Wegen Klimakrise: 82 Prozent fürchten auswandern zu müssen

Umfrage der EIB zum Klimawandel 2019-2020

Die Europäische Investitionsbank hat zum zweiten Mal ihre Umfrage zum Klimawandel durchgeführt. Zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen BVA untersuchte die EIB die Einstellungen und Erwartungen der Menschen in der EU, in den USA und in China in Bezug auf den Klimaschutz. Die Ergebnisse der Umfrage sind hochrelevant: Nicht nur, weil das Thema Klima für die EU ganz oben auf der Tagesordnung steht, sondern auch, weil sich die EIB mit ihrer neuen Energiefinanzierungspolitik künftig von der Förderung fossiler Energieträger verabschiedet und einen neuen Klimafahrplan beschlossen hat.

Junge Europäer und der Klimawandel

“Warming Stripes” – Klima-Strichcode – Durchschnittstemperaturen in Deutschland von 1881 bis 2017 , von 6.6°C (Dunkelblau) bis 10.3°C (Dunkelrot) © Climate Lab Book – Lizenz CC-SA 4.0

Die EIB-Umfrage zum Klimawandel zeigt, dass umweltbedingte Migration in Europa als reales Problem gesehen wird: 82 Prozent der Befragten erwarten, dass Menschen wegen extremer Wetterbedingungen in Zukunft gezwungen sein werden, ihr Land zu verlassen. 24 Prozent der Europäerinnen und Europäer rechnen damit, dass sie selbst wegen des Klimawandels in Zukunft auswandern müssen. Unter den jüngeren Menschen ist dieser Prozentsatz noch deutlich höher: 41 Prozent erwägen ernsthaft, ins Ausland zu ziehen. Auch geografisch zeigen sich in dieser Frage erhebliche Unterschiede. Während in Österreich 33 Prozent der 15–29-Jährigen damit rechnen, auszuwandern, sind es in Spanien schon 51 Prozent.

Nordeuropa sieht den Klimawandel als größere Gefahr

Bei der Beurteilung der Klimabedrohung lässt sich in Europa ein Nord-Süd-Gefälle feststellen. Für die Menschen in Südeuropa ist das größte Problem ihrer Länder die Arbeitslosigkeit. 72 Prozent der Spanier und 69 Prozent der Italiener sehen darin eine der drei großen Herausforderungen. In den nordeuropäischen Ländern wie Dänemark, den Niederlanden, Deutschland und Österreich wird dagegen der Klimawandel als größte Bedrohung genannt. Auch die Auswirkungen des Klimawandels werden in Nord- und Südeuropa unterschiedlich wahrgenommen: Während ein Einfluss auf das tägliche Leben vor allem in den Mittelmeerländern gesehen wird, etwa in Italien (94 Prozent) und Spanien (87 Prozent), liegen die Werte in Dänemark (63 Prozent) und Schweden (66 Prozent) deutlich niedriger. In Europa sind 82 Prozent der Menschen der Meinung, dass der Klimawandel ihren Alltag beeinflusst. In China glauben dies sogar 98

Kann der Klimawandel rückgängig gemacht werden? China am optimistischsten

Die EIB-Umfrage zeigt, dass die Menschen in Europa die Bekämpfung des Klimawandels pessimistischer beurteilen als in China. 59 Prozent der Europäer glauben, dass der Klimawandel rückgängig gemacht werden kann. Das sind 21 Prozentpunkte weniger als in China (80 Prozent), aber mehr als in den USA (54 Prozent). Nach ihrem eigenen Handeln gegen den Klimawandel befragt, sind 69 Prozent der Europäer der Meinung, dass sie selbst etwas bewirken können. Damit liegen sie etwa in der Mitte zwischen China (72 Prozent) und den USA (65 Prozent).

In China ist die Angst vor dem Klimawandel größer als in Europa oder den USA

Die Umfrageergebnisse bestätigen, dass der Klimawandel in Europa weithin mit Sorge betrachtet wird: 47 Prozent der Europäer sehen den Klimawandel als größte Herausforderung in ihrem Leben, gefolgt vom Zugang zu Gesundheitsversorgung (39 Prozent) und Arbeitslosigkeit (39 Prozent). In den USA liegt der Klimawandel dagegen mit 39 Prozent hinter der Gesundheitsversorgung (45 Prozent), während ihn in China 73 Prozent der Menschen für das drängendste gesellschaftliche Problem halten – weit vor der Gesundheitsversorgung (47 Prozent) und Finanzkrisen (33 Prozent).

40 Prozent der Befragten glauben, dass es zu spät ist, um den Klimawandel rückgängig zu machen

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass der Klimawandel in großen Teilen der französischen Bevölkerung mit Sorge betrachtet wird: 83 Prozent der Befragten finden, dass sich der Klimawandel auf ihren Alltag auswirkt.
Die Bevölkerung in Frankreich ist sich der Auswirkungen des Klimawandels sehr bewusst. Zugleich beurteilt sie den Kampf gegen den Klimawandel im europäischen Vergleich am skeptischsten. Nur 53 Prozent der Franzosen glauben, dass der Klimawandel rückgängig gemacht werden kann – sechs Prozentpunkte weniger als der europäische Durchschnitt. Innerhalb des Landes zeigen sich in dieser Frage regionale Unterschiede von bis zu zehn Prozentpunkten: Während in der Île-de-France 57 Prozent der Menschen es für möglich halten, den Klimawandel rückgängig zu machen, sind es in der Region Okzitanien nur 47 Prozent.

->Quelle: eib.org/climate-survey-citizens-perception-climate-change-impact-all-data-en