Agrokraftstoffe: Umweltverbände entlarven Mythen

Faktencheck: NGO fordern sofortigen Ausstieg

Ein Faktencheck der NGO Deutsche Umwelthilfe (DUH), foodwatch, Greenpeace, NABU, Robin Wood und Transport & Environment (T&E) widerlegt laut einer gemeinsamen Medienmitteilung vom 08.07.2022 den Mythos, der Einsatz von Agrokraftstoff sei vereinbar mit Klimaschutz und Nahrungsmittelsicherheit und mindere unsere Abhängigkeit von Russland. Anlass zur Veröffentlichung des Faktenchecks sind „aktuelle Versuche von Industrieverbänden, mit irreführenden oder schlichtweg falschen Aussagen den vom Umweltministerium angekündigten Ausstieg aus Agrokraftstoff zu verhindern“. Die gemeinten Verbände widersprechen prompt.

Bioenergiepflanze Raps – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft, für Solarify

Der Ausstieg ist jedoch dringend überfällig: Mit der Getreidemenge, die in Deutschland zu Agrosprit verarbeitet und Benzin beigemischt wird, könnten etwa 16 Millionen Menschen pro Jahr mit einer täglichen Hilfsration Getreide versorgt werden. Außerdem würde mehr Spielraum bei der Flächennutzung geschaffen, beispielsweise für den Anbau dringend notwendiger Nahrungsmittel, Erneuerbare Energien oder Naturschutzmaßnahmen.

Gegenargumente – wie nicht anders zu erwarten, meldeten sich die Biosprit-Branchenvertreter zu Wort, und sie sind anderer Meinung: „Gemeinsam haben fünf Verbände aus der Bioenergiebranche einen Faktencheck zur Wirkung von Biokraftstoffen erstellt. Das Fazit: Biokraftstoffe leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Energieversorgungssicherheit und zum Klimaschutz. Die aktuelle Diskussion über Versorgungssicherheit, Energie- und Lebensmittelpreise nehmen der Bundesverband Bioenergie (BBE), der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBE), der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie (OVIP) und die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (Ufop) der Biokraftstoffbranche zum Anlass, mit einem Faktencheck auf den unverzichtbaren Beitrag der Biokraftstoffproduktion für Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Klimaschutz hinzuweisen.“ (sprit-plus.de/faktencheck-biokraftstoffe-als-unverzichtbarer-bestandteil-der-versorgungssicherheit)

Dagegen der Verbände-Faktencheck: „Was vor über zehn Jahren als vermeintliche Klimaschutzmaßnahme initiiert wurde, ist längst als Scheinlösung mit gravierenden Nebenwirkungen für Nahrungsmittelsicherheit, Klima und Biodiversität enttarnt. Trotzdem wärmt die Agrokraftstoffindustrie immer wieder ihre Mythen auf, damit der Einsatz von Raps, Weizen, Mais und Co. in Autotanks weiter staatlich gefördert wird. Die Wahrheit ist: Täglich landen Weizen für etwa 15 Millionen Laibe Brot und etwa 19 Millionen Flaschen Raps- und Sonnenblumenöl in Europas Fahrzeugtanks. Damit tragen Agrokraftstoffe zur globalen Nahrungsmittelknappheit und zum dramatischen Anstieg der Lebensmittelpreise bei. Wir fordern die Bundesregierung auf, den angekündigten Ausstieg vollständig und mit sofortiger Wirkung umzusetzen. Insbesondere die FDP muss auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und darf den erwarteten Vorschlag aus dem Umweltministerium nicht blockieren.“

Mit Steffi Lemke, Cem Özdemir und Svenja Schulze hatten sich bereits zwei Bundesministerinnen und ein Bundesminister dafür ausgesprochen, die Verschwendung von Essen in Autotanks zu beenden. Erst kürzlich hat die Bundesregierung gemeinsam mit den G7-Partnerländern angekündigt, alles tun zu wollen, um die globale Nahrungsmittelsicherheit zu verbessern.

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