“Der Kaukasus ohne Mütze” – die Gletscher schmelzen

Warum das Eis in den Bergen schmilzt und was dadurch geschehen kann

Infolge der Klimaerwärmung ist die Fläche der Kaukasus-Gletscher zwischen 1986 und 2014 um etwa 16% zurückgegangen, so ein internationales Forschungsteam mit Levan Tielidze von der Staatsuniversität Tbilissi und Stanislav Kutuzov, Geograph der HSE-Universität Moskau. Gletscher, die nicht mit Gesteinsschutt bedeckt sind, haben demnach stärker abgenommen als bedeckte und damit eher geschützte Gletscher. Die von den Kaukasus-Gletschern bedeckte Fläche nimmt jährlich um etwa 0,5% ab – ein auffälliger Verlust, wie die Forscher im Fachmagazin The Cryosphere berichten.

Schneebedeckter Kaukasus, NASA-Satellitenbild vom 7. November 2001 – Foto © NASA, public domain

Im Lauf von gut drei Jahrzehnten ist die Fläche von 692 km2 auf 590 km2 zurückgegangen, wie die Studie über 659 Gletscher des Großkaukasus zeigt. Für die Untersuchung wurden Satellitenbilder von 1986, 2000 und 2014 verwendet (Landsat- und SPOT-Satellitensysteme). Es ist wichtig zu verstehen, “ob die Gletscher ‘schmutziger’ werden, was bedeutet, dass sich auf ihrer Oberfläche mehr Gestein ansammelt”, sagte Mitautor Kutusov.

Wenn die Gletscher nämlich einerseits schmutziger und dunkler werden, beginnen sie schneller zu schmelzen, obwohl eine beträchtliche Menge an Gesteinsschutt als Abdeckung dient, welche die Gletscher auch schützt. Einige der Gletscher auf der Halbinsel Kamtschatka schmelzen nämlich trotz Klimawandels nicht, da sie mit vulkanischem Gestein bedeckt sind. Der Gletscher ist wie in einem Kühlschrank versiegelt und beginnt sogar, sich nach unten zu bewegen”, erklärte der Glaziologe.

Bewegtes Eis: Felsstürze drohen

Die Menschen müssen verstehen, was mit den Gletschern geschieht, um Veränderungen im Wasserhaushalt der Gebiete vorhersehen zu können. Dies ist besonders relevant für Regionen, in denen schmelzende Gletscher Quellen für Süßwasser sind. “Im Kaukasus beeinträchtigen schmelzende Gletscher die Wasserversorgung nicht so stark wie beispielsweise in den tropischen Anden oder in Zentralasien, wo geschmolzenes Gletscherwasser eine wichtige Ressource ist”, erklärte der Forscher. “Hier haben Regen- und Schneefälle einen größeren Einfluss auf den Wasserfluss, aber natürlich verändert sich der Wasserhaushalt, und die Hochwasserminima und -maxima verschieben sich.” Außerdem könnten schmelzende Gletscher gefährliche Naturphänomene hervorrufen. Der Rückzug der Gletscher und der abnehmende Permafrost führen zu Hanginstabilitäten, sagte Kutusow. Das verstärke das Risiko von Felsstürzen und Erdrutschen.

Zerstörerische Schlammströme

Gletscherströme können schließlich auch zu Seen und Schlammströmen führen. Berstende Seen bedeuten einen spontanen Wasserausbruch durch Auswaschung des Moränenrückens. Am häufigsten geschieht das bei proglazialen Seen. Sie entstehen in proglazialen Tälern, wo Moränenrücken den Wasserabfluss behindern. Und wenn der Moränenrücken z.B. durch einen Felssturz, die Abspaltung eines großen Gletscherteils oder intensive Regenfälle zerstört wird, rauscht das Wasser nach unten. Auf diese Weise entstehen Schlammströme, die talabwärts Zerstörungen verursachen können. Kutusow sagte, das geschehe auch im Kaukasus. Zum Beispiel starben bei einem Ausbruch des Baschkara-Proglazialsees im September 2017 drei Menschen, und fast 8.000 wurden in der Elbrus-Region vom Rest der Welt abgeschnitten.

Nicht nur die Polarregionen verlieren durch den Klimawandel immer mehr Eis, auch die Gletscher der Hochgebirge tauen. Im Himalaya hat sich der Eisverlust gegenüber dem Zeitraum von 1975 bis 2000 verdoppelt, im Tien Shan sogar verdreifacht. In den Alpen schmelzen die Berggletscher sogar fast doppelt so schnell wie im weltweiten Gebirgs-Durchschnitt, sie könnten bis zum Jahr 2100 ihr komplettes Eis verlieren. Selbst an den höchsten Gipfeln wie dem Montblanc ist der Gletscherschwund erschreckend deutlich sichtbar.

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