EDF stimmt Hinkley Point C zu

Britische Regierung will erst im Herbst entscheiden

AKW Hinkley Point - Foto © Richard Baker, CC BY-SA 2.0 commons.wikimedia.org“Fiasko” und “Desaster” – starke Begriffe benutzt die Süddeutsche Zeitung im Zusammenhang mit dem britischen AKW-Projekt “Hinkley Point C“. Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat am 28.07.2016 grünes Licht für den heftig umstrittenen Bau gegeben. Damit könne die EDF nun die Verträge unterzeichnen, wurde anschließend mitgeteilt.

Das Projekt in Hinkley Point an der Westküste Englands soll 21,5 Milliarden Euro kosten. Rund ein Drittel davon sollen – noch unentschlossene – chinesische Partner (China General Nuclear Power – CGN)  schultern. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko – Banken raten ab. Denn schon die anderen beiden Reaktoren (Hinkley Point A und B) wurden laut SZ zum finanziellen Desaster. Und das Brexit-Votum mache alles noch ungewisser. Im März war EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er das Projekt für ein zu großes finanzielles Risiko hielt. Die insgesamt anfallenden Laufzeitkosten werden durch die Regierung inzwischen auf 43 Milliarden Euro geschätzt – doppelt so viel wie noch vor einem Jahr.

Hinkley Point C - Foto © edfenergy.comÖsterreich, Greenpeace Energy, die E-Werke Schönau und die österreichische oekostrom AG haben beim EuG in Luxemburg Klage gegen die von der Kommission genehmigten Beihilfen der britischen Regierung eingereicht – wegen verheerender Folgen für den Energiemarkt und weil sie in klarem Widerspruch zu den Energie- und Klimazielen der EU steht. Ob nach dem angekündigten Brexit das Europäische Gericht zuständig bleibt, darüber gehen die Meinungen auseinander.

EURATOM-Förderung bricht weg

Eventuell müsste Großbritannien mit dem Austritt aus der EU aber auch auf eine wichtige Finanzierungsquelle verzichten. Neben der steigenden Unsicherheit am Markt hätte das direkte Auswirkungen auf die für die Projektrealisierung eingeplanten Finanzmittel. Die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) ist zwar eine eigenständige internationale Organisation, teilt mit der Europäischen Union jedoch sämtliche Organe und ist damit vollständig an die EU angegliedert. Nach einem Ausstieg könnten die Briten daher nicht mehr auf die Förderung der Europäischen Atomgemeinschaft zählen. (nach: energiezukunft.eu)

Fessenheim wird stillgelegt

AKW Fessenheim - Foto © Florival_fr derivative work César - Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons“Zudem muss sich die französische Regierung die Zustimmung von EDF zu Hinkley Point teuer erkaufen”, schreibt der Wiener Standard: “Wie EDF-Vorsteher Jean-Bernard Lévy am Freitag sagte, hat er sich mit der Regierung auf die Abfindung für die Schließung des ältesten Atomreaktors Fessenheim (Elsaß) geeinigt. Diese Stilllegung kostet zweifellos Milliarden.”

BBU: AKW Hinkley Point C kann noch verhindert werden

BBU logoNach Auffassung des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kann der Bau noch verhindert werden. Energieminister Greg Clark hat nämlich am 29.07.2016 mitgeteilt, dass sie erst im Herbst abschließend über den Bau des AKW entscheiden wird. Der engagierte Verband warnt davor, dass es in den zwei neuen Reaktoren des AKW Hinkley Point C nach deren Inbetriebnahme zu katastrophalen Störfällen kommen könnte. Der BBU lehnt grundsätzlich den Neubau von Atomkraftwerken ab und fordert zudem international die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke und sonstiger Atomanlagen. Der BBU wies erneut auf Gefahren durch Erdbeben und Flugzeugabstürze. Besondere Brisanz hätte dabei auch der gezielte Absturz eines Militärflugzeuges mit hoher Geschwindigkeit auf ein Atomkraftwerk.

Udo Buchholz - Foto © bbu-online.deUdo Buchholz vom Vorstand des BBU bemängelt, dass gerade in der aktuellen Situation die Möglichkeit eines gezielten Flugangriffs auf Atomreaktoren und Uranfabriken nicht ausreichend berücksichtigt wird. „Es ist nicht beruhigend, was man über die Pläne zum Schutz von Atomkraftwerken hört: Rund um die AKW aufgeschüttete Erdwälle, Vernebelungsanlagen, Mauern oder Stahlseilnetze im möglichen Anflugbereich. Grundlegenderen Schutz bietet die sofortige Stilllegung aller AKW und Atomanlagen“, so Buchholz.

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