Deutlich weniger, aber immer noch zu viel Geld für Kohle

Energiezukunft zur zweiten Ausschreibung zum Kohleausstieg

Bei der ersten Ausschreibungsrunde im Dezember 2020 erhielt ein Steinkohlekraftwerk noch 150.000 Euro pro Megawatt (€/MW) für seine Abschaltung. Der durchschnittliche Zuschlagswert für insgesamt 11 Kohlekraftwerke lag bei 66.259 €/MW. An diesen Wert kam bei der zweiten Ausschreibungsrunde selbst das höchste bezuschlagte Gebot nicht heran – 59.000 €/MW erhält der erfolgreichste Bieter. Dabei war ein Höchstpreis von 155.000 €/MW ausgeschrieben – schreibt Manuel Först am 02.04.2021 in energiezukunft (Foto: Uniper-Steinkohlekraftwerk Wilhelmshaven – © Martina Nolte, WikiCommons, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de).

Das Steinkohlekraftwerk von Uniper ist einer von zwei Kohlemeilern in Wilhelmshaven. Der andere ist seit 2015 in Betrieb und gehört Engie – Foto aus energiezukunft © Martina Nolte, WikiCommons, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

Bei der zweiten Ausschreibungsrunde zur Abschaltung von Kohlekraftwerken gab es noch einmal deutlich weniger Geld als bei der ersten. In Wilhelmshaven und Mehrum gehen zwei große vom Netz, die schon länger unrentabel sind.

Damit war die Ausschreibung erneut deutlich überzeichnet, es haben also deutlich mehr Betreiber von Kohlekraftwerken Gebote zur Abschaltung eingereicht als im Kohleausstiegsplan der Bundesregierung vorgesehen. Das bestätigt auch Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Nach dem Kohleverstromungsbeendigungsgesetz können sich Betreiber von Steinkohlekraftwerken und kleineren Braunkohleanlagen auf Stilllegungs-Prämien bewerben, für die sie ihre Kohlemeiler vorzeitig abschalten. Die Bundesnetzagentur schaut dann einerseits auf den Gebotswert und andererseits auf das Verhältnis der verlangten Zahlung zu der voraussichtlich bewirkten CO2-Reduzierung.

Mit einer ausgeschriebenen Menge von 1.500 Megawatt war die zweite Ausschreibungsrunde zur Abschaltung von Kohlekraftwerken indes deutlich kleiner als die erste mit 4.000 MW. Drei Gebote mit einer Gebotsmenge von insgesamt 1.514 MW erhielten schließlich den Zuschlag. Die Gebote wurden Anfang des Jahres eingereicht. Gestern gab die Bundesnetzagentur die Zuschläge bekannt. Diese dürfen ab dem 8. Dezember keine Kohle mehr verfeuern, wobei die Übertragungsnetzbetreiber noch prüfen, ob die Anlagen als systemrelevant einzustufen sind und damit auch nach dem 8. Dezember als Netzreserve zur Verfügung stehen müssen. Strom am Strommarkt verkaufen dürfen die Anlagen in jedem Fall nicht mehr.

Den Zuschlag erhielten eine kleine KWK-Braunkohleanlage in Deuben in Sachsen-Anhalt sowie zwei größere Steinkohlekraftwerke in Wilhelmshaven und Mehrum in Niedersachsen. Während eines der Kraftwerke 59.000 €/MW erhält, geht ein anderes mit 0 €/MW komplett leer aus. Weitere Angaben machte die Bundesnetzagentur auch auf Nachfrage nicht. „Da nur drei Zuschläge erteilt werden, würde die Veröffentlichung genaue Rückschlüsse auf die einzelnen Zuschlagssummen erlauben. Um diese Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu wahren, sehen wir von einer Veröffentlichung dieser Summe bei diesem Gebotstermin ab“, so die Bundesnetzagentur gegenüber energiezukunft.

Unrentable Kraftwerke

Dass die Kohlekraftwerke überhaupt Entschädigungen erhalten, steht stark in der Kritik. Der britischen Energie- und Klima-Think-Tanks Ember zeigte im Dezember 2020 in einer Analyse wie verlustreich die Steinkohlekraftwerke, die im Zuge der letzten Ausschreibungsrunde abgeschaltet wurden, die Jahre zuvor liefen. Sarah Brown, Senior Analystin bei Ember, sagte: „Ein marktgetriebener Kohleausstieg ist bereits auf dem Weg und die Begrenzung der ausgeschriebenen Kohleleistung in den Auktionen wird möglicherweise das Ende der Kohle hinauszögern.“

Bei der zweiten Ausschreibungsrunde geht mit der Anlage in Deuben das älteste aktive Braunkohlekraftwerk Deutschlands vom Netz, das aktuell noch eine Leistung von 67 MW hat. Teile der Technik sind seit 1936 in Betrieb. Der Betreiber die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft MIBRAG wollte das Kraftwerk eigentlich schon vor Jahren vom Netz nehmen und durch einen neuen Kohlemeiler ersetzen. Der Neubau scheiterte jedoch am Protest von engagierten Bürgern.

Wesentlich mehr Leistung geht mit den beiden Steinkohlekraftwerken in Niedersachsen vom Netz. In Mehrum werden 690 MW abgeschaltet. 2017 verkauften die Stadtwerke Hannover und die Braunschweiger Versorgungs-AG wegen fehlender Wirtschaftlichkeit ihre Anteile an dem Kraftwerk an die tschechische Holding EPH, hinter der auch das Lausitzer Bergbauunternehmen LEAG steht. Dass die EPH das Kraftwerk nun zur Abschaltung ausschrieb, zeigt, dass es auch dem tschechischen Unternehmen offensichtlich nicht mehr gelang den Kohlemeiler wirtschaftlich zu betreiben.

Das gilt offensichtlich auch für das Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven mit einer Leistung von 757 MW. Beide Kraftwerke stammen aus den 1970er Jahren. 2009 plante der ehemalige Betreiber E.ON noch das Kraftwerk in Wilhelmshaven zu erneuern und erweiterten, doch 2010 nahmen sie von diesem Plan wieder Abstand. Aus wirtschaftlicher Sicht hätte sich ein Umbau nicht rentiert. Anfang 2020 gab der jetzige Betreiber Uniper bekannt, dass das Kraftwerk voraussichtlich Ende 2022 abgeschaltet wird. Nun kommt der Ausstieg ein Jahr früher.

Wie viele Gebote es insgesamt bei der dieser zweiten Ausschreibungsrunde zur Abschaltung von Kohlekraftwerken gab, will die Bundesnetzagentur aus Wettbewerbsgründen ebenfalls nicht bekannt geben, da dies gegebenenfalls Rückschlüsse auf die Teilnahme in der nächsten Ausschreibungsrunde gebe. Bis zum 30. April können Kraftwerksbetreiber wieder Gebote abgeben. Das Ausschreibungsvolumen beträgt diesmal 2.480,826 MW. Die Bekanntgabe der bezuschlagten Gebote soll im Oktober erfolgen, die Abschaltungen dann 2022. Bis 2026 sind weitere Ausschreibungsrunden geplant, in denen viele unrentabel gewordene Kohlekraftwerke Entschädigungen vom Staat erhalten. mf

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