Photovoltaik: Gespaltene Entwicklung

Asiatische Newcomer

Während ein Wiederaufschwung für die europäischen Zellen- und Modulproduzenten immer schwieriger wird, profitieren die deutschen Maschinenbauer von der Finanzstärke der chinesischen Hersteller. Denn diese setzen in ihren Produktionslinien vornehmlich Fertigungsequipment deutscher Ausrüster ein, die vor allem dank der starken Asien-Nachfrage auf einen Weltmarktanteil von 50 Prozent kommen. Nach Angaben des Maschinenbauverbands VDMA ist ihr Umsatz im ersten Quartal 2016 um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. „Die hohe Investitionstätigkeit der Solarzellenhersteller in den Ausbau bestehender und neuer Produktionskapazitäten hält an, die Produktion ist ausgelastet, jedoch wirken sich die niedrigen Preise negativ auf die Umsätze aus. Aufträge kommen auch schon aus den neuen Märkten wie Indien“, erklärt Peter Fath, Vorsitzender des Vorstands der VDMA-Sparte Photovoltaik-Produktionsmittel.

Schmid Group goes Iran

So will etwa die Schmid Group in Zusammenarbeit mit der iranischen Organisation für industrielle Entwicklung Idro eine voll integrierte Photovoltaik-Produktion im Iran errichten. Das Werk soll die gesamte Photovoltaik-Wertschöpfungskette umfassen, einschließlich Siliziumproduktion, Wafer-, Zellen- und Modul-Fertigung und von anfänglich 200 Megawatt auf eine Jahreskapazität von mehr als 1000 Megawatt ausgebaut werden. Außerdem rüstet Schmid derzeit die erste Modulproduktion des asiatischen Staats Kirgisistan aus. Die wesentliche Innovation in der 35-MW-Fertigung sei, dass die einzelnen Stationen nicht mit einem Förderband, sondern mit Förderfahrzeugen verbunden seien. Die Shuttles bewegten sich auf engerem Raum, verkürzten so Wege, liefen sicherer und steigerten daher die Effizienz der Produktion, heißt es bei Schmid. (Siehe: solarify.eu/pv-produktion-in-iran-geplant)

Meyer Burger in Asien gefragt

Die Firma Singulus wiederum hat jüngst von der russischen Firma Hevel einen Auftrag für den Umbau einer bestehenden Dünnschichtproduktion auf Hochleistungszellen aus Silizium mit einer Jahreskapazität von 160 MW erhalten. Konkret wird Singulus Prozessanlagen zur nass-chemischen Behandlung der Zellen liefern. Dadurch entstehen auf ihrer Oberfläche spezielle Strukturen, die einen besseren Lichteinfall ermöglichen. Auch andere europäische Zulieferer wie Meyer Burger aus der Schweiz sind bei den asiatischen Solarproduzenten gefragt. So hat das Unternehmen nach eigenen Angaben von einem führenden chinesischen Hersteller im Juli einen Anschluss-Großauftrag über die Lieferung und Installation von Maschinen zur Produktion von Solarzellen auf Basis der sogenannten PERC-Technik in Höhe von rund 17 Millionen Euro erhalten. Das Besondere der PERC-Zellen ist eine spezielle Verspiegelung auf der Rückseite, die die Lichtausbeute steigert. Die Lieferung und Inbetriebnahme der Anlagen ist für das vierte Quartal 2016 vorgesehen. Zusammen mit einem bereits im Juni bekanntgegebenen Auftrag hat dieser chinesische Kunde Diamantdrahttechnik zum Sägen der Wafer und weitere Maschinen im Gesamtwert von knapp 40 Millionen Euro bei Meyer Burger bestellt.

Die Lage der europäischen Solarindustrie ist gespalten: Während die Zellen- und Modulproduzenten bei den Kosten aktuell kaum mit den Asiaten konkurrieren und wohl nur durch neue Großfabriken wieder Anschluss finden können, profitieren die Anbieter von Solarmaschinen von der Expansion in Asien. Jäger-Waldau hält den weiteren Erfolg der Zulieferer jedoch für keine Selbstverständlichkeit, denn auch in Asien etabliere sich eine starke Equipment-Industrie. „Der Technologievorsprung der europäischen Ausrüster beträgt maximal noch zwei bis drei Jahre, sie müssen daher weiterhin stark auf technische Neuerungen setzen.“ Als Problem für die Europäer könnte sich allerdings abermals herausstellen, dass die Finanzausstattung und das Innovationstempo der Asiaten größer ist. © Text: Sascha Rentzing

Dieser Artikel ist bereits in neue energie, energiezukunft und ee-news.ch erschienen.

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