Was ein Hitzetag Deutschland kostet

Ein einziger Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro. Das hat das Beratungsinstitut Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums errechnet.

Arbeitsalltag bei Hitze in London: Hohe Temperaturen erschweren die Arbeit und belasten die Infrastruktur — und das wird teuer. Foto: Alastair Johnstone / Climate Visuals (CC BY-NC-ND 4.0)

Es wird teuer: Temperaturen erschweren die Arbeit und belasten die Infrastruktur. Foto: Alastair Johnstone / Climate Visuals (CC BY-NC-ND 4.0)

Am Mittwoch kletterte das Thermometer in vielen Teilen Deutschlands auf über 35 Grad. Zum Wochenende sagen die Wetterdienste Temperaturen um 40 Grad voraus. Der deutsche Hitze-Rekord von 41,2 Grad aus dem Juli 2019 könnte überboten werden. Die eigentliche Nachricht steht aber nicht auf dem Thermometer, sondern auf der Rechnung. Ein einziger Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro.
Der Kreditversicherer Allianz Trade berechnete, dass sich Deutschlands hitzebedingte Verluste zwischen 2026 und 2030 auf bis zu 131 Milliarden Dollar belaufen könnten. Die Belastung wirkt dabei doppelt: Hohe Temperaturen senken die Produktivität – pro Grad oberhalb von 30 Grad um etwa drei Prozent, ob auf dem Bau, in Werkshallen oder im Büro ohne Kühlung – und treiben zugleich die Energiekosten. Im Schnitt verschlechtert sich die öffentliche Haushaltslage dadurch um knapp ein Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr.

Die zweite Hälfte dieser Rechnung wird im Stromsystem sichtbar. Wenn Klimaanlagen und Kühlhäuser auf Hochtouren laufen, schiebt sich die Verbrauchsspitze in den späten Nachmittag und Abend – also genau in die Stunden, in denen die Solarstromerzeugung schon nachlässt. In der frühen Hitzewelle 2025 lag Frankreichs Abendverbrauch rund ein Viertel über dem Normalwert; an den Strombörsen kletterten die Preise in dieser Woche zeitweise über 600 Euro je Megawattstunde. Gleichzeitig leidet die Erzeugung selbst: Überlandleitungen müssen bei großer Hitze gedrosselt werden, thermischen Kraftwerken fehlt kühles Flusswasser.
Dass Europa darauf schlecht vorbereitet ist, hat die Europäische Umweltagentur bereits 2024 in ihrer ersten europäischen Klimarisikobewertung festgehalten. Der Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Die Behörde sieht 36 große Klimarisiken in fünf Feldern, von Ökosystemen bis zu Wirtschaft und Finanzen. Acht davon gelten als besonders dringlich, darunter der Schutz von Menschen vor Hitze. Mehr als die Hälfte erfordere jetzt schon Handlung. Der Befund: Politik und Anpassung halten mit dem Tempo der Risiken nicht Schritt.

Wie das Fachportal Clean Energy Wire in seiner Bestandsaufnahme beschreibt, bleiben viele Anpassungspläne unverbindliche Absichtserklärungen und scheitern an fehlender Finanzierung und einem Flickenteppich aus Zuständigkeiten. Benötigt werden Hitzeaktionspläne, beschattete Stadtquartiere, kühlere Gebäude und ein widerstandsfähigeres Netz.

Die Kosten des Nichthandelns steigen mit jedem Sommer, der heißer ausfällt als der letzte. Dennoch gilt Klimaanpassung bisher als freiwillige Aufgabe und nicht als Teil der Infrastruktur. Entsprechend wenig Geld ist dafür eingeplant. Dabei ist die Lage eindeutig: Die Hitze können wir uns nicht leisten. Wer ihre Kosten begrenzen will, muss jetzt in Anpassung investieren: in kühlere Städte, widerstandsfähigere Netze und besser geschützte Arbeitsplätze.

 

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