Offshore-Windpark „He Dreiht“ nimmt den vollen Betrieb auf und kann 1,1 Mio. Haushalte versorgen. Er wurde ohne Förderung gebaut. Warum Deutschland ausgerechnet jetzt zur Offshore-Subvention zurückkehrt.

64 Windräder, kein Cent Förderung: der Windpark „He Dreiht“ in der Nordsee. (Foto: EnBW / Fotograf: Rolf Otzipka)
Rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum drehen sich 64 Windräder mit einer Gesamtleistung von 960 Megawatt. Am 17. September wird Bundesumweltminister Carsten Schneider die Anlage offiziell einweihen. Der Verzicht auf Förderung geht auf das Jahr 2017 zurück: In der ersten deutschen Offshore-Ausschreibung bot der Betreiber EnBW null Cent je Kilowattstunde und sicherte sich damit die Netzanbindung, aber keinen garantierten Vergütungssatz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Der Staat, der Offshore-Projekte jahrelang mit festen Abnahmepreisen finanzierbar gemacht hatte, gab diesmal keine solche Garantie.
Statt des Staates ist hier die Wirtschaft eingesprungen: Neben Google und der Deutschen Bahn haben sich auch Bosch, Salzgitter, Fraport, Evonik und eine Tochter der Telekom über langfristige Lieferverträge jeweils zwischen 20 und 150 Megawatt zu festen Preisen gesichert. Diese Verträge liefern die Planungssicherheit, die sonst der Fördersatz gibt. Ohne sie wäre die Investition von rund 2,4 Milliarden Euro wohl nicht möglich gewesen.
Förderfrei heißt allerdings nicht risikofrei. Damit die Rechnung aufging, mussten verschiedene Faktoren zusammenkommen: kapitalkräftige Miteigentümer, denen EnBW knapp die Hälfte des Parks verkaufte, ein Kredit der Europäischen Investitionsbank über 600 Millionen Euro und das neue 15-Megawatt-Windrad von Vestas, dessen Rotoren mit einem Durchmesser von 236 Metern eine Fläche von sechs Fußballfeldern überstreicht. Je größer die Anlage, desto niedriger die Kosten je Kilowattstunde.
2017 galt das Gebot als Beweis dafür, dass die Offshore-Windenergie erwachsen geworden ist und ohne Förderungen auskommen kann. Die Ausschreibungen von 2023 bis 2025 gehen sogar noch weiter: Wer eine Fläche wollte, musste dafür zahlen, und die höchsten Gebote spülten Milliarden in den Bundeshaushalt. Doch gestiegene Zinsen, teurere Lieferketten und dieser Aufschlag verteuerten die Projekte so stark, dass die Branche vor einem Stillstand warnt. Eine am 14. September vorgestellte Befragung der IG Metall Küste zeichnet für die gesamte Windindustrie ein angespanntes Bild. Betriebe bauen Personal ab, verlagern Teile ins Ausland und die Zuversicht sinkt.
Die Bundesregierung hat reagiert: Anfang September brachte das Kabinett eine Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes auf den Weg, die sogenannte „Contracts for Difference“ einführt. Bei diesem Vertrag schießt der Staat zu, wenn der Marktpreis unter eine vereinbarte Schwelle fällt, und kassiert ab, wenn er darüber liegt. Das gibt den Betreibern Planbarkeit. Es ist eine Rückkehr der Förderung in neuer Form. Der Branchenverband BWO fordert sogar, dieses Instrument zum alleinigen Ausschreibungsmodell zu machen. Ob der Nullpreis bei „He Dreiht“ von 2017 je mehr war als ein Sonderfall aus billigem Geld und abnahmehungriger Industrie, lässt sich schwer sagen. Sicher ist nur, dass die nächsten Parks wieder mit staatlicher Absicherung entstehen werden.
Quellen:
- EnBW: Windpark He Dreiht
- Bundesumweltministerium: Carsten Schneider bei der Einweihung des Offshore-Windparks „He dreiht“
- BWO Offshorewind: BWO zur WindSeeG-Novelle: Ausschreibungsdesign muss Offshore-Wind-Projekte realisierbar machen
- IG Metall Bezirk Küste: Windumfrage 2026