Bisher stärkste Belege dafür, dass Luftverschmutzung tötet

Trump-Regierung fährt gleichzeitig Luftreinhaltungsvorschriften zurück

Als 2018 das kalifornische Großfeuer wütete, verdunkelten Ruß und andere Verschmutzungen den Himmel bis nach San Francisco. Die Feinstaubkonzentrationen stiegen weit über 12 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3), was sie in den “ungesunden” Bereich der amerikanischen Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) rückte. Und an einigen Orten stiegen sie sogar auf Hunderte von µg/m3, schreibt Susan Cosier am 29.07.2020 in Scientific American.

Zu diesem Gemisch gehörten Partikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern oder kleiner, bekannt als PM2,5 (siehe: solarify.eu/partikelgroesse-pm25), die auch aus Auspuffrohren und Schornsteinen austreten, wenn Autos Benzin oder Diesel und Kraftwerke Kohle verbrennen. Aufgrund ihrer winzigen Größe gelangen sie tief in die Lungen und verursachen kurzfristige Atemprobleme. Tausende früherer Studien zeigen, dass solche Partikel langfristig Asthma verschlimmern und zu Herz-Kreislauf-Problemen, niedrigem Geburtsgewicht und anderen Problemen beitragen können.

Es besteht breiter medizinischer Konsens über diesen Zusammenhang, aber einige Mitglieder eines EPA-Ausschusses (der durch einen von der Trump-Regierung ernannten Beauftragten zusammen mit Beratern der Öl- und Gasindustrie eingesetzt worden war) behaupten, die Studien hätten keine direkte Kausalverbindung belegt. Die Biostatistikerin der Harvard-Universität , Prof. Francesca Dominici (“Die Kosten der Trump-Umweltagenda können zu 80.000 zusätzlichen Todesfällen pro Dekade führen“), und ihre Kollegen widersprechen in einer am 17. 07.2020 in Science Advances veröffentlichten Studie solchen Behauptungen klar und deutlich. Im Gegenteil, sagen sie, ihre Untersuchung zeige den bisher umfassendsten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und vorzeitigen Todesfällen.

Ausschnitte aus der Untersuchung

Viele Untersuchungen stellen einen Zusammenhang zwischen der langfristigen Belastung durch Feinpartikel (PM2,5) und der Mortalität her, selbst bei Werten unterhalb der aktuellen US-Luftqualitätsnormen (12 µg/m3). Diese Ergebnisse wurden mit der Behauptung bestritten, dass die Verwendung traditioneller statistischer Ansätze keine Kausalität garantiere. Auf der Grundlage von Daten aus 16 Jahren – 68,5 Millionen im Gesundheitswesen eingeschriebene Medicare-Patienten – liefern wir starke Belege für den kausalen Zusammenhang zwischen langfristiger PM2,5-Exposition und Mortalität unter einer Reihe von Annahmen zur kausalen Inferenz. Unter Verwendung von fünf verschiedenen Ansätzen fanden wir heraus, dass eine Abnahme der PM2,5-Belastung (um 10 µg/m3) zu einer statistisch signifikanten Abnahme des Mortalitätsrisikos um 6 bis 7% führt. Basierend auf diesen Modellen würde eine Senkung der Luftqualitätsnorm auf 10 µg/m3 in einem Jahrzehnt 143.257 Leben retten (95% Konfidenzintervall, 115.581 bis 170.645). Unsere Studie liefert den bisher umfassendsten Beweis für den Zusammenhang zwischen langfristiger PM2,5-Exposition und Mortalität, selbst bei Werten unterhalb der gegenwärtigen Standards.

Der Clean Air Act verpflichtet die US-Umweltschutzbehörde (EPA) zur Festlegung nationaler Luftqualitätsstandards (National Ambient Air Quality Standards, NAAQS). 1971 legte die EPA die ersten NAAQS fest, um die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Die NAAQS werden regelmäßig auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse überprüft/revidiert, was zu einer stetigen Abnahme der Feinpartikelkonzentrationen (PM2,5; Partikel mit Durchmesser, ?2.5 ?m) führt. Der Zusammenhang zwischen der langfristigen Exposition gegenüber PM2,5 und der Mortalität ist gut dokumentiert. Jüngste Forschungsarbeiten haben Effektschätzungen bei Personen untersucht, die PM2,5-Konzentrationen unterhalb der aktuellen NAAQS-Konzentration ausgesetzt sind. Diese Studien ergaben, dass eine Exposition gegenüber PM2,5 unterhalb der US-Norm mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden ist.

->Folgt: Zweifel der EPA