Neue Forschungsergebnisse

Luftverschmutzung fordert ein Drittel mehr Tote, als bisher von Wissenschaftlern angenommen – jährlich sterben an ihren Folgen weltweit mehr als 5,5 Millionen Menschen. Das sagte Michael Brauer, University of British Columbia in Vancouver am 12.02.2016 im Rahmen der Jahreskonferenz der weltgrößten Wissenschaftsvereinigung American Association for the Advancement Of Science (AAAS), in Washington. Bisher hieß es, 3,5 Millionen Todesopfer seien durch Luftverschmutzung verursacht.

Mehr als die Hälfte der Todesfälle fallen laut Brauer auf Indien und China – allein in China  2013 rund 1,6 Millionen – in Indien seien im gleichen Jahr 1,4 Millionen Todesfälle verzeichnet worden. Beide Schwellenländer erleben gegenwärtig das größte industrielle Wachstum. China setzt bei der Energieerzeugung unter anderen Energieträgern vorrangig auf Kohle; in Indien ist neben der Kohle vor allem die Verbrennung von Holz, Mist und Biomasse für die schlechte Luft verantwortlich.

Ohne strengere Umweltregeln werde die Zahl der Toten infolge von Luftverschmutzung in den kommenden Jahren weiter ansteigen. „Luftverschmutzung ist der viertgrösste Risikofaktor für einen frühen Tod“, sagte Brauer. Lediglich hoher Blutdruck, schlechte Ernährung und Rauchen gelten als gefährlicher. „Die Verringerung der Luftverschmutzung ist ein wirksamer Weg, um die Gesundheit einer Bevölkerung zu verbessern“, sagte Brauer.

Kurztext von Michael Brauer aus der Konferenzankündigung:
„Die Luftverschmutzung ist ein großes globales Gesundheitsproblem, mit erheblichen Auswirkungen in Ländern mit hohen, mittleren und niedrigen Einkommen weltweit. Mehr als 85% der Weltbevölkerung leben in Gebieten, in denen die  Grenzwerte der Luftqualitätsrichtlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überschritten werden. In China und Indien lebt weniger als 1% der Bevölkerung in Gebieten, welche die WHO-Richtlinie einhalten. Im Rahmen der Global Burden of Disease-Untersuchungen*) 2013 wurden Luftverschmutzung und zurechenbare gesundheitliche Auswirkungen für 188 Länder für den Zeitraum  von 1990 bis 2013 quantifiziert: Im Jahr 2013 gab es 2,9 Millionen Todesfälle (5,3% aller Todesfälle weltweit), verursacht durch äußere Feinstaubbelastung und zusätzliche 215.000 Todesfälle durch Ozon-Exposition. Außerdem war die Hausluftverschmutzung aufgrund Einsatzes fester Brennstoffe zum Kochen und Heizen 2013 für 2,9 Millionen Todesfälle verantwortlich. Zusammengenommen verursachte Luftverschmutzung 2013 rund 5,5 Millionen Todesfälle, viertstärkster Todesrisikofaktor der Welt. Die Feinstaubbelastung für sich genommen war der siebthöchste Faktor weltweit, mit kardiovaskulären Erkrankungen (koronare Herzkrankheit und Schlaganfall) als Ursachen für die Mehrzahl dieser Todesfälle. Weitere Todesfälle infolge der Luftverschmutzung wurden verursacht durch Lungenkrebs, chronische Lungenerkrankungen und Infektionen der Atemwege. Von diesen 2,9 Millionen Todesfällen, entfielen 64% auf Asien, vor allem auf China und Indien. Selbst in den USA, wo die Luftverschmutzung deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt liegt, lag sie mit 79.000 im Jahr 2013 geschätztan Todesfällen an 13. Stelle der Risikofaktoren.
Zwischen 1990 und 2013 hat sich die globale Belastung durch Feinstaub-Luftverschmutzung um 20% erhöht, aufgrund der Zunahmen in Südasien, Südostasien und China. Diese Erhöhungen, verbunden mit Bevölkerungswachstum, Alterung und Ausbreitung von Krankheiten, die durch Luftverschmutzung ausgelöst wurden, führte zu einem Anstieg sowohl der Gesamtzahl der Todesfälle durch Luftverschmutzung als auch der Zahl der zuzurechnenden Todesfälle . Diese Trends werden sich voraussichtlich fortsetzen, es sei denn, die Luftverschmutzung würde überall entscheidend verringert. Von 1990 bis 2013 sank die Luftverschmutzung meist in Ländern mit hohem Einkommen, mit der Folge eines Rückgangs der daraus resultierenden Sterblichkeit, was auf den großen Nutzen der Luftreinhaltepolitik für die Gesundheit der Bevölkerung hindeutet. Es gibt bedeutende Möglichkeiten, die Luftverschmutzung und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit in der nahen Zukunft zu verringern, wenn gleichzeitig klimaschädliche Emissionen ohnehin reduziert werden.“ Nach aaas.confex.com/Paper16170

In Indien und China habe es in den vergangenen Jahren eine Revolution gegeben, weil das Problem endlich als solches anerkannt worden sei, aber zur Lösung sei es noch ein sehr weiter Weg, sagte der Präsident des Health Effects Institute in Boston, Dan Greenbaum. Die Zahl der jährlichen Todesfälle werde wahrscheinlich weiter steigen.

*) Die Global Burden of Disease  (GBD) der WHO  misst die sogenannte Krankheitslast mit Hilfe behinderungsfreier  Lebensjahre (disability-adjusted-life-year, DALY). Diese zeitbasierte  Maßnahme kombiniert durch vorzeitigen Mortalität verlorene Lebensjahre sowie verlorene Lebensjahre aufgrund verbrachter Lebenszeit in Staaten mit mangelhaften gesundheitlichen Bedingungen. Die DALY-Metrik wurde 1990 in der ursprünglichen GBD-Studie entwickelt, um die Krankheitslast konsequent unter Einbeziehung von Erkrankungen, Risikofaktoren und Regionen zu beurteilen.

->Quellen: