EU-Offshore plus 18 Prozent – D-Onshore bricht ein

Ausbauzahlen 2018 in Deutschland – Mittel- und Langfristperspektive jetzt gesetzlich fixieren!

Im vergangenen Jahr wurden in Europa 2,6 Gigawatt neue Offshore-Windenergiekapazität installiert, 15 neue Windparks – wie der europäische Windenergieverband WindEurope am 07.02.2019 bekannt gab. Währenddessen lag der Brutto-Zubau der Windenergie an Land (2.402 MW bzw. 743 Anlagen im Gesamtjahr 2018) “unter den ohnehin niedrigen Erwartungen” – so der Bundesverband WindEnergie in einer Medienmitteilung. Die kurzfristige Zubauperspektive für 2019-20 bleibe schwach; erst ab 2021 gäben Sonderausschreibungen Zuversicht auf Erholung.

Insgesamt gingen 85 Prozent der neuen Windparks in Großbritannien (1,3 GW) und Deutschland 969 MW) ans Netz. In Europa liefern damit 105 Offshore-Windparks in 11 Ländern mit einer Gesamtleistung von 18,5 GW Grünstrom. Das sind rund 10% der gesamten installierten Windenergiekapazität in Europa – der Rest entfällt auf Onshore-Wind.

Dabei fällt auf, so WindEurope, dass die Größe der Offshore-Parks immer weiter zunimmt – vor allem in Großbritannien purzeln die Rekorde: Dort wurden die größten Offshore-Turbinen der Welt mit einer Kapazität von 8,8 MW installiert und der mit 657 MW weltweit größte Offshore-Windpark, Walney 3 extension (Erweiterung), eröffnet. Weitere sechs Offshore-Windparks befinden sich derzeit in Europa im Bau, darunter der weltweit erste Park, der eine Kapazität von mehr als 1 GW aufweist: Hornsea 1 in Großbritannien.

WindEurope CEO Giles Dickson kommentiert die Zahlen: “Der Offshore-Wind wächst in Europa weiter stark. Die Gesamtkapazität ist im vergangenen Jahr um weitere 18% gestiegen. Offshore-Wind macht heute 2% des gesamten Stromverbrauchs in Europa aus. Und mit einer großen Pipeline von Projekten im Bau und in der Entwicklung wird diese Zahl deutlich steigen. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter. Die Turbinen werden immer größer. Und die Kosten sinken weiter. Der Bau von Offshore-Windenergie ist heute nicht teurer als der Bau von Kohle- oder Gaskraftwerken. Und es ist viel billiger als neue Atomkraftwerke.”

Dabei lobte er Neulinge wie Polen, die künftig auch Offshore-Windkraftwerke errichten wollen und tadelte einige Länder, wie Scheden, die ihr großes Potenzial nicht ausschöpften. Auch Deutschland muss sich Kritik gefallen lassen, denn das Land hat nur ein vergleichsweise bescheidenes Ziel für 2030 ausgegeben. Am schlechtesten schneidet allerdings Frankreich ab, denn trotz zahlreicher, jahrelanger Ankündigungen steht noch immer kein einziger Park vor der französischen Küste – und ist ist auch nach wie vor unklar, wann – und ob – sich das je ändern wird.

BWE: Kohlekompromiss bestätigt Erfordernis, mittel- und langfristiges Zeit- und Mengengerüst zur Erreichung der Klimaschutzziele bis 2030 gesetzlich festzuschreiben – Straffung der Genehmigungsverfahren und Beseitigung administrativer Hemmnisse unerlässlich

Nach von der DeutschenWindGuard ermittelten Zahlen bricht der Brutto-Zubau von Windenergieanlagen an Land im Gesamtjahr 2018 regelrecht ein. Mit lediglich 2.402 MW bzw. 743 Anlagen fällt der Neubau noch hinter das Niveau von 2013 zurück, obwohl die Nachfrage nach erneuerbarem Strom perspektivisch deutlich zunehmen wird. Der Zubau entspricht einem Rückgang von 55 Prozent im Vergleich zum Gesamtjahr 2017. Er liegt damit deutlich unter der von Bundesverband WindEnergie (BWE) und VDMA Power Systems zur Jahresmitte 2018 geschätzten Zahl von 3.300 MW.

Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems, kommentiert die Zahlen: „Heute ist es wichtiger denn je, schnell den Ausbau der Erneuerbaren Energien hin zum 2030-Ziel zu definieren und die Pfade anzupassen. Das Stop-and-Go muss beendet werden. Der stabil hohe Zubau der Jahre 2013 bis 2017 hat die Klimaschutzziele der Bundesregierung und die Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien in den Bundesländern gestützt. Während ein nachhaltig höherer Ausbau der Erneuerbaren Energien – begründet durch die erreichten Kostensenkungen und den nunmehr angekündigten Einstieg in den Verzicht auf die Verstromung von Braun- und Steinkohle – logisch wäre, ergibt sich stattdessen ein massiver Rückgang für die Jahre 2018 und 2019. Hierdurch wird die führende Position der deutschen Windindustrie im internationalen Wettbewerb gefährdet, und die Branche wird vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass Deutschland in Europa der größte Markt für Windenergie an Land bleibt. Es ist selbsterklärend, dass das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung mit einem Fortführen des aktuell absehbaren jährlichen Zubaus bis zum Jahr 2030 nicht erreicht werden kann.“

Folgt: Ursache für dramatischen Einbruch