Fracking contra Klimaschutz?

 Massive Zunahme von Methan

Das Fracking zur Gas- und Ölförderung dürfte erheblich zum Methan-Anstieg in der Atmosphäre in den vergangenen Jahren beigetragen haben. Dies folgert der amerikanische Wissenschaftler Robert Howarth von der Cornell University in Ithaca (New York, USA) nach der Analyse vorhandener Forschungsdaten. In früheren Studien sei das klima­schädliche Gas, das beim Fracking in die Luft entweicht, nicht einzeln ausgewiesen oder falsch zugeordnet worden, so Howarth in der Fachzeitschrift Biogeosciences – siehe Energie-Perspektiven des ipp.mpg 1/2013.

Der Methan-Gehalt der Atmosphäre nahm in den letzten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu und stabilisierte sich Anfang des 21. Jahr­hunderts. Zwischen 2008 und 2014 kam es dann zu einem erneuten Anstieg. „Diese jüngste Zunahme von Methan ist massiv“, so Howarth: „Sie hat zum Anstieg der globalen Erwärmung beigetragen, die wir beobachten, und Schiefergas spielt eine wichtige Rolle.“

Beim Fracking wird mit Hilfe von hohem Druck und teilweise von Chemikalien Öl und Gas gefördert, das in Tiefengestein gebunden ist. Schiefergas ist in Tonsteinen enthaltenes Erdgas. Es unterscheidet sich von anderem Erdgas durch den unterschiedlichen Anteil des Kohlenstoffisotops C-13 im Verhältnis zum viel häufigeren C-12. Bei herkömmlichem Erdgas verschwindet ein Teil der C-12-lsotope durch chemische Reaktionen, deshalb ist der Anteil von C-13 erhöht. Solche Reaktionen sind bei Schiefergas sehr gering, weshalb der C-13-Anteil geringer ist als beim üblichen Erdgas.

Dieses unterschiedliche Isotopenverhältnis nimmt Howarth als Beleg dafür, dass Fracking für den jüngsten Anstieg des Methans in der Atmosphäre verantwortlich ist. Denn zeitgleich mit dem Anstieg sank der Anteil des Kohlenstoffisotops C-13 im Methan. Aus bereits veröffentlichten Messreihen und vorhandenen Erkenntnissen über die Entstehung von Methan beim Fracking errechnete Howarth: Das Fracking in Nordamerika ist seit 2007 für mehr als die Hälfte der weltweit gestiegenen Methan-Emissionen aus fossilen Brennstoffen verantwortlich. Das Isotopenverhältnis von Schiefergas gleicht dem von Methan aus biogenen Quellen, etwa tropischen Feuchtgebieten, Reisanbau oder Tierhaltung. Deshalb sei das in der Atmosphäre gemessene Methan aus Schiefergas bisher teilweise falsch zugeordnet worden.

Anders als beim Kohlendioxid reagiere die Atmosphäre schnell auf Änderungen der Methanemissionen, so Howarth: ,,Die Reduzierung von Methan kann ein schneller Weg sein, die globale Erwärmung zu verlangsamen und das Ziel der Vereinten Nationen zu erreichen, den Planeten deutlich unter einem durchschnittlichen Anstieg von zwei Grad Celsius zu halten.“

„Ich kann bestätigen, dass es sich um eine hervorragende, sehr seriöse und treffende Studie handelt, die alle aktuellen früheren Arbeiten berücksichtigt und erweitert“, sagt Ralf Sussmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Howarths Darlegung, dass Schiefergas eine wichtige Rolle beim Anstieg der Methanemissionen spiele, sei viel plausibler als die 2016 im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Hypothese, der Anstieg sei vor allem auf biogene Quellen zurückzu­führen. Sussmann ist mit Kollegen bereits 2016 zum Schluss gekommen, dass der Methananstieg ab 2007 zu mindestens zu 40 Prozent aus der Öl- und Gasförderung komme.

Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg meint ebenfalls, dass Howarths Argumentation ernst zu nehmen sei, aber: „Von einer gesicherten Erkenntnis sind wir noch weit entfernt.“ Es gelte nun, Howarths Indizienkette durch konkrete Messungen zu überprüfen. Die technischen Standards bei Bohrungen seien in den USA teilweise erheblich niedriger als die Anforderungen an solche Bohrungen in Europa, betont Borchardt. In Deutschland gibt es keine kommerziellen Fracking-Bohrungen zur Gewinnung von Erdgas. (Stefan Parsch © Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, Garching und Greifswald)

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