Deutschland verfehlt Klimaziel 2030

Wenn Deutschland sein Klimaziel 2030 verfehlt, kostet das nicht nur Glaubwürdigkeit. Es kostet bares Geld. Schätzungen rechnen mit bis zu 30 Milliarden Euro.

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Vor allem im Verkehr müssten die Emissionen deutlich schneller sinken als bisher. Foto: Leo Sammarco

Das Umweltbundesamt kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland beim CO2-Ausstoß knapp noch im erlaubten Rahmen liegt. Der unabhängige Expertenrat für Klimafragen sieht das jedoch anders: Er berechnet, dass Deutschland sein gesetzlich festgelegtes Emissionsbudget für die Jahre 2021 bis 2030 um 60 bis 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente überschreitet. Beide Bewertungen beziehen sich auf denselben Emissionshaushalt – unterscheiden sich aber um etwa 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Der Streit dreht sich nicht um Klimadaten, sondern um die Wirkung von Politik. Das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung umfasst 67 Maßnahmen und ein Budget von acht Milliarden Euro: Förderung für Elektroautos, Anreize zur Gebäudesanierung und den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Der Expertenrat hält die Wirkung jedoch für zu optimistisch berechnet. Kritisch fällt vor allem ins Gewicht, dass noch gar nicht beschlossene Gesetze, wie etwa eine geplante Gebäudesanierungspflicht, bereits als gesicherte Einsparung verbucht werden. Ratschefin Barbara Schlomann sagt: „Die tatsächliche Minderungswirkung dürfte deutlich geringer ausfallen als von der Bundesregierung angenommen.”

Der Energiesektor liegt im Plan – Kohleausstieg und Erneuerbaren-Zubau wirken. Verkehr und Gebäude hingegen liefern nicht. Der Gebäudesektor lag 2025 bei 103 Millionen Tonnen – und stieg um 3,4 Prozent. Auch der Verkehr legte zu. Beide Sektoren gehen in die falsche Richtung. Hinzu kommt ein blinder Fleck: Wälder und Moore, die laut Klimaschutzgesetz CO2 binden sollen, sind seit 2018 selbst zur Quelle geworden.
Die EU verlangt, dass der Gebäudebereich und der Verkehr ihre Emissionen bis 2030 gegenüber 2005 halbieren. Verfehlt Deutschland dieses Ziel, muss es Emissionsrechte von anderen Mitgliedstaaten kaufen. Kostenschätzungen bewegen sich dabei im Milliardenbereich. Ältere Rechnungen gehen von 7,5 bis 30 Milliarden Euro aus. Ab 2027 verschärft der neue Emissionshandel die Lage, da er Gebäude und Verkehr direkt erfasst und CO2 für Heizen und Tanken einpreist.

Bundesumweltminister Carsten Schneider nimmt die Warnung des Expertenrats nach eigenem Bekunden ernst, bezeichnet die Lücke jedoch als „handhabbar” und verweist auf geopolitische Störungen am Energiemarkt. Er will erneuerbare Energien „mit Vollgas” ausbauen und die strittigen Posten in den Haushaltsverhandlungen klären. Der Expertenrat fordert jedoch mehr: die Rückkehr eines Klimakabinetts, eine belastbare technische Strategie für CO2-Entnahme und eine soziale Abfederung der kommenden Kosten.

 

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