FES-Studie räumt im Energiemarkt auf

Aus der Zusammenfassung

  • Das Umlagesystem im Stromsektor erfüllt in Deutschland neben der Finanzierungsfunktion wichtige Steuerungsaufgaben (vor allem Anreize für Stromeffizienz, Sektorkopplung und Flexibilität). Durch die beeindruckende Komplexität der USE (Umlagen, Steuern, Entgelte und Abgaben im Stromsektor), ihre Wechselwirkungen und Höhe sowie die jeweiligen Ausgestaltungsdetails, verliert das System in Bezug auf die Steuerungswirkung an Effizienz. Die FES-Analyse will die Grundlage für eine nachhaltige und zielgerichtete Weiterentwicklung des Gesamtsystems legen.
  • Die Höhe der (Industrie-)Privilegierungen verursacht hochrelevante Verteilungsfragen. Die Diskussion über USE in dieser Studie beschränkt sich daher nicht auf ihre Finanzierungs- und Steuerungsfunktion, sondern es wird auch der Beitrag einzelner Verbrauchergruppen zum Umlageaufkommen analysiert.
  • Der erste Abschnitt (Kapitel 3) schafft einen Überblick über die verschiedenen USE im Strommarkt und ihr Aufkommen.
    Nach einer zusammenfassenden Beschreibung sämtlicher USE, wird das aus ihnen resultierende Kostenaufkommen quantifiziert und projiziert.
  • Die Historie wird von der Entwicklung der Kosten der EEG-Förderung dominiert, die von 8,3 Milliarden Euro in 2010 auf 23,1 Milliarden Euro in 2016 gestiegen sind. Daneben kann man einen starken Rückgang der Belastung für Strombezug, hier bewertet zu Großhandelspreisen, von 22,5 auf 16,6 Milliarden Euro beobachten, der sich aus dem leicht sinkenden Stromverbrauch und fallenden Marktpreisen ergibt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die zunehmende EEG-Förderung für den Rückgang der Großhandelspreise mitverantwortlich ist.
  • Das Kostenaufkommen zur Finanzierung des Stromnetzes hat sich von 2010 bis 2016 von 16,9 auf 23,8 Milliarden Euro erhöht. In den letzten Jahren ergaben sich Kostenanstiege, vor allem durch Netzeingriffe auf Ebene des Übertragungsnetzes. Die Datenqualität in Bezug auf die Entwicklung der Netzentgelte ist dabei weiter verbesserungsfähig.
  • Stromsteuer, Konzessionsabgaben und weitere Umlagen führten in 2016 zu Kosten in Höhe von 11,2 Milliarden Euro, was im Vergleich zu 2010 einem Anstieg um 2,5 Milliarden Euro entspricht.
  • Insgesamt sind die Kosten im Stromsektor von 2010 bis 2016 um 33 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung wurde vor allem von einem Anstieg der EEG-Förderung, der zum Teil durch sinkende Großhandelspreise kompensiert wurde, ausgelöst.
  • In der Projektion bis 2023 ergeben sich andere Kostentreiber als in den letzten Jahren. So nehmen die EEG-Förderkosten sehr viel schwächer zu als im historischen Trend. Gleichermaßen nimmt das Kostenaufkommen für Strombezug zu Großhandelspreisen deutlich langsamer ab als bisher. In 2023 ergeben sich EEG-Differenzkosten von 27,3 Milliarden Euro und Erzeugungskosten von 13,3 Milliarden Euro.
  • Eine weitaus stärkere Dynamik ist im Bereich der Netzkosten zu erwarten: Hier ergeben sich für 2023 Kosten in Höhe von 31,6 Milliarden Euro, die neben dem Netzausbau auf eine weitere Zunahme der engpassbedingten Netzeingriffe zurückzuführen sind. Das Aufkommen von Stromsteuer, Konzessionsabgabe und weiteren Umlagen verändert sich unter den getroffenen Annahmen bis 2023 nur unwesentlich.
  • Bis 2023 ist im Vergleich zu 2016 im Stromsektor lediglich ein Kostenanstieg von elf Prozent zu erwarten. Zu dieser Entwicklung kommt es vor allem durch eine Zunahme der Kosten des Stromnetzes um 33 Prozent.
  • Naturgemäß entschärft ein energiewirtschaftlich effizienter Ausbau Erneuerbarer Energien (EE) und eine effiziente Systemumgestaltung Verteilungsprobleme. Wenn Kosten nicht entstehen, müssen sie nicht verteilt werden. Vor diesem Hintergrund gilt es, der Dämpfung des Gesamtaufkommens weiter politische Priorität zu geben. Dabei gilt es, den Fokus stärker auf den Bereich der Netzentgelte zu legen, die in der projizierten Entwicklung an Wichtigkeit gewinnen.

Folgt: Zweiter Abschnitt der Zusammenfassung