5 Irrtümer der Energiewende

Teil 1: Machen Erneuerbare Energien den Strom teuer?

Sie gelten als Energiepreistreiber und Sündenbock für steigende Strompreise. Allzu gerne wird die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dem Verbraucher als Argument für seine hohe Stromrechnung verkauft. Doch welchen Einfluss haben die Erneuerbaren Energien wirklich auf den Strompreis? Und warum ist der konsequente Zubau der Erneuerbaren der einzige Weg, den Strompreis langfristig zu senken? Das Verkehrs- und Energiewende-Unternehmen Greencity startete am 26.07.2018 ein 5-teilige Serie zur Richtigstellung der alternativen Fakten und Vorurteile, die sich hartnäckig um das Thema Energiewende halten (vgl. solarify.eu/insm-mit-neuer-kampagne-gegen-energiewende)

Verbraucherstrompreis vs Börsenstrompreis

Es ist eine mediale Steilvorlage: Der regenerative Anteil im deutschen Strommix ist bei knapp 40 Prozent angekommen. Parallel zum Grünstrom in deutschen Netzen steigt, wenn auch in kleinen Schritten, der Verbraucher-Strompreis kontinuierlich. In diesem Jahr verbucht der Konsument wieder eine Erhöhung von 0,9 Prozent auf der Stromrechnung. Die Verbindung liegt nahe, doch so simpel ist die Rechnung nicht. Green City zeigt, welchen Einfluss die Erneuerbaren wirklich auf den Strompreis haben.

Die Erneuerbaren sind im deutschen Netz auf Rekordhoch: Gut 38 Prozent des deutschen Strommixes stammt bereits aus hiesiger Wind-, Wasser- und Solarkraft. Damit hängen die Regenerativen ihre fossile Konkurrenz immer weiter ab. Ein positiver Trend, der den Verbraucher mit Blick auf die eigene Stromrechnung erstmal stutzig machen lässt. Denn diese steigt seit Jahren stetig. Doch um zu verstehen, welchen Einfluss die Erneuerbaren auf die eigene Stromrechnung haben, muss man zunächst die aktuelle Zusammensetzung des Strompreises kennen. Dieser bildet sich aus Börsenstrompreis, EEG-Umlage und den Netzentgelten.

[note Zusammensetzung des Strompreises für Haushaltskunden (Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 kwh) April 2017 – Grafik © Monitoringbericht der Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt 2017]

Börsenstrompreis auf Talfahrt

Wer aber über den Einfluss von Erneuerbaren auf den Strompreis spricht, sieht meist nur eine steigende EEG-Umlage und höhere Netzentgelte. Doch es gibt noch eine zweite Komponente, auf die die Erneuerbaren einen massiven Einfluss haben: den Börsenstrompreis. Jener Preis, mit dem Strom an der Börse gehandelt wird. Im Gegensatz zum Verbraucherstrompreis sinkt dieser seit Jahren kontinuierlich. Der Grund dafür ist die große Menge von günstigem Solar- und Windstrom, die immer öfter für ein Überangebot sorgt. Das drückt den Börsenstrompreis.

[note Die Berechnung der EEG-Umlage basiert auf einem Paradoxon: denn die Entwicklung der eigentlichen Förderkosten hat sich von der Entwicklung der EEG-Umlage entkoppelt. Seit Herbst 2009 wird die EEG-Umlage maßgeblich als Differenz zwischen den Ausgaben der Förderkosten und den Einnahmen an der Strombörse ermittelt. Erneuerbare Energien müssen seitdem zwangsweise an der grenzkostenorientierten Strombörse (Spotmarkt EPEX) vermarktet werden. Die Grenzkosten entsprechen bei Kraftwerken den Betriebskosten, somit Brennstoff- und CO2-Kosten. EEG-Strom wird dadurch schlagartig entwertet und zudem preisbestimmend, da der konventionelle Strom weiterhin größtenteils außerhalb der Strombörse höherpreisig vermarktet wird.
Die Preise an der Börse sinken mit zunehmendem EEG-Strom – und die EEG-Umlage als Ausgleichszahlung steigt zugleich, und das umso stärker, je stärker die Börsenpreise sinken. Selbst wenn der Ausgabenblock durch Nullvergütungen für neue Anlagen konstant bliebe, würde der Börsenpreis durch den zusätzlichen EEG-Strom sinken und die EEG-Umlage steigen.
Seit der Änderung der Berechnungsmethode (also der Einführung des Paradoxons) hat sich die EEG-Umlage fast versechsfacht, während sich die reinen Förderkosten durch Zubau neuer Anlagen lediglich mehr als verdoppelt haben. Der Anteil der reinen Ökostromförderung betrug trotz starken Zubaus bereits 2014 nur noch 42% (2,61 von 6,24 Cent) der EEG-Umlage, also weniger als die Hälfte. Deutlich wird das Paradoxon vor allem dadurch, dass die Umlage für die Haushaltskunden umso höher ist, je billiger ein Versorger Strom einkauft. Zusätzlicher Treiber der Umlage wurden die Industrierabatte in Milliardenhöhe, die sich seit 2010 fast verdreifacht haben.
Die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage ist in den vergangenen vier Jahren stetig gesunken: Von 10,55 auf 9,56 ct/kWh. Doch die EVU geben die sinkenden Börsenpreise häufig nicht weiter. Studien des Bundesumweltministeriums und der Netzbetreiber rechnen allerdings damit, dass die Umlage sich trotz fortschreitenden Ausbaus in den kommenden Jahren stabilisieren und anschließend wegen sinkender Vergütungssätze fallen wird. (solarify.eu/insm-mit-neuer-kampagne-gegen-energiewende)]

Folgt: Kosten-Sieger: Ökostrom