Bleibatterien und deren Folgen für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern

Die Entwicklung immer leistungsstärkerer Lithium-Batterien ist in aller Munde. Dabei wird oft übersehen, dass nicht nur die neuen Batterietechnologien einen Boom erfahren, sondern auch die altbekannten Blei-Säure Batterien. Denn Bleibatterien sind gemessen an ihrer Speicherkapazität immer noch deutlich günstiger als lithiumbasierte Stromspeicher. Zudem gelten sie als äußerst robust und einfach in der Herstellung. Ein Blog von Andreas Manhart,  Öko-Institut e.V. vom 18.06.2018.

Nie zuvor wurden so viele Blei-Säure Batterien produziert, und noch nie wurde so viel Blei aus Bergwerken gewonnen wie in den letzten Jahren. Denn 85 Prozent des weltweiten verfügbaren Bleis wird für die Produktion von Batterien verwendet.

Und alle Prognosen deuten auf ein weiter anhaltendes Wachstum hin. Haupttreiber sind die globalen Absatzzahlen für Kraftfahrzeuge sowie eine schnell steigende Nachfrage nach allen Arten stationärer Stromspeicher. Dabei gibt es die größten Nachfragesteigerung in Entwicklungs- und Schwellenländern wo einerseits die Motorisierung schnell zunimmt, andererseits auch oft unzuverlässige Stromversorgungen über Speicherlösungen ausgeglichen werden müssen.

Diese Entwicklung ist insofern problematisch, als dass Blei ein toxisches Schwermetall ist und schwere gesundheitliche Schäden anrichten kann. Während Emissionen während der Nutzungsphase in der Regel vermieden werden können, ist die Nachgebrauchsphase entscheidend. Zwar argumentiert die Bleiindustrie, dass weltweit ein Großteil aller Batterien gesammelt und auch recycelt wird, das Recycling ist aber besonders in den Boomländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas oft hochproblematisch. Denn das Blei aus den Batterien zurückzugewinnen ist die eine Sache, der Schutz von Mensch und Umwelt eine andere. Schutzmaßnahmen sind kostspielig und solange die lokalen Umweltbehörden nur lax oder gar nicht kontrollieren, wird dieser Kostenpunkt gerne eingespart. Schwere Bleivergiftungen bei Mitarbeitern und Anwohnern sind daher in vielen Ländern leider die Regel.

Erst letzte Woche hat uns wieder die traurige Nachricht erreicht, dass in einer Armensiedlung in Mombasa (Kenia) seit Anfang dieses Jahres drei weitere Menschen an einer Bleivergiftung verstorben sind. Gleich neben der Siedlung wurden in einer Fabrik jahrelang Bleibatterien recycelt – ohne Rücksicht auf die Gesundheit von Arbeitern und Anwohnern.

Aus diesem Grund hat sich die Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) dem Thema jüngst in einer eigenen Resolution angenommen. Darin wird nicht nur ein kompletter Phase-out von Blei in Farben gefordert, sondern auch dazu aufgerufen, endlich wirkungsvolle Maßnahmen gegen das unsachgemäßen Recycling von Bleibatterien zu unternehmen. Inwieweit dieser Aufruf aber auch Wirkung zeigt, ist derzeit noch offen.

 Andreas Manhart ist Senior Researcher im Institutsbereich Produkte & Stoffströme und arbeitet zu Fragen der Sicherstellung sozialer und ökologischer Standards in globalisierten Produktionsketten.

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