Fossile Subventionen lassen Millionen sterben

Milliarden für Sprit, Billionen für die Gesundheitsfolgen

Von Sam MorganEURACTIV.com – Übersetzung Tim Steins
Eine neue Studie der Health and Environment Alliance (HEAL), einem Dachverband von Umwelt- und Gesundheitsorganisationen, die ein Ende der Unterstützung für schmutzige Energiequellen fordert, zeigt, wie die Steuerzahler doppelt zahlen: Zuerst für Sprit-Subventionen und dann für Gesundheitskosten. Die Gesundheitskosten für durch fossile Brennstoffe verursachte Erkrankungen liegen noch einmal 600 Prozent höher als die Brennstoff-Subventionen aus Steuergeldern.

Gesundheitskosten: 2,34 Billionen Euro – 6,5 Millionen Tote

Die G20-Staaten gaben allein im Jahr 2014 insgesamt 377 Milliarden Euro für Öl-, Gas- und Kohlesubventionen aus – trotz Ankündigungen, diese zu kürzen. Die neue Studie  schätzt, dass der Verbrauch dieser subventionierten Energieträger und die entstehende Luftverschmutzung gleichzeitig Gesundheitskosten von 2,34 Billionen Euro verursacht. In der EU liegen diese Gesundheitskosten bei 195 Milliarden Euro. Weltweit sterben jedes Jahr 6,5 Millionen Menschen an gesundheitlichen Schäden, die durch das Verbrennen fossiler Kraftstoffe hervorgerufen werden, beispielsweise an Schlaganfällen, Herzinfarkten, Krebs und Lungenkrankheiten.

Mit dem Bericht ruft HEAL die Regierungen der Welt auf, fossile Brennstoffe nicht weiter zu subventionieren und das gesparte Geld für die öffentliche Gesundheit einzusetzen. Laut Studie könnten in Deutschland 24,9 Prozent der frühzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung verhindert werden, wenn solche Subventionen abgeschafft und korrigierende Steuern erhoben werden würden. In Großbritannien liegt dieser Wert bei 41,3 Prozent – und im kohleabhängigen Polen sogar bei 51,3 Prozent. Am meisten profitieren würde Bulgarien, wo bis zu 89,1 Prozent dieser Todesfälle vermieden werden könnten. Auch im EU-Nachbarstaat Türkei könnte sich die Zahl um 73,8 Prozent verringern.

Die Gesundheitskosten in Deutschland aufgrund dieser Probleme belaufen sich auf 36,3 Milliarden Euro; Polen und Großbritannien müssen 33,3 bzw. 26,1 Milliarden Euro aufwenden.

HEAL zeigt auch, dass die fünf Milliarden Euro, die in der Bundesrepublik für die Jahre 2013/14 vorgesehen waren, durchaus sinnvoller hätten eingesetzt werden können: Für mehr als 300.000 Solarenergie-Installationen, plus alternativer Beschäftigung für 15.000 Arbeiter im Kohlebergbau für fünf Jahre und darüber hinaus die Gehälter von mehr als 100.000 KindererzieherInnen für ein Jahr. Rainer Sauerborn, Professor an der Uni Heidelberg hält fest: „Für ein Land wie Deutschland, das die Nutzung erneuerbarer Energien so sehr vorantreibt, sollte ein Ende der Subventionen für fossile Brennstoffe eine Priorität sein.“

Auch in Polen könnten die Subventionen für Öl, Gas und Kohle stattdessen für 34 neue Krankenhäuser, die Gehälter von 30.000 Ärzten und 57.000 Lehrer jährlich eingesetzt werden. Michal Krzyzanowski vom King’s College London erklärt, dass die mit fossilen Brennstoffen in Verbindung stehenden Gesundheitskosten 13 Prozent des polnischen BIPs aufzehren.

Laut Berechnungen der Internationalen Energieagentur würde ein Teil-Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 360 Millionen Tonnen senken könnte. Das wären bereits bis zu 20 Prozent der Ziele des Pariser Klimaabkommens.

Auf praktischer Ebene fordert HEAL von den G20-Staaten, bis 2020 oder 2025 zumindest ihre Subventionen in Entwicklungsländern zu beenden. Außerdem rief die Organisation insbesondere die EU-Finanzinstitutionen dazu auf, mit Blick auf nachhaltige, erneuerbare Energien mit gutem Beispiel voranzugehen.

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