Irisch-französisches Kabel umgeht GB

Strom-Bypass wg. Brexit: EU fördert HGÜ-Leitung unter Ausschluss Großbritanniens

Die Europäische Kommission stellt 3,8 Millionen Euro für ein Projekt bereit, das die französischen und irischen Stromnetze über ein Unterwasserkabel zwischen La Martyre in Frankreich und Great Island oder Knockraha in Irland verbinden soll. Irische Politiker sehen laut einem Bericht von Sam Morgan auf euractiv das Projekt als „offensichtliche Lösung“ nach dem Brexit.

Das Celtic Interconnector Project ist ein ca. eine Milliarde Euro kostendes, 600 Kilometer langes Unterwasserkabel, dass die Südküste Irlands mit der nordwestlichsten Spitze Frankreichs verbinden soll. Über das zunächst mit 320 bis 500 kV (später festzulegen) oder als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung HGÜ ausgelegte (an anderer Stelle heißt es 700 MW) Kabel könnte mit einer jährlichen Übertragungskapazität von 6.1 TWh Energie für 450.000 Haushalte übertragen werden. Es soll 2025 ans Netz gehen.

[note Mit dem Celtic Interconnector wäre Irlands Stromnetz auch nach dem Brexit direkt mit einem anderen EU-Land verbunden – Karte © PLATTS, INEA, euractiv.de]

Die beiden Länder hatten sich nach einerMachbarkeitsstudie im Juli 2016 auf das Projekt geeinigt. Die  Europäische Kommission entschied vergangene Woche, ungefähr 4 Millionen Euro für weitere detaillierte Planung, eine öffentliche Anhörung sowie für die Vorbereitung zum tatsächlichen Bau der Leitung beizusteuern. Der Plan kann über die Fazilität Connecting Europe (CEF) gefördert werden, da es als wichtiger Beitrag zur Komplettierung des europäischen Energiebinnenmarktes angesehen wird. Die Leitung soll mit einem Glasfiberkabel gleichzeitig die irische Breitbandkonnektivität verbessern.

Die Leitung wäre nach dem Brexit im Jahr 2019 die einzige direkte Verbindung Irlands zu einem anderen EU-Staat. Der irische Brexit-Ausschuss rief am 04.07.2017 dazu auf, dass Projekt schnellstmöglich anzugehen. Der Ausschussvorsitzende Neale Richmond erklärte, Irland könne sich „bei der Energiezufuhr nicht länger auf Großbritannien verlassen“. Der Celtic Interconnector verspreche „mehr Sicherheit“ nach dem EU-Austritt des Nachbarstaats.

Der irische Energieminister Denis Naughten hatte bereits im Februar gesagt, es sei „wichtig, dass wir direkte Verbindungen zur Europäischen Union haben. Wir sind entschlossen, eine solche Verbindungen aufzubauen.” Es sei „unverantwortlich“, diese Option für die Zeit nach dem Brexit nicht zu wählen.

Regionale Kooperation

Die Energieunternehmen RTÉ France und EirGrid hoffen, dass das Projekt nicht nur die Energiesicherheit für Irland steigert, sondern auch Kosten reduziert und Erneuerbare Energien fördert. Vincent Thouvenin, bei RTÉ France zuständig für europäische Angelegenheiten, unterstrich, dass die Firma sich der Entkarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung des Energiemarktes verpflichtet fühle. Bei einer Veranstaltung am 04.07.2017 in Brüssel wies er darauf hin, dass RTÉ immer mehr Erneuerbare Energiequellen miteinander verbindet und auf die irischen Windenergie-Kapazitäten, die von 1.000 MW im Jahr 2008 auf 2.500 MW im Jahr 2015 gestiegen seien.

Brexit und die Folgen für Energieversorgung und -handel

Durch das Umgehen Großbritanniens werden auch einige Unsicherheiten, beispielsweise zu den Themen Marktvorschriften und Datenschutz, für die Zeit nach dem Brexit umgangen. In einer Studie vom Januar erklärte der Think Tank Insight-E allerdings, die Einführung von Energiezöllen an den britisch-irischen Grenzen sei unwahrscheinlich, und nanntge als Beispiel den freien Energie-Handel zwischen Russland und den baltischen Staaten. Allerdings führe der Brexit zu Unsicherheiten, die europäische Energie-Investments in dem Land negativ beeinflussen werden.

Auf der irischen Insel wird derzeit der sogenannte Single Electricity Market (SEM) betrieben, über den die Republik Irland und Nordirland Stromflüsse über ihre Grenzen hinweg koordinieren. Das System wird voraussichtlich ab März 2018 durch den Integrated Single Electricity Market (I-SEM) ersetzt, der auch nach dem Brexit für gute Zusammenarbeit sorgen soll. Die Studie von Insight-E warnt allerdings, dass auch der I-SEM nicht komplett vor Folgeeffekten des Brexit gefeit sei.

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