PIK: „Carbon Law“ soll CO2 bis 2050 auf Null bringen

„Unternehmen, die herumtrippeln, werden die nächste industrielle Revolution verpassen“

„Moores Law“ besagt, dass Computer-Prozessoren alle zwei Jahre ihre Leistung verdoppeln. Wiewohl dies weder ein  Naturgesetz noch ein Gesetz im rechtlichen Sinne ist, hat sich diese Faustregel seit 50 Jahren bewährt und treibt noch immer disruptive Innovation an. „Unsere Zivilisation muss bald einen sozio-ökonomischen Kipp-Punkt erreichen, und dieser Fahrplan zeigt auf, wie das geschehen kann“, sagt Ko-Autor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Wir müssen insbesondere konkrete Schritte hin zur vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 aufzeigen. Unternehmen, welche diese Schritte vermeiden und weiter herumtrippeln, werden die nächste industrielle Revolution verpassen – und damit ihre beste Chance für eine gewinnbringende Zukunft.“

Ko-Autor Nebojsa Nakicenovic, stellvertretender Direktor des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) im österreichischen Laxenburg, erklärt: “Die Menschheit muss die Große Transformation hin zur vollständigen Dekarbonisierung angehen. Das ‚Carbon Law‘ ist eine bezwingende Strategie; ein Fahrplan, um die Emissionen auf Null zu bringen und damit das globale CO2-Budget einzuhalten und das Klima bei weniger als 2 Grad Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit zu stabilisieren.“

[note Was wären die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zur Dekarbonisierung bis 2050?

Jedes Jahrzehnt muss ein Meilenstein erreicht werden:

2020:     40 Gigatonnen CO2
2030:     20 GtCO2
2040:     10 GtCO2
2050:     5   GtCO2

Der Weg dorthin:

2020: Abbau der Subventionen für fossile Brennstoffe. Einführung eines CO2-Preises, der bei 50 US-Dollar pro Tonne beginnt und bis 2050 auf 400 US-Dollar pro Tonne steigt. Großskalige Steigerung von Energie-Effizienz-Maßnahmen und der Erprobung der CO2-Abspaltung, beginnend mit 100-500 Megatonnen CO2 pro Jahr.

2030: Die Kohle scheidet aus dem Energiemix aus. Das Bauen wird komplett CO2-neutral oder speichert sogar Kohlenstoff, mehrere Städte erreichen die CO2-Neutralität. Die CO2-Abtrennung von 1-2 Gigatonnen CO2 beginnt.

2040: Öl scheidet aus dem Energiemix schon früh in diesem Jahrzehnt aus. Europa ist ebenfalls schon zu Beginn dieser Dekade nahe bei null Emissionen. Andere Kontinente beenden das Jahrzehnt nahe bei null Emissionen.

2050: die Weltwirtschaft ist CO2-neutral.]

„Niedrigere Kosten, mehr Jobs und sauberere Luft“

„Das ‚Carbon Law‘ skizziert in allgemeiner aber quantitativer Weise einen Pfad zu den Zielen von Klimaschutz und Nachhaltigkeit“, sagt Ko-Autor Joeri Rogelj vom IIASA. „Es entwirft eine Vision rascher Emissionsreduktionen in Verbindung mit nachhaltigen Optionen zum Entziehen von CO2 aus der Atmosphäre. Es zeigt sehr klar, dass nicht eine einzige Lösungsmaßnahme alles leisten kann – und diese Unsicherheit bedeutet, dass wir mehrere Lösungsansätze gleichzeitig verfolgen müssen.“

Malte Meinshausen, Direktor des Climate & Energy College an der Universität Melbourne erklärt: „Diejenigen Regionen, die zukunftsfähige erneuerbare Energien und Investitionen in Speichertechnologien voranbringen, werden aus der Null-Emissions-Zukunft eine wirtschaftliche Chance für sich machen. Während wir jahrelang den Abbau der althergebrachten fossilen Verbrennungstechnologien nur als Last gesehen haben, wird nun endlich die andere Seite sichtbar: niedrigere Kosten, mehr Jobs und sauberere Luft.“

Wenn die Welt einem „Carbon Law“ folgen würde, das auf veröffentlichten Energie-Szenarien beruht, so hätte sie eine 75-Prozent-Chance, die globale Erwärmung unter 2 Grad gegenüber den vorindustriellen Temperaturen zu halten – ein Ziel, das die Staaten der Welt beim Pariser Gipfel 2015 vereinbart haben.

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