Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW: freiwillig statt Pflicht

Nordrhein-Westfalen hat am 25. August seine Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen, wie die Rheinische Post berichtet. Bindende Vorgaben mache das Land dabei jedoch nicht.

Auftakt der Leitstelle Circular Economy im September 2025: Die neue Stelle bei NRW.Energy4Climate soll NRWs Kreislaufwirtschaftsstrategie umsetzen, verbindliche Vorgaben macht das Land aber nicht. Foto: NRW.Energy4Climate

Auftakt der Leitstelle Circular Economy im September 2025: die Stelle bei NRW.Energy4Climate soll NRWs Kreislaufwirtschaftsstrategie umsetzen. Foto: NRW.Energy4Climate

Die Strategie bündelt die Aufgaben in drei Hauptzielen: weniger Abfall, längere Nutzung von Produkten und mehr Materialrückführung in den Kreislauf statt Deponierung. Im Fokus stehen Altmetalle, Kunststoffe und Baustoffe. Für das industriestärkste Bundesland ist das keine Nebensache, denn das produzierende Gewerbe steht in NRW für gut ein Viertel der Wertschöpfung. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bezeichnet die Kreislaufwirtschaft laut Rheinischer Post als „kein abstraktes Konzept, sondern Voraussetzung für neue Wertschöpfung und zukunftsfeste Jobs“.

Für die Umsetzung soll die Leitstelle Circular Economy bei der Landesenergieagentur NRW.Energy4Climate in Düsseldorf sorgen, die das Land bereits im September 2025 eingerichtet hat. „Die Leitstelle Circular Economy zeigt: Umwelt und Wirtschaft gehören zusammen“, sagte Umweltminister Oliver Krischer zur Gründung, Wirtschaftsministerin Neubaur erklärte: „NRW geht voran – hier wird die Circular Economy Realität“. Das vierköpfige  Team soll Unternehmen, Kommunen und Forschungseinrichtungen zusammenbringen, Pilotprojekte anstoßen und Wissen über zirkuläre Geschäftsmodelle zugänglich machen.

Verbindliche Ziele aber fehlen. Es ist eine Ermöglichungsstrategie, die auf Anreize, Beratung und Vernetzung setzt, nicht auf Pflichten. Eine Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeichnet für NRW ein nüchternes Bild. Zwar setzt, laut IW schon über die Hälfte der Betriebe irgendeine zirkuläre Maßnahme um, doch meist bleibt es bei Recycling und Energieeffizienz. Tiefgreifende Geschäftsmodelle sind die Ausnahme. Mit dem Digitalen Produktpass, dem künftig verpflichtenden Datenblatt zu Herkunft und Recyclingfähigkeit eines Produkts, haben sich erst 15 Prozent der Unternehmen in NRW überhaupt beschäftigt.
Das IW fordert deshalb messbare Indikatoren statt Wunsch-Zielen und der Verband kommunaler Unternehmen klare Regeln für private und kommunale Entsorger. Die neue Strategie ist kein Gesetz und schreibt keinen Kreislauf vor, sondern setzt auf Freiwilligkeit.

Das Verbindliche wird voraussichtlich ohnehin bald von anderer Stellen kommen: Noch 2026 will die EU ihren „Circular Economy Act“ vorlegen, ein Gesetz mit verbindlichen Quoten und Produktvorgaben, das europaweit unmittelbar gilt. Es soll die Kreislaufquote der EU bis 2030 verdoppeln und einen echten Markt für Sekundärrohstoffe schaffen. Damit ist die Strategie des Landes ein freiwilliger Vorlauf auf etwas, das bald ohnehin Pflicht wird. Ob dieser Vorlauf die Industrie schneller voranbringt oder nur die Zeit bis zum Brüsseler Gesetz überbrückt, kann sich am Effekt der Leitstelle jetzt zeigen.

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