Sieben Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems
Vor diesem Hintergrund formulierte die Expertengruppe sieben Empfehlungen zur Beförderung der systematischen Weiterentwicklung einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit. Im Zentrum stehen ein systematisches Fortschrittsmonitoring einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit sowie der Aufbau von „Reallaboren“ mit der Aufgabe, Transformationsprozesse zu einer Nachhaltigen Entwicklung gezielt wissenschaftlich anzuregen und zu begleiten. Der Aufbau einer solchen Infrastruktur würde Baden-Württemberg national und international eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit sichern.
Weitere Empfehlungen sind: ein Ausbauprogramm Lehre und Studium für Nachhaltige Entwicklung; die Förderung von Nachwuchsgruppen; die Stärkung freier Institute als Partner für das baden-wurtternbergische Wissenschafts system; die Stärkung des Hochschulbetriebs als Forschungs- und Lernort für Nachhaltigkeit und die Aufforderung an die Landesregierung, als bundesweiter Motor für eine Wissenschaft für Nachhaltigkeit zu wirken. Die Empfehlungen im Einzelnen:
- Der Aufbau eines Fortschrittsmonitorings einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit. Damit sollen die Weiterentwicklungen im Land, etwa bezüglich Forschung und Lehre mit Nachhaltigkeitsbezug, sichtbar und messbar gemacht werden.
- Der Aufbau von „Reallaboren“ Hierbei sollen in wissenschaftlicher Arbeit Veränderungsprozesse zu einer Nachhaltigen Entwicklung gezielt wissenschaftlich angeregt und zusammen mit Akteuren vor Ort (transdiziplinär) umgesetzt werden. Gemeint ist damit ein Verbund aus Hochschule, Unternehmen, kommunalen Partnern oder wichtigen Akteuren der Gesellschaft, die sich gemeinsam einem konkreten Problem widmen, beispielsweise der Energieautonomie einer Region.
- Ein Ausbauprogramm Lehre und Studium für Nachhaltige Entwicklung. Das Angebot von Lehr- und Studienveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit soll erweitert werden, insbesondere das Forschende Lernen.
- Die Förderung von speziellen Nachwuchsgruppen im Wissenschaftssystem. Ziel ist, akademischen Nachwuchs im Bereich Nachhaltigkeit aufzubauen und so strukturbildend zu wirken.
- Die Stärkung freier Institute Wie etwa das Öko-Institut Freiburg, das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Heidelberg, die zum Beispiel über so genannte Brückenprofessuren als Partner für das baden-württembergische Wissenschaftssystem gestärkt werden sollen.
- Die Stärkung des Hochschulbetriebs als Forschungs- und Lernort für Nachhaltigkeit. Den Hochschulbetrieb nachhaltig zu gestalten und ihn damit zu einem eigenen Reallabor zu machen.
- Die Aufforderung an die Landesregierung, als bundesweiter Motor für eine Wissenschaft für Nachhaltigkeit zu wirken. aden Württemberg war zentraler Impulsgeber für die Wissenschaftsentwicklung in den letzten Jahrzehnten. Im Bericht zeigen wir die Herausforderungen und mögliche Antworten für die kommenden Jahre auf“, fasste der Vorsitzende der Expertengruppe, Professor Dr. Uwe Schneidewind, Erkenntnisse des Gremiums zusammen.
Förderlinie von fünf Millionen für nachhaltige Wissenschaft
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer nannte die Arbeit der Expertengruppe wegweisend. Es werde deutlich, wie viel die Hochschulen in Baden-Württemberg im Bereich Nachhaltigkeit bereits leisten. Die Empfehlungen seien in diesem Sinne ein guter und richtiger Ansatz, den bereits eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen: „Insbesondere die Schaffung von Reallaboren bietet eine hervorragende Möglichkeit, um gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen.“
Bauer stellte dafür eine Förderline in Höhe von 5 Millionen Euro in Aussicht. Die Ausschreibung soll bereits im Oktober nach einem wettbewerblichen Verfahren erfolgen. Bauer zeigte sich für die Empfehlung offen, dass Hochschulen Nachhaltigkeitskriterien künftig in ihre Struktur- und Entwicklungsplanung übernehmen. Die Hochschulen könnten dabei jeweils eigene Ziele definieren. Ebenfalls sei denkbar, Nachhaltigkeit als Bewertungskategorie in den Landeslehrpreis einfließen zu lassen. Auch wenn einiges noch der weiteren Prüfung bedürfe, böten die Vorschläge insgesamt hilfreiche Anregungen. „Wir können mit diesen Empfehlungen sehr gut arbeiten“, fasste Bauer die Arbeit der Expertengruppe zusammen.
->Quelle: mwk.baden-wuerttemberg.de