Greenpeace klagt auf Entzug der Betriebsgenehmigung für AKW Gundremmingen

Eine Klage auf Entzug der Betriebsgenehmigung für das Atomkraftwerk Gundremmingen hat Greenpeace am 06.12.2017 beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München eingereicht. Das AKW Gundremmingen sei unzureichend gegen terroristische Angriffe geschützt, so Greenpeace. Der Betonmantel beider Reaktoren sei zu dünn, um gegen den Absturz größerer Verkehrsmaschinen geschützt zu sein. Auch das Lagerbecken für genutzte Brennstäbe weise Sicherheitsmängel aus und würde im Falle eines Flugzeugabsturzes große Mengen Radioaktivität freisetzen. Auch das österreichische Umweltbundesamt kritisiert in einer Studie (http://bit.ly/2ipswLa), dass die außerhalb des Sicherheitsbehälters liegenden Abklingbecken in Gundremmingen ein besonderes Risiko darstellen.

Trete Wasser aus dem Becken aus, so dass die Brennelemente trocken fielen, könnte ein Vielfaches der Radioaktivität der Atomkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt werden. „Gundremmingen stellt ein massives Sicherheitsrisiko dar“, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Das AKW muss sofort vom Netz, denn es gefährdet hunderttausende Menschen.“

Wegen der akuten Sicherheitsmängel klagt Greenpeace gemeinsam mit Anwohnern des Atommeilers darauf, die beiden Reaktorblöcke des AKW sofort stillzulegen. Eine Kernschmelze und die dabei zu befürchtende große Menge freigesetzter Radioaktivität gefährdet Menschen im Umkreis von 600 Kilometern.

Skandale in AKW Gundremmingen häufen sich

AKW-Gundremmingen – Foto-©-Felix-König-Wikimedia-Commons-CC-BY-SA-3.0-commons.wikimedia.org_.jpg

Das Schweizer Fernsehen hatte im November enthüllt, dass das AKW Gundremmingen mit Brennelementen betrieben wird, die nicht den geforderten Spezifikationen entsprechen. Die Hüllrohre einiger Brennstäbe sind dünner als eigentlich vorgeschrieben. Die Rohre sind eine wesentliche erster Schutz, um zu verhindern, das Radioaktivität austritt. Die bayerischen Behörden haben bislang keine Konsequenzen aus den Vorwürfen gezogen. „Ein Auto mit defektem Blinker darf nicht auf die Straße, aber unsichere Atommeiler bleiben am Netz? Das ist ein verantwortungsloses Spiel mit der Sicherheit“, so Smital. Die Brennelemente stammen aus der niedersächsischen Atomfabrik in Lingen. Greenpeace fordert, dass die Brennelemente Produktion in Lingen und die Urananreicherung in Gronau in den deutschen Atomausstieg mit einbezogen werden.

Klagen gegen Atomkraftwerke wegen Terrorgefahr können erfolgreich sein. Dies zeigt das Beispiel Brunsbüttel. Dort musste im Jahr 2015 die Atomaufsicht Schleswig-Holsteins nach einer Klage von Greenpeace dem Betreiber Vattenfall die Betriebsgenehmigung für ein schlecht gesichertes Atommüll-Zwischenlager entziehen.

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