Bilanzkreisausgleich entscheidend für Versorgungssicherheit

Bundesnetzagentur mit Maßnahmenpaket zur Stärkung der Bilanzkreistreue

Die Bundesnetzagentur will die Berechnungsmethode zur Bildung des Ausgleichsenergiepreises durch Verschärfung bestehender Pönalen anpassen. Der Ausgleichsenergiepreis entfällt auf jene Strommenge, um die Strombeschaffung und –verbrauch eines Bilanzkreises voneinander abweichen. Zugleich werden die Übertragungsnetzbetreiber aufgefordert, einen Reformvorschlag zur Berechnung des Ausgleichsenergiepreises zur Genehmigung bei der Bundesnetzagentur vorzulegen. Dieser Preis soll durch eine Kopplung an einen geeigneten Börsenpreisindex Anreize zur Ausnutzung von Preisunterschieden beseitigen. Des Weiteren sollen die Marktteilnehmer zu einem früheren verbindlichen Ausgleich ihrer Bilanzkreise verpflichtet werden, um systemgefährdende Leerverkäufe kurz vor der physischen Erfüllung zu verhindern. Schließlich soll eine schnellere Ursachenermittlung durch eine beschleunigte Übermittlung bestimmter Messwerte an die Übertragungsnetzbetreiber ermöglicht werden.

Strommast und Umspannwerk Wiesbaden – Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

Verpflichtung zur Bilanztreue

Die Bundesnetzagentur nimmt die Vorfälle im Juni*) zum Anlass, alle Marktakteure zur sorgfältigen Einhaltung ihrer gesetzlichen Pflichten aufzufordern. Jedes einzelne Unternehmen, das als Stromversorger oder -händler zum bilanziellen Ausgleich seiner Strommengen verantwortlich ist, ist verpflichtet, sich zu jedem Zeitpunkt bilanztreu zu verhalten. Bei pflichtwidrigem Verhalten eines Bilanzkreisverantwortlichen sind die Übertragungsnetzbetreiber gehalten, vertragliche Sanktionen zu ergreifen. Dies kann im äußersten Fall die Kündigung des Bilanzkreisvertrages beinhalten. Ergänzend dazu behält sich die Bundesnetzagentur vor, bei Verdacht auf bewusste Manipulation von Energieprognosen oder verbotene Arbitragegeschäfte auf den Ausgleichsenergiepreis Aufsichtsmaßnahmen einzuleiten.

*) Im Juni dieses Jahres trat an drei Tagen ein erhebliches Ungleichgewicht im deutschen Stromsystem auf. Nur durch die verantwortungsvolle Zusammenarbeit der deutschen Übertragungsnetzbetreiber untereinander und die gute Unterstützung durch ihre europäischen Partner konnte das System stabil gehalten werden.

BEE: EE-Vermarkter tragen bereits heute erheblich zur Versorgungssicherheit bei

Der BEE begrüßte laut einer Medienmitteilung den Vorstoß der Bundesnetzagentur, die Bilanzkreistreue zu stärken. „Es ist wichtig, dass es starke Anreize zur Gewährleistung der Bilanzkreistreue für die Marktteilnehmer gibt. Bei der Vermarktung von Erneuerbaren Energien nehmen die Akteure der Branche dieses Thema sehr ernst und tragen so bereits heute in erheblichem Umfang zur Versorgungssicherheit bei“, sagt Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE).

Die Prognose der Einspeisung und die Flexibilität bei der Bewirtschaftung eines auf Erneuerbaren Energien basierenden Vermarktungsportfolios funktioniere bereits gut. Seit Jahren werde zudem erfolgreich immer mehr Regelenergie bereitgestellt, was zum Ausgleich von Marktgeschehen und Physik beiträgt. Die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren Energien nehme dabei ebenso zu wie die der zunehmend kostengünstig verfügbaren Speicher – sofern Rahmenbedingungen derart ausgestaltet sind, dass sie zu einem auf Erneuerbaren Energien basierenden System passen.

Der BEE begrüßt deshalb, dass die Bundesnetzagentur mit geeigneten stringenten Instrumenten die Regeln bei der Bilanzkreisbewirtschaftung stärken will. Aus Sicht des BEE darf es nicht sein, dass Marktteilnehmer sich zu Lasten der Allgemeinheit verhalten. „Technologisch ist das deutsche Energieversorgungssystem sehr gut ausgestattet und gewährleistet die Versorgungssicherheit. Keinesfalls dürfen falsche Anreize zu Marktfehlfunktionen und daraus resultierend zu kritischen Situationen in der Stromversorgung führen.“

Über die Stärkung der Bilanzkreistreue hinaus sei es wichtig, den Umbau der Systemdienstleistungsmärkte, wie zum Beispiel der Regelenergie, nicht zu vernachlässigen. Peter: „Ein modernes Marktdesign richtet sich an den Eigenschaften von Erneuerbaren Energien aus, die heute in den Strommärkten die systembestimmende Größe darstellen.”

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