COVID19 hat Klimawandel nicht aufgehalten

WMO et al.: Pandemie hält Krise kaum auf

Die Corona-Pandemie hat den Klimawandel einem Bericht mehrerer UN-Organisationen (u.a. WMO) zufolge nicht entscheidend gebremst. Zwar seien die weltweiten CO2-Emissionen im April angesichts der Corona-Beschränkungen um rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, hieß es in einem am 09.09.2020 in New York veröffentlichten Bericht United in Science 2020. Schon Anfang Juni hätten die täglichen CO2-Emissionen aber nur noch rund fünf Prozent unter denen von 2019 gelegen. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Autoren des Berichts eine Minderung von lediglich vier bis sieben Prozent gegenüber den Vorjahreswerten.

Pandemie hält Klimawandel nicht auf – Bildmontage © Solarify

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist unterdessen laut Bericht weiter gestiegen – und die leichte Minderung der Emissionen in diesem Jahr werde daran nur wenig ändern. „Während viele Aspekte unserer Leben 2020 durcheinandergebracht wurden, ist der Klimawandel unvermindert weitergegangen, wie dieser Bericht zeigt“, sagte Petteri Taalas, Chef der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), einer Sonderorganisation der UN.

Die Jahre 2016 bis 2020 würden wahrscheinlich zur wärmsten Fünfjahresperiode seit Beginn der Aufzeichnungen – mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 1,1 ° C über dem der Zeit zwischen 1850 und 1900 und 0,24 ° C über dem der Jahre 2011 bis 2015.

2020 sei bislang ein „so nie da gewesenes Jahr für die Menschen und den Planeten“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. „Die Coronavirus-Pandemie hat Leben auf der ganzen Welt durcheinandergebracht. Gleichzeitig ist die Erwärmung unseres Planeten und die Klimakrise schnell vorangeschritten.“ Nun sei Zusammenhalt gefragt. „Wir müssen die Erholung von der Pandemie als echte Gelegenheit zum Aufbau einer besseren Zukunft nutzen.“ (greenpeace-magazin.de/corona-pandemie-bremst-klimawandel-nicht-nachhaltig)

Im Wortlaut – Bericht aus dem United in Science-Report 2020: „Die Welt wird die wärmsten fünf Jahre ihrer Geschichte erleben“

COVID19 hat den Klimawandel nicht aufgehalten. Die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre sind auf Rekordniveau und nehmen weiter zu. Nach einem vorübergehenden Rückgang infolge des Lockdown und der wirtschaftlichen Verlangsamung bewegen sich die Emissionen in Richtung auf das Niveau vor der Pandemie. Die Welt wird die wärmsten fünf Jahre ihrer Geschichte erleben – mit einem Trend, der sich wahrscheinlich fortsetzen wird – und ist nicht auf dem Weg, die vereinbarten Ziele zu erreichen, den globalen Temperaturanstieg deutlich unter 2 °C oder auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu halten.

Dies geht aus dem neuen Bericht hervor. Er hebt die zunehmenden und irreversiblen Auswirkungen des Klimawandels hervor, der sich auf Gletscher, Ozeane, Natur, Wirtschaft und menschliche Lebensbedingungen auswirkt und sich häufig durch wasserbedingte Gefahren wie Dürren oder Überschwemmungen bemerkbar macht. Sie dokumentiert auch, wie COVID-19 unsere Fähigkeit zur Überwachung dieser Veränderungen durch das globale Beobachtungssystem behindert hat.

„Dies war ein beispielloses Jahr für die Menschen und den Planeten. Die COVID-19-Pandemie hat das Leben weltweit erschüttert. Gleichzeitig haben sich die Erwärmung unseres Planeten und die Klimazerrüttung in rasantem Tempo fortgesetzt“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres in einem Vorwort.

„Nie zuvor war es so klar, dass wir langfristige, integrative, saubere Übergänge brauchen, um die Klimakrise zu bewältigen und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Wir müssen die Erholung von der Pandemie in eine echte Chance für den Aufbau einer besseren Zukunft verwandeln“, sagte Guterres, der den Bericht am 9. September vorlegte. „Wir brauchen Wissenschaft, Solidarität und Lösungen“.

Der Bericht „United in Science 2020“, der zweite in einer Reihe, wird von der WMO koordiniert, mit Beiträgen des

  • Global Carbon Project, des
  • Intergovernmental Panel on Climate Change, der
  • Intergovernmental Oceanographic Commission der UNESCO, des
  • UN-Umweltprogramms und des
  • UK Met Office

Er präsentiert die allerneuesten wissenschaftlichen Daten und Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel, die in die globale Politik und Maßnahmen einfließen. „Die Treibhausgaskonzentrationen – die bereits den höchsten Stand seit 3 Millionen Jahren erreicht haben – haben weiter zugenommen. In der Zwischenzeit haben weite Teile Sibiriens in der ersten Hälfte des Jahres 2020 eine lang anhaltende und bemerkenswerte Hitzewelle erlebt, die ohne den anthropogenen Klimawandel sehr unwahrscheinlich gewesen wäre. Und nun wird 2016-2020 der wärmste Fünfjahreszeitraum seit Menschengedenken sein. Dieser Bericht zeigt, dass zwar viele Aspekte unseres Lebens im Jahr 2020 gestört wurden, der Klimawandel aber unvermindert weitergeht“, so Taalas.

->Folgt: Schlüsselergebnisse – Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre (Weltorganisation für Meteorologie)