiemanagementsystem, das Kunden dabei helfen soll, ihren Eigenverbrauch zu optimieren und am Strommarkt teilzunehmen. Damit positioniert sich Voltfang nicht nur als Speicherbauer, sondern auch als Betriebsplattform. Im Juni 2025 schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 15 Millionen Euro ab, die vom niederländischen Investor Forward.One angeführt wurde.

Der Marktbedarf ist enorm. Laut Fraunhofer ISE benötigt Deutschland bis 2030 mindestens 100 Gigawattstunden Batteriespeicher, bis 2045 nahezu das Doppelte. Die aktuelle Kapazität liegt jedoch weit darunter. Laut einer McKinsey-Analyse könnten Second-Life-Batterien bis zu 60 Prozent dieses Bedarfs decken, vorausgesetzt, es stünde genügend Material auf dem Markt zur Verfügung. Genau hier liegt die Unsicherheit. Ausgemusterte E-Auto-Akkus sind bisher Mangelware. Die Rückgaben der ersten EV-Generation laufen erst langsam an. Die Qualitätssicherung und Zertifizierung der gebrauchten Zellen ist sehr aufwendig, da jedes Modul einzeln geprüft werden muss. CEO David Oudsandji formuliert das Ziel dennoch klar: „Unsere Vision ist es, leistungsstarke Batteriespeicher für die deutsche und europäische Industrie zu entwickeln und hier in Deutschland zu fertigen.“

Ein erster Beleg dafür steht seit Januar im Rheinischen Revier: In Alsdorf ging ein Speicher mit 20 Megawattstunden ans Netz. Direkt angeschlossen an das lokale Mittelspannungsnetz, betrieben von Icecreek Energy. Die Anlage liefert Regelenergie und entlastet das Verteilnetz. Vier weitere Projekte sollen noch 2026 folgen. Und dieses Modell hat Kreislauf-Charme: Es wird Wert aus Materialien geschöpft, die sonst direkt ins Recycling wandern würden. Und Speicherkapazität in einem Markt bereitgestellt, der dringend mehr davon braucht.

 

Quelle: