BMWi mit peinlicher Treibhausgas-Bilanz

“Drei Wirtschaftszweige sorgen für Rückgang” – und die anderen? “Unterdurchschnittlich”

Die deutschen Treibhausgas-Emissionen seien ersten Schätzungen zufolge “auch 2018” gesunken, berichtet das BMWi in einer Medienmitteilung. “Somit” seien sie 2018 knapp 31 Prozent geringer als noch 1990 gewesen. Die Belastungen durch den Verkehr um 1 % zurück. Welchen Anteil haben die Sektoren am Rückgang und welche Ziele verfolgen Deutschland und die EU für die weitere Reduktion?

Laut einer ersten Schätzung des Umweltbundesamtes (UBA) hat Deutschland seine jährlichen Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2018 insgesamt um rund 31 Prozent gegenüber 1990 reduziert. Maßgeblichen Anteil daran hatte der überdurchschnittliche Rückgang bei den Treibhausgas-Emissionen von Gebäuden (minus 44 Prozent), der Energiewirtschaft (minus 33 Prozent) und der Industrie (minus 31 Prozent). Unterdurchschnittlich gingen die Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft (minus 22 Prozent) und vor allem im Verkehrssektor (minus 1 Prozent) zurück. Insgesamt wurden 2018 rund 866 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente freigesetzt. Das sind 385 Millionen Tonnen weniger als noch 1990. CO2-Äquivalente (CO2-Äq.) sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der sieben unterschiedlichen Treibhausgase (neben CO2 gibt es sechs weitere, wie das UBA hier erklärt).

Gebäude, Energiewirtschaft und Industrie sorgen für Rückgang

Der Großteil des absoluten Rückgangs in Höhe von 385 Millionen Tonnen geht auf das Konto der Energiewirtschaft, die 155 Millionen Tonnen weniger emittiert als noch 1990. Dies entspricht rund 40 Prozent der gesamten absoluten Reduktionsleistung Deutschlands. Der Gebäudebereich emittiert 93 Millionen Tonnen weniger (rund 24 Prozent) und die Industrie 88 Millionen Tonnen (rund 23 Prozent). Im Falle Deutschlands ist grundsätzlich zu beachten, dass im Vergleichsjahr 1990 noch emissionsintensive Kraftwerke und Industriebetriebe in der ehemaligen DDR berücksichtigt wurden.

Ziel bis 2050: weitgehende Treibhausgas-Neutralität

In ihrem Energiekonzept aus dem Jahr 2010 hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, die Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken (bis 2040 um mindestens 70 Prozent; bis 2050 um mindestens 80 bis 95 Prozent). Um dieses Ziel realisieren zu können, müssen die jährlichen Emissionen bis dahin noch einmal um 304 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente sinken.

Bis Ende 2019 will die Bundesregierung beschließen, mit welchen Maßnahmen das Reduktionsziel für das Jahr 2030 erreicht werden soll. In einem eigens gegründeten Kabinettsausschuss “Klimaschutz” beraten regelmäßig die verantwortlichen Ressortchefs von fünf Bundesministerien gemeinsam mit der Bundeskanzlerin und dem Bundesfinanzminister über die Fortschritte und die Maßnahmenplanung. Im April und Mai 2019 fanden die ersten Treffen statt.

EU-weit rund 22 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen als 1990

Die beschlossenen Maßnahmen werden außerdem Teil des finalen Nationalen Energie- und Klimaschutzplans (NECP) sein, den die Bundesrepublik wie alle EU-Mitgliedstaaten bis Ende des Jahres der Europäischen Kommission vorlegen muss. Mit den NECP überprüft die EU-Kommission unter anderem, ob die nationalen Maßnahmen der einzelnen Mitgliedsstaaten mit den europäischen Klimaschutzzielen vereinbar sind.

Und die sehen so aus: EU-weit sollen die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken, 2050 sollen es nach derzeitigem Stand 80 bis 95 Prozent sein. 2017 emittierten alle EU-Länder zusammen rund 22 Prozent weniger als noch 1990. Für 2018 gab das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) bereits erste Schätzungen über die CO2-Emissionen bekannt, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen. Demnach wurden EU-weit 2,5 Prozent weniger CO2 ausgestoßen als im Vorjahr.

Solarify weist darauf hin, dass vollmundig (manch anderem EU-Land zum Ärgernis) bis vor kurzem 40% Verringerung vorausgesagt waren. Doch die Regierung hat vor dem unseligen Pakt von Dreckstromern und Gewerkschaften (“bitte nicht schon wieder Arbeitsplätze gegen Klimaschutz ausspielen!”) gekniffen. Und das, obwohl knapp 20.000 Kohle-Arbeitsplätzen etwa 240.000 in den Erneuerbaren gegenüberstehen. Und nicht vergessen: Wenn man die Emissionen der zusammengebrochenen DDR-Industrie herausrechnet, wird der Sprung unter der Latte durch noch peinlicher. Oder: Ohne die DDR-Emissionen hätte unser Verkehr sogar zugelegt. Macht aber nichts: Wir vergessen das verfehlte Ziel, setzen uns in zehn Jahren ein noch ehrgeizigeres; und wenn wir das auch verfehlen… usw., usw….