Energieforum 2012
Ein Jahr Energiewende – Erfahrungsberichte
Ein Jahr nachdem die Bundesregierung mit dem Kernenergie-Moratorium die sogenannte „Energiewende“ einleitete, berichteten Vertreter der Energieversorger, der Netzbetreiber sowie der energieintensiven Industrien beim Energieforum 2012 des Forum für Zukunftsenergien e.V. von ihren Erfahrungen in dieser Zeit und diskutierten über nächste Schritte zur weiteren Realisierung des Transformationsprozesses.
Der Kuratoriumsvorsitzende des Forums, Tessen von Heydebreck, erinnerte daran, wie abrupt und unter welchen Voraussetzungen die Entscheidung zur Energiewende vollzogen worden sei, ohne konkretes Wissen z.B. darüber wie die Versorgungssicherheit gewährleistet werden könne oder wie die finanziellen Belastungen der Transformation gemeistert werden könnten.
Der neue Präsident der Bundesnetzagentur und Kurator des Forum für Zukunftsenergien, Jochen Homann, stellte fest, dass die Energiewende inzwischen in der Bevölkerung angekommen und deutlich geworden sei, dass es sich um einen fundamentalen Umbau der Versorgungsstrukturen handle – nicht nur bloß um den Ausstieg aus der Kernenergie. Es gebe dafür gesellschaftlichen Konsens, allerdings hätten sich seiner Beobachtung nach entscheidende Akteure zurückgezogen, so dass beispielsweise die notwendige Gebäudesanierung nur langsam voran schritten und auch die erforderliche Akzeptanz für den Netzausbau noch immer nicht erreicht worden sei.
Gleichzeitig sei inzwischen deutlich geworden, dass dieses Generationenprojekt sehr viel Zeit benötige und Probleme aufwerfe, die nicht schnell durch einfache Gesetzesänderungen zu lösen seien. Der häufig gestellten Forderung nach einem zentralen Projektmanagement begegnete er mit Skepsis. Seiner Einschätzung nach bleibe am Ende nichts anderes übrig, als immer wieder zu diskutieren und Kompromisse zu suchen. Teil dieses Prozesses sei das Monitoring der Energiewende. Die Bundesnetzagentur werde hier der ihr übertragenen Aufgabe nachkommen und eine entsprechende Geschäftsstelle einrichten. Homann plädierte dafür, das Energieversorgungssystem als Ganzes zu betrachten. Seiner Meinung nach passe es nicht zusammen, dass die norddeutschen Bundesländer sich zu Windstromexporteuren entwickelten möchten während gleichzeitig süddeutsche Länder ihre Energieautarkie planten.
Unter Bezugnahme auf die strenge Frostperiode Mitte Februar d. J. und die in dieser Zeit nur mit Mühe gewährleistete Versorgungssicherheit versprach er eine genaue Ursachenanalyse. Seines Erachtens seien Gaslieferung und Stromerzeugung nicht optimal aufeinander abgestimmt. Als Nadelöhr der Energiewende machte Homann den Netzausbau sowohl auf der Übertragungs- als auch auf der Verteilebene aus. Ein nächster wichtiger Schritt sei deshalb die Fertigstellung des Netzentwicklungsplanes. Es sei geplant, ihn im Sommer d. J vorzulegen und mit der Zivilgesellschaft zu erörtern. Die Hoffnung aller Beteiligten sei es, so die notwendige Akzeptanz der betroffenen Bevölkerung und gleichzeitig die Beschleunigung des Ausbaus zu gewährleisten. Wenn die Rahmenbedingungen geregelt sind, bleibe es jedoch die Aufgabe der Netzbetreiber, die Netze zu bauen und zu finanzieren. Homann führte aus, dass es viele Investoren gäbe, die die dafür erforderlichen finanziellen Mittel hätten und sich für die gewährten Renditen interessierten.
Homanns Vortrag war Auftakt einer Podiumsdiskussion unter Moderation von Werner Brinker (Vorstandsvorsitzender, EWE AG und des Forum für Zukunftsenergien) mit den Vertretern der Energieversorger Sven Becker (Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH) und Dr. Leonhard Birnbaum (Mitglied des Vorstands der RWE AG) sowie dem Vertreter der energieintensiven Industrie Wilfried Köplin (Leiter Konzern-Energiepolitik, Bayer AG), die alle auch dem Kuratorium des Forum für Zukunftsenergien angehören. Außerdem zählten Dr. Christian Schneller vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT TSO GmbH (Leiter Recht und Public Affairs) und Caspar Baumgart vom Verteilnetzbetreiber WEMAG AG (Vorstand) zu den Diskutanten. Im Fokus der Debatte standen die Themenblöcke Investitionen in Kraftwerkskapazitäten und Strommarktdesign, Ausbau des Stromnetzes, Sicherung des Industriestandortes Deutschland, Energieeffizienz, der europäische Kontext und erneuerbare Energien.
Zu diesen Themen schreiben die Kuratoren des Forum für Zukunftsenergien auch in der diesjährigen Ausgabe ihrer Schriftenreihe „Ein Jahr Energiewende – Erfahrungsberichte“, die anlässlich des Energieforums erschienen ist.
Das Forum für Zukunftsenergien bedankt sich herzlich bei der Bayer AG, der Deutsche Bank AG, der TenneT TSO GmbH, der Thüga AG, der Trianel GmbH und der WEMAG für die Unterstützung des diesjährigen Energieforum.
Über das Forum für Zukunftsenergien e.V.:
Das Forum für Zukunftsenergien ist die einzige branchenneutrale und parteipolitisch unabhängige Institution der Energiewirtschaft im vorparlamentarischen Raum in Deutschland. Der eingetragene Verein setzt sich für erneuerbare und nicht-erneuerbare Energien sowie rationelle und sparsame Energieverwendung ein. Ziel ist die Förderung einer sicheren, preisgünstigen, ressourcen- und umweltschonenden Energieversorgung. Dem Verband gehören ca. 250 Mitglieder aus der Industrie, der Energiewirtschaft, Verbänden, Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung an.
Das Energieforum ist der öffentliche Teil der jährlich stattfindenden Kuratoriumssitzung.
Quelle: www.zukunftsenergien.de