150.000 Diesel müssen zurück in die Werkstatt

Seit Dezember 2017 bei 77 Prozent Software nachgerüstet

Rund 150.000 Dieselautos verschiedener Hersteller in Deutschland müssen laut einer Meldung des parlamentseigenen Pressedienstes heute im bundestag – im Zusammenhang mit dem Abgasskandal verpflichtenden Rückrufen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) folgend in die Werkstätten. In zwei Aktionen seien bereits rund 2,6 Millionen Fahrzeuge umgerüstet worden. Das steht in der Antwort (19/3377) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (19/2595) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Diverse Audi-Modelle mit insgesamt rund 86.300 Fahrzeugen sind von der Rückrufaktion betroffen. Hinzu kommen rund 26.300 Modelle des Typs VW-Touareg. Von den betroffenen Fahrzeugen seien bereits rund 74 Prozent umgerüstet. Auch rund 26.000 Porsche verschiedener Baureihen wurden von der Behörde zurückgerufen. Hier seien bereits rund 77 Prozent umgerüstet. Weiterhin wurden den Angaben zufolge auch rund 6.300 BMW-Modelle zurückgerufen sowie 1.372 Modelle des Typs Mercedes Vito. (hib/PK)

Im Wortlaut: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Kühn (Dresden), Oliver Krischer, Matthias Gastel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 19/2595 –
Stand der Rückrufe von Dieselfahrzeugen und anderer Maßnahmen im Rahmen des Abgasskandals

Vorbemerkung der Fragesteller

Im Rahmen des Abgasskandals hat das Kraftfahrt-Bundesamt verschiedene verpflichtende Fahrzeugrückrufe aufgrund verbotener Abschalteinrichtungen oder sonstiger Abgasmanipulationen angeordnet. Der Umsetzungsstand der einzelnen Rückrufe bleibt jedoch aufgrund von aus Sicht der Fragesteller ungenauer bzw. unvollständiger Angaben der Bundesregierung in der Vergangenheit (vgl. Bundestagsdrucksache 19/1473) unklar und nicht nachvollziehbar. Bezüglich der u. a. auf dem Nationalen Forum Diesel vom 2. August 2017 von den Automobilherstellern zugesagten freiwilligen Umrüstungen ist nicht bekannt, ob die Umrüstungsquote weiterhin im einstelligen Prozentbereich verharrt, was die Erreichung des Ziels der Bundesregierung, bis Jahresende alle Umrüstungen abgeschlossen zu haben, deutlich erschweren würde.

Bei verpflichtenden und freiwilligen Umrüstungen ist gleichermaßen unklar, auf welche Weise Automobilhersteller Informationen über die Rückrufe und Umrüstungen bereitstellen. Weiterhin stellen sich Fragen zur Gründung des Deutschen Instituts für Verbrauchs- und Emissionsmessungen (DIVEM), das nach Angaben des ehemaligen Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt noch im Jahr 2017 hätte gegründet werden sollen, sowie nach dem zweiten Teil des zweiten Berichts der Untersuchungskommission „Volkswagen“, der im Juni 2017 in Aussicht gestellt wurde. Auch ist bislang offen, wann das Nationale Forum Diesel mit einem zweiten Treffen fortgesetzt wird und wann die Bundesregierung zusammen mit Bundesländern und Kommunen bei einem dritten Gipfel erneut über Maßnahmen zur Luftreinhaltung beraten wird.

Antworten der Bundesregierung (Ausschnitte)

Es sind insgesamt etwa 26.000 Fahrzeuge des Typs Porsche Cayenne 3.0 Liter TDI, Porsche Cayenne Euro 6 4.2 Liter V8 TDI und Porsche Macan Euro 6 3.0 Liter V6 TDI betroffen. Von den freigegebenen Modellen wurden bereits ca. 77 Prozent umgerüstet. Beginn der Maßnahme war Dezember 2017. Die Regierung verweist wiederholt auf die Internetseite des KBA.

Vom Rückruf betroffen sind die Modelle Audi A4, Audi A5, Audi A6, Audi A7, Audi A8 V6, Audi A8 L V6, Audi A8 V8, Audi A8 L V8, Audi Q5, Audi SQ5 und Audi Q7 mit insgesamt etwa 86 300 Fahrzeugen. Die Prüfungen beim Kraftfahrt- Bundesamt für den Rückruf sind noch nicht abgeschlossen.

In Deutschland sind

  • ca. 26.300 Fahrzeuge des genannten Modells VW Touareg
  • 6 300 Fahrzeuge der genannten Modelle BMW 750 und BMW M55 – und
  • 1 372 Fahrzeuge des genannten Modells Mercedes Vito 1.6 Liter Diesel Euro 6 betroffen.

Der Rückruf startete im Februar 2018. Von den betroffenen Fahrzeugen wurden bereits ca. 74 Prozent umgerüstet. Die Prüfungen beim Kraftfahrt-Bundesamt für den Rückruf sind noch nicht abgeschlossen.

Die Teilnahmequote (Anfang Juni) bei den freigegebenen Modellen beträgt rund 73 Prozent. Durch diese beiden Aktionen wurden bereits rund 2,6 Millionen Fahrzeuge umgerüstet.

Es wurden die folgenden Modelle freigegeben: Porsche Macan, Opel Insignia, Opel Cascada, Opel Zafira, Daimler A-,B-,CLA-,GLA-Klasse, Daimler V-Klasse, VW Amarok, VW Crafter, Audi A6. Weitere Modelle können noch nicht genannt werden. Von den freigegebenen Modellen wurden bisher rund 73 Prozent umgerüstet.

Die Daten werden an das KBA übermittelt. Die Datenübermittlung erfolgt zu allen Modellen, die von verpflichtenden Rückrufen betroffen sind. Die Modalitäten zu verpflichtenden Rückrufaktionen werden den betroffenen Herstellern mitgeteilt. Dies beinhaltet auch die Vorgabe zur Übermittlung von Daten. Die Hersteller wurden aufgefordert, bis zum 1. September 2019 ihre Software- Entwicklung für die zugesagten Updates abgeschlossen zu haben. Die Erörterungen mit den anderen Bundesministerien zur Organisation des DIVEM dauern an.

Der Zeitpunkt des Abschlusses der Expertenrunde 1 des Nationalen Forums Diesel steht noch nicht fest. Ein Veröffentlichungstermin des vorliegenden Berichts kann daher noch nicht genannt werden. Entscheidungen über einen zweiten Dieselgipfel mit den Automobilherstellern und einen dritten Gipfel mit Vertretern von Kommunen und/oder Ländern sind noch nicht getroffen worden.

->Quellen: