Richtfest am CEC

“Werkzeugkoffer für die Energiewende”

Das Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (CEC) in Mülheim an der Ruhr wird um vier neue Gebäude mit einer Nutzfläche von zusammen 4.500 m2 erweitert. Dafür haben vor rund zwei Jahren umfangreiche Neu- und Umbauarbeiten begonnen. Am 14.08.2019 fand das Richtfest für den zweiten Bauabschnitt am Mühlheimer Kahlenberg statt.

Der Rohbau des zukünftigen Bürogebäudes und für die Chemielabore, die voraussichtlich Ende nächsten Jahres in Betrieb genommen werden, ist jetzt fertiggestellt. Begrüßt wurden die rund 100 geladenen Gäste von CEC-Direktor Robert Schlögl, Angelika Malinowski, Abteilung für Forschungsbau der Max-Planck-Gesellschaft, dem Architekten Magnus Nickl, dem Mülheimer Oberbürgermeister Ulrich Scholten und Beate Wieland, Leiterin der Forschungsabteilung im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wieland überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung zum sichtbaren Fortschritt der Baumaßnahmen. Für Neubau, Umbau, Sanierung und Grundstücke stellt das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 45 Millionen Euro zur Verfügung, wie Wieland in ihrem Grußwort unterstrich. Das MPI CEC werde zur Stärkung des Forschungs- und Innovationsstandortes Mülheim beitragen, zeigte sie sich sicher. Wieland betonte, Nordrhein-Westfalen wolle “seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Energiewende leisten, dazu sind die Erkenntnisse des CEC nötig.”

CEC-Gründungsdirektor Prof. Robert Schlögl freute sich “sehr, dass wir heute das Ergebnis einer Entwicklung feiern können, die vor fast einem Jahrzehnt begonnen hat. Damals hatte die Max-Planck-Gesellschaft entschieden, dass Forschung zum Thema Energiewende so wichtig ist, dass es dazu ein eigenes Institut geben sollte“. Darin gehe es um die Frage, wie man aus Sonnen- und Windenergie gewonnene Elektronen “dauerhaft aufheben” könne, um sie in neue Energieformen zu verwandeln, und damit von den alten Energieträgern loszukommen. „Wir können nun bald vier neue Gebäude in Betrieb nehmen, die uns helfen werden, die chemische Energiekonversion in verschiedenen Formen in die Tat umzusetzen und die zugrunde liegenden Prozesse zu verstehen.” Dabei gebe es viele Ideen, die Frage sei, wie viele ließen sich umsetzen – “und skalieren: Das sei die Aufgabe des Instituts, neue Molekülkonstellationen zu verstehen und ihr Potenzial zu erschließen”. Wenn man nämlich heute von der chemischen Industrie verlange: “Bitte macht das hundertmal so groß und zehnmal billiger”, könnte das ein Problem werden. “Wir können nicht die Energiewendeprobleme lösen, sondern liefern sozusagen den ‚Werkzeugkoffer‘, den andere – wie z.B. die Industrie – dann nutzen können, um die Energiewende anzugehen”. Schlögl lobte die ausführenden Planer und Unternehmen: “Es gibt gute und weniger gute Baustellen, diese war eine der besseren. Ein Baumensch braucht einen Werkzeugkasten, aber auch einen Plan”. Da konnte (und wollte) Schlögl den Vergleich mit der Energiewende nicht vermeiden, die sei nicht besonders planvoll angegangen worden.

Mülheims Oberbürgermeister Scholten wies darauf hin, dass die wissenschaftlichen Institute schon seit mehr als 100 Jahren eng mit Mülheim verbunden seien, “seit damals der Industrielle Hugo Stinnes die Initiative ergriffen hat – er wollte die Kohleverstromung wissenschaftlich untersuchen lassen.” Daher sei das Institut für Kohlenforschung als erstes wissenschaftliches Institut des Ruhrgebiets in Mülheim gegründet worden. Ein langer Weg sei zu gehen gewesen, seit 2012 mit den Vorprüfungen für das Bauverfahren  begonnen worden sei, “bis zum ersten Spatenstich  vor zwei Jahren und dem heutigen Richtfest”.

CEC-Richtfest-Sprecher: Anthony Kealey (Polier), Robert Schlögl (CEC), Ulrich Scholten (OB), Magnus Nickl (Architekt), Beate Wieland (MKW NRW), Angelika Malinowski (MPG) – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify.JPG

Das Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (MPI CEC) in Mülheim an der Ruhr beschäftigt sich mit grundlegenden chemischen Prozessen, die bei der Speicherung und Umwandlung von Energie eine Rolle spielen. Das Ziel besteht darin, Sonnenlicht in kleinen, energiereichen Molekülen zu speichern und Energie so orts- und zeitunabhängig nutzbar zu machen. In den drei Abteilungen Heterogene Reaktionen, Anorganische Spektroskopie und Molekulare Katalyse arbeiten mehr als 130 Wissenschaftler aus mehr als 20 Ländern, und tragen mit ihrem Expertenwissen zur Vorbereitung einer nachhaltigen Energiewende bei. Die Neuausrichtung auf diesen Forschungsschwerpunkt im Jahr 2012 ging mit Plänen zur Erweiterung der Forschung sowie der personellen und räumlichen Vergrößerung einher. Ein Jahr später wurde dafür ein Architektenwettbewerb ausgelobt und im Jahr 2017 begannen schließlich die umfangreichen Neu- und Erweiterungsbauarbeiten. Langfristig soll die Mitarbeiterzahl des MPI CEC von 250 auf rund 400 aufgestockt werden und eine weitere Abteilung hinzukommen. In Betrieb genommen werden die neuen Labore und Büros voraussichtlich Ende nächsten Jahres.

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