Die CO2-Uhr tickt

1.332 Tonnen pro Sekunde

Das Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) hat auf eine Aktualisierung seiner CO2-Uhr hingewiesen: Sie veranschaulicht, wie viel CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden darf, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5 beziehungsweise 2° C zu begrenzen. Mit wenigen Klicks können die Schätzungen für beide Temperaturziele verglichen und veranschaulicht werden, wie viel Zeit im jeweiligen Szenario bleibt. Zum ersten Mal wurde die CO2-Uhr im November 2016 veröffentlicht.

1,5-Grad-Grenze – Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

Als wissenschaftliche Grundlage für die CO2-Uhr verwendet das MCC „ausschließlich Daten des Weltklimarats IPCC, die den gesicherten Stand der Forschung darstellen. Der IPCC hat seine Abschätzung des verbleibenden CO2-Bugets zuletzt im Herbst 2018 aktualisiert, mit der Vorlage seines Sonderberichts über ‚1,5 Grad Celsius globale Erwärmung‚. Die nächste Aktualisierung der CO2-Uhr wird wahrscheinlich mit Blick auf den Sechsten Sachstandsbericht des IPCC erfolgen, dessen Synthesebericht im Jahr 2022 erscheint.“

Damit die 1,5-Grad-Grenze nicht überschritten wird, dürften dem IPCC-Sonderbericht (siehe hier, Tabelle 2.2) zufolge (gerechnet ab Ende 2017) nur noch knapp 420 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden. Zugleich wird der jährliche Ausstoß von CO2 – durch Verbrennen fossiler Brennstoffe, Industrieprozesse und Landnutzungsänderungen – auf circa 42 Gt beziffert; rechnerisch entspricht dies 1.332 Tonnen pro Sekunde. Bei konstanten Emissionen wäre dieses Budget von jetzt ab gerechnet in weniger als sieben Jahren aufgebraucht. Das Budget von circa 1.170 Gt für die Zwei-Grad-Grenze wäre in knapp 25 Jahren erschöpft.

Die Uhr tickt weiter und zeigt, wie wenig Zeit den politischen Entscheidern bleibt. Als Besucher der MCC-Website kann man interaktiv nachvollziehen, welche politischen Ziele welchen Zeitrahmen für konkretes Handeln lassen: Links oben wird mit einem Klick das Szenario für die 2-Grad-Grenze angezeigt, rechts für 1,5-Grad – in beiden Fällen zeigt die Uhr das noch verbleibende CO2-Budget – und die verbleibende Zeit. Die CO2-Uhr des MCC bezieht sich ausschließlich auf das verbleibende Restbudget für CO2, bei dessen Berechnung der Beitrag anderer Treibhausgase zur Erderwärmung abgezogen wird. (Quelle: Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change)

Die Idee des CO2-Budgets fußt laut MCC „auf einem nahezu linearen Zusammenhang zwischen den kumulativen Emissionen einerseits und dem Temperaturanstieg andererseits. Aus dem Ablaufen des verfügbaren CO2-Budgets bis zum Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze lässt sich indes nicht ableiten, dass sich die Erde dann um 1,5 Grad erwärmt hätte. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Reaktion der Emissionen auf die Temperatur erst später sichtbar wird als beim reinen Blick auf die Konzentration der Emissionen in der Atmosphäre.“

Weiter weist das MCC darauf hin, dass mit der Aktualisierung der CO2-Uhr auf Grundlage des IPCC-Sonderberichts eine technische Veränderung einhergehe: „Bisher hatte der Weltklimarat die Größe des Budgets in Form von einer geringeren (33prozentigen), einer mittleren (50 prozentigen) und einer hohen (66prozentigen) Wahrscheinlichkeit abgebildet. Im Lichte der neuen Erkenntnisse sprechen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun davon, dass das errechnete Budget von 420 Gt für die 1,5-Grad-Grenze mit 66 Prozent der untersuchten Szenarien erreichbar ist. Damit werden Unsicherheiten verlagert: Weg von der Wahrscheinlichkeit, das Temperaturziel einzuhalten – und hin zu der Wahrscheinlichkeit, dass die Modelle das Ziel einhalten.“

Weiter schränken die MCC-Forscher ein: „Auch wenn die CO2-Uhr eine präzise Messung der verbleibenden Zeit für aktiven Klimaschutz suggeriert, so bleiben doch viele Unsicherheitsfaktoren bestehen, die sich unter anderem aus unterschiedlichen Definitionen der 1,5°C-Grenze, unterschiedlichen Annahmen über die Klimasensibilität und den Grad der bisherigen Erwärmung sowie der zukünftigen Entwicklung anderer Treibhausgase ergeben. Weiterhin ist der Berechnung zugrunde gelegt, dass die jährlichen Emissionen auf dem Niveau von 2017 verharren, während die neuesten Zahlen zeigen, dass die Emissionen immer noch steigen.“

In einem Interview mit der Züricher Wochenzeitung WOZ hat MCC-Generalsekretärin Brigitte Knopf am 13.12.2018 ausführlich erklärt, wie die CO2-Uhr den Klimawandel veranschaulicht und die Dringlichkeit politischen Handelns anzeigt. [Knopf gab das Interview vor zweieinviertel Jahren, daher ist davon die Rede, uns verblieben noch „9 respektive gut 24 Jahre, um die Klimaerwärmung längerfristig auf 1,5 Grad oder 2 Grad zu beschränken“ – inzwischen ist das geschrumpft.]

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