Agora Energiewende: Kurzfristige Stilllegung gefährdet Versorgungssicherheit nicht

Eine aktuelle Kurzanalyse von Agora Energiewende auf Basis der Leistungsbilanzdaten der Übertragungsnetzbetreiber belegt: Deutschland kann kurzfristig die 20 ältesten Braunkohlekraftwerke stilllegen, ohne dass dies die Versorgungssicherheit gefährden würde.

Die Stilllegung halbiert in etwa die Klimaschutzlücke bis 2020. Zur Erreichung des 2020-Klimaschutzziels sind daher darüber hinaus weitere Maßnahmen nötig, unter anderem im Stromsektor eine Erhöhung des Ausbaus der Erneuerbaren.

In der Kurzanalyse hat Agora Energiewende die Leistungsbilanzdaten der Übertragungsnetzbetreiber aktualisiert und bis 2020 beziehungsweise 2023 fortgeschrieben. Dafür wurden sowohl die Stilllegungen der 20 ältesten Braunkohlekraftwerke mit einer Leistung von 8,4 Gigawatt als auch der Atomausstiegs berücksichtigt.

Schaltet man die 20 ältesten Braunkohle-Kraftwerksblöcke zum 01.01.2020 ab, entspricht dies 8,4 Gigawatt an Kraftwerkskapazitäten. Hinzu kommt der Atomausstieg (10,8 Gigawatt Kraftwerke bis Ende 2022), die bereits beschlossene Braunkohlesicherheitsbereitschaft mit anschließender Stilllegung (2,7 GW Kraftwerke bis Ende 2023), sowie die bereits bekannt gegebene Stilllegung einiger Steinkohlekraftwerke.

Dies ist eine beachtliche Reduktion an Kraftwerken, für die Vorsorge getroffen werden muss. Das Ergebnis einer Analyse von Agora Energiewende ist jedoch: Die Versorgungssicherheit ist auch in einem solchen Szenario jederzeit gewährleistet. Dafür wurde die Leistungsbilanz, die die vier Netzbetreiber jährlich erstellen, aktualisiert – und zwar sowohl für das Jahr 2020, als auch für das Jahr 2023, das heißt nach Ende des Atomausstiegs.

Dabei wird betrachtet, ob zum Zeitpunkt der höchsten Stromnachfrage genügend Kraftwerke verfügbar sind, um die Nachfrage zu decken. Hierfür wird üblicherweise als „Referenzsituation“ eine Abendstunde nach Sonnenuntergang an dem dritten Mittwoch im Januar angenommen, mit sehr niedrigen Temperaturen (-9 Grad Celsius).

Dabei wird bei der Erzeugung eine Worst Case-Betrachtung ausgeführt, das heißt, es wird zusätzlich angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt Windstille herrscht (99 Prozent der Windanlagen produzieren keinen Strom) und ein Teil der Kraftwerke ausfällt, beziehungsweise zur Erbringung von Systemdienstleistungen eingesetzt wird.

Das Ergebnis: Es können 8,4 Gigawatt Braunkohle abgeschaltet werden, und auch bei der Worst-Case-Situation einer „kalten Dunkelflaute“ im Januar 2020 oder im Januar 2023 ist die Versorgungssicherheit gewährleistet. Wesentliche Gründe sind: Es bestehen in Deutschland aktuell Kraftwerks-Überkapazitäten, diese würden im Zuge einer Abschaltung der 20 ältesten Kohlekraftwerke abgebaut.

In Deutschland stehen viele Gaskraftwerke ungenutzt herum beziehungsweise wurden sogar in den vergangenen Jahren eingemottet in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Diese würden dann reaktiviert und bis 2023 durch neue Anlagen (zum Beispiel Gasmotoren) ergänzt, die aufgrund des Ausscheidens der Braunkohlekraftwerke am Markt wirtschaftlich würden…

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