Arktis-Temperaturen steigen bis neun Grad

Starker Anstieg nicht mehr zu vermeiden

Selbst wenn es der Welt gelinge, die Treibhausgasemissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu senken, so Alicia Prager auf EURACTIV.de, sei es bereits unvermeidlich, dass die Wintertemperatur in der Arktis bis 2050 um drei bis fünf Grad steige – bis 2080 sogar um fünf bis neun Grad -, warnt der neue UN-Bericht „Global Linkages – A graphic look at the changing Arctic“. Das kann laut der Studie nicht einmal mehr dann verhindert werden, wenn es gelingen sollte, die globalen Emissionen so weit zu reduzieren, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart.

Die Ergebnisse, die am 13.03.2019 im Rahmen der UN-Umweltversammlung in Nairobi präsentiert wurden, vermitteln ein klares Bild von einer der empfindlichsten Regionen der Erde – einer, die für das Schicksal des Weltklimas von entscheidender Bedeutung ist. Der arktische Permafrost wird demnach im Vergleich zu heute um weitere 45 Prozent schrumpfen – mit verheerenden Folgen: Nicht nur Zerstörung der Region und schnelles Steigen der Meeresspiegel, es droht der Welt auch an ein gefährlicher Kipppunkt: Das weitere Tauen des arktischen Permafrosts könnte einen „schlafenden Riesen“ wecken, der die Erderwärmung um ein Vielfaches beschleunigen würde. Denn die gefrorenen Böden speichern geschätzte 1,672 Milliarden Tonnen CO2. Einmal freigesetzt, würden sie zu weiterer Erwärmung führen. So könnte der Klimawandel deutlich beschleunigt werden – die Pariser Zwei-Grad-Grenze (bzw. gar 1,5 Grad) ließe sich nicht mehr einhalten, so der Bericht. Globale Klimaziele werden dann aller Voraussicht nach verfehlt.

„Was in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis“, sagte Joyce Msuya, die Leiterin des UN-Umweltprogramms. „Wir haben die Forschungsergebnisse; jetzt ist eine dringlichere Klimaschutzmaßnahmen erforderlich, um von den Kipppunkten abzuwenden, die für unseren Planeten noch schlimmer sein könnten, als wir zuerst gedacht hatten.“

Die Meere versauern

Ein weiteres Problem für die Arktis ist die Versauerung der Meere, also die Abnahme des pH-Wertes des Wassers. Grund dafür die die Aufnahme von CO2 aus der Erdatmosphäre. Seit Beginn der industriellen Revolution sind die Meere bereits um 30 Prozent saurer geworden. Kaltes Wasser kann mehr CO2 speichern, mit dem Auftauen des Eises kommt aber immer mehr CO2 dazu. Je saurer das Wasser, desto mehr Energie müssen zudem Korallen, Weichtiere und Plankton für den Bau ihrer Muscheln und Skelette aufwenden.

Ein weiteres Kapitel in dem Report widmet sich chemischen Mitteln, für welche die Arktis wie eine Senke agiert. Nur rund 1.000 von 150.000 gebräuchlichen chemischen Substanzen werden regelmäßig überwacht. Die Wissenschaftler fordern, die Überwachung dieser Verschmutzung auszuweiten, da hier wichtige Trends festgestellt werden könnten. Denn die Auswirkungen vieler neuer Chemikalien seien noch bei weitem nicht bekannt.

Positiv bewertet der Bericht die Bemühungen zur Regulierung von chemischen Schadstoffen durch Verträge wie das Stockholmer Übereinkommen. Die Zahl regulierter Chemikalien, die bei Menschen und Tieren in der Arktis festgestellt wird, geht zurück. Dies könnte allerdings auch an einer Veränderung der Nahrungsmittelaufnahme liegen, so die Wissenschaftler.

Folgt: Einleitung zu „Global Linkages – A graphic look at the changing Arctic“