“Bundesregierung verkennt Potenzial der CSP-Solarthermie”

Deutscher Industrieverband Concentrated Solar Power (DCSP) bietet Regierung Kooperation an

Der Deutsche Industrieverband Concentrated Solar Power (DCSP) bedauerte in einem Brief an die Mitglieder des Klimakabinetts, dass die CSP-Technologie bisher in den Planungen der Bundesregierung und der Regulierung kaum eine Rolle gespielt habe. Der Vorstandsvorsitzende Joachim Kru?ger bot laut Zeitung für kommunale Wirtschaft der Bundesregierung eine Kooperation für grüne Wärme und grünen Wasserstoff an. Das Potenzial sowohl für die Wärmewende aber auch für die Produktion von grünem Wasserstoff sei enorm groß.

Der Deutsche CSP unterstütze die Bemühungen der Bundesregierung, “die Energie- und Wärmewende mit den Programmen zur Ankurbelung der Konjunktur nach der Corona-Krise zusammenzuführen, mit Freude und mit Nachdruck,” heißt es wörtlich in dem Schreiben, das auf der Webseite des CSP veröffentlicht wurde. Gleichzeitig sieht Krüger ein, dass sich die “Politik sich in der schwierigen Situation” befinde, “zwei Großkrisen gleichzeitig bewältigen zu müssen”. Allerdings schaffe das auch “die Chance, durch weitsichtige Entscheidungen die Weichen für die klimafreundliche Zukunft des Industriestandortes Deutschland zu stellen. Hierbei kann die solarthermische Technologie eine wichtige Rolle spielen. Ihre ausgereifte Technologie steht auch in Europa und in Deutschland zur Verfügung – für die Erzeugung von grünem Strom, grüner Wärme und grünem Wasserstoff.”

Für die Dekarbonisierung von Elektrizität, Wärme- und industrieller Prozesswärme sowie der Wasserstoffproduktion trage CSP herausragend bei, heißt es in dem Brief weiter. Einer der großen Vorteile von CSP sei die Speicherfähigkeit. Denn CSP-Solarkollektoren konzentrierten die Sonnenstrahlen mit hohen Temperaturen und erlaubten so eine effektive Speicherung der Wärme. Deshalb solle CSP “bei der Sektorenintegration eine wichtige Rolle spielen. Die Solarthermie kann die Systemkosten eines Vollsystems erneuerbarer Energien senken, indem sie ihre gespeicherte Energie auch dann zur Verfügung stellt, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Ein Back-Up durch fossile Energien entfällt.”

Bisher wenig bekannt sei, dass die CSP-Technologie auch für die Wärmewende in Deutschland einen wesentlichen Beitrag leisten können. Als Industrieland habe Deutschland einen enorm hohen Bedarf an industrieller Prozesswärme. Die Industrie habe einen Anteil von 29% am Endenergieverbrauch, der überwiegende Anteil (73%) in Form von Wärme. Das bedeute: Der Verbrauch an Energie für Prozesswärme in der Industrie entspreche in etwa “dem gesamten deutschen Stromverbrauch. Das meiste davon wird noch mit fossilen Energieträgern erzeugt.”

Deshalb habe die Erzeugung von Prozesswärme durch CSP hat gegenwärtig das größte Potenzial zur Vermeidung von CO2 im Rahmen der Wärmewende. Der Bereitstellung von solarer Wärme für Nah- und Fernwärmenetze kommt in Mitteleuropa immer mehr Bedeutung zu. Auch der größte Teil der deutschen Nah- und Fernwärme stammt immer noch aus fossiler Erzeugung. Krügers Brief: “CSP-Solarthermie kann auch hier einen wertvollen Beitrag zum Umstieg auf Erneuerbare liefern.”

Die Möglichkeiten zur Speicherung der Sonnenenergie sind für einen hohen Deckungsgrad und für eine saisonal ausgeglichenere Versorgung mit Wärme besonders geeignet. Dabei benötigt die Solarthermie nur ein Zehntel der Fläche, die die Bio-Energie benötigen würde, die als einzige thermische Alternative zur regenerativen Wärmeerzeugung infrage käme. Gegebenenfalls können Solarthermie und Biomasse miteinander gekoppelt werden. Die Solarthermie hat weiterhin den Vorzug, dass sie auf begrünten Flächen installiert werden kann, die so dem Naturschutz und der Artenvielfalt dienen. Auch zur erfolgreichen Umsetzung der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung kann die solarthermische Energieerzeugung beitragen. Wasserstoff gilt als das Schlüsselelement einer klimaschonenden Industriegesellschaft.

In den sonnenreichen Ländern der Welt liefern solarthermische Kraftwerke seit vielen Jahren zuverlässig Strom. Diese Länder seien auch wegen der geringen Gestehungskosten für Solarenergie und der vorhandenen Landflächen sehr gut geeignet für Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Die Mitgliedsunternehmen des DCSP hätten etwa in Marokko einen Anteil von bis zu 40 % an den technischen Zulieferungen für die dortigen CSP- Großkraftwerke. Werde Wasserstoff anstelle von fossilen Energieträgern mittels Elektrolysetechnologien erzeugt, könnten die CO2-Emissionen drastisch gesenkt werden. Eine Voraussetzung hierfür sei allerdings die Nutzung von CO2– armer Elektrizität aus erneuerbaren Quellen.

“In Kombination mit der Technologieführerschaft deutscher Unternehmen im Bereich der Wasserstoffproduktion kann hier durch den Beitrag der Solarthermie eine modellhafte Verbindung von industrieller Kompetenz und umweltrelevanter Innovation entstehen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Demonstrationsvorhaben und Pilotprojekte für die technologische Entwicklung als auch die Entwicklung einer unternehmerischen und logistischen Infrastruktur sehr wichtig.”

Die Mitglieder der Deutschen CSP stünden zur Verfügung, um diese Aspekte gemeinsam mit der Politik in bilateralen Gesprächen mit Partnerländern zu vertiefen. Nach unserer Auffassung haben Marokko, Chile und Australien sehr gute Voraussetzungen für derartige Partnerschaften, aber auch Südeuropa und hier besonders Italien und Spanien bieten sehr gute Voraussetzungen. Dies könnte auch der Ankurbelung der Wirtschaft nach der Corona-Krise und als Element des europäischen Green Deal gesehen werden.

Für die Energiewende, die Wärmewende und die grundlegenden Veränderungen im Rahmen des Green Deals der EU hat die CSP-Technologie viel zu bieten. Wir hoffen sehr, dass die CSP-Technologie, die in Deutschland bisher kaum zum Einsatz gekommen ist, in dieser Neuausrichtung seinen sinnvollen und 2 angemessenen Platz bekommt – auch um die Nachteile der fluktuierenden PV- und Windtechnologie auszugleichen.

Krüger verweist darauf, dass allein der Anteil der Prozesswärme für die Industrie einen Anteil von 29 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch des Landes habe. “Der Verbrauch an Energie für Prozesswärme in der Industrie entspricht in etwa dem gesamten deutschen Stromverbrauch. Das allermeiste davon wird immer noch mit fossilen Energieträgern produziert”, so Krüger. Hier bestehe ein enormer Handlungsdruck, aber auch gleichzeitig ein enormes Potenzial zur Reduzierung von klimaschädlichen Gasen.

Ungenutzte Potenziale

“Die Erzeugung von Prozesswärme durch solarthermische Technologie hat gegenwärtig das größte Potenzial zur Vermeidung von CO2 im Rahmen der Energiewende”, so Krüger. Das Potenzial der Solarthermie “ist weit unterschätzt”.

Die CSP-Technologie sei bisher nicht Bestandteil der deutschen Energieplanung gewesen. Traditionell sehe die deutsche Politik den Einsatz von konzentrierender Solarthermie in erster Linie in den sonnenreichen Ländern, wo in den zurückliegenden Jahren weltweit große Solarkraftwerke für die Stromproduktion entstanden sind. Solarthermische Anlagen könnten aber auch hierzulande eine wichtige Stütze der Energiewende sein, sagt Krüger.

Vorbild Dänemark

Durch technische Innovation und massiv gesunkene Preise könne CSP-Solarthermie auch in Mitteleuropa konkurrenzfähig Wärme liefern. Ein breites Einsatzfeld bietet sich laut Krüger etwa im Bereich der Nah- und Fernwärme an. Hier sieht der Verbandschef das Nachbarland Dänemark als Vorbild: “Die Dänen haben nicht mehr Sonne als wir, machen uns aber in Sachen solarer Nah- und Fernwärme etwas vor.” (amo)

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