Kompost-Ratgeber vom VKU

Nachhaltiges Gärtnern

Hochwertige Komposterde ist essenziell für Blumen, Gemüse und Feldfrüchten. Dabei können wir alle zu hochwertiger, sortenreiner Komposterde im eigenen Garten oder unseres lokalen Entsorgungsunternehmens beitragen: über die sorgfältige Abfalltrennung unserer Bio-Hausabfälle in der Biotonne oder auf dem Komposthaufen – für optimales Pflanzen­wachstum, Schad­stofffreiheit – und als wichtiger Beitrag zur Bodenverbesserung und zum Klimaschutz – so ein Ratgeber des VKU. Mülltüten werden oft als „bio“ und damit kompostierbar beworben. Doch daran sind Zweifel angebracht. Entsprechend mahnen Entsorgungsunternehmen: Auch wenn auf „kompostierbar“ auf den Mülltüten steht, sollten sie nicht in den Bioabfall wandern.

Biotonne – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft, für Solarify

Denn diese Plastiktüten bauen sich in großen Kompostieranlagen oft nicht vollständig ab, so der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Er vertritt viele Entsorger, die Biomüll zu Kompost verarbeiten. Aus Grünabfall und Küchenresten werden zwar Fremdstoffe wie Plastik, Glasscherben, Steine und Metallteile herausgelesen. Aber laut VKU ist das sehr aufwändig und kann zu Schäden führen: „Fremdstoffe wie Kunststofftüten und andere Abfälle, die nichts in der Biotonne zu suchen haben, gefährden die Qualität der erzeugten Produkte und können zu Schadstoffeinträgen in den landwirtschaftlich genutzten Boden führen“, erklärt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes.

Kompost mit Biotüten ist kein guter Kompost

Aber selbst wenn sich die Materialien abbauen, entstehe daraus kein nutzbarer Kompost. Denn die Werkstoffe werden laut VKU zu CO2 und Wasser abgebaut. Guter Kompost hat dagegen einen hohen Humusanteil, er enthält die wichtigen Grundnährstoffe sowie Spurenelemente, die Pflanzen benötigen. Kompost kann wegen seiner Grobkörnigkeit lange Feuchtigkeit binden, zugleich aber Luft an die Wurzeln lassen und diesen Raum fürs Wachstum geben.

Pflanzenerde aus dem konventionellen Handel enthält zudem meistens Torf. Durch die Trockenlegung von Mooren und den Abbau von Torf wird im Torfboden gespeichertes CO2 freigesetzt. Die Torfminderungsstrategie der Bundesregierung sieht daher vor, dass Hobbyerden bis 2026 vollständig torffrei sein sollen.

Was genau darf in die Biotonne?

  • Eierschalen, auch wenn sie zu Ostern mit Lebensmittelfarben gefärbt sind
  • Eierkartons aus Pappe (in geringen Mengen)
  • Abgelaufene/verdorbene Lebensmittel (ohne Verpackung)
  • Milch, Milchprodukte (ohne Verpackung)
  • Brot, Brötchen, Getreideprodukte
  • Nährboden von Kresse und Sprossen (sofern aus Pflanzenfasern)
  • Kaffeesatz, -filter, Tee, Teebeutel
  • Ungekochte und gekochte Speisereste (Fisch, Fleisch, Wurst, Knochen, Gräten)
  • Grün-/Strauchschnitt, Laub
  • Gartenpflanzen, Blumen (mit Wurzeln, ohne Blumentöpfe), Blumenerde, Gartenerde (in geringen Mengen)
  • Haare, Federn
  • Kleintierstreu aus Holzspänen (in geringen Mengen), Stroh und Heu (kein Katzenstreu)

Was passiert eigentlich mit Abfall aus der Biotonne?

Der gesammelte Bioabfall wird in Kompostierungsanlagen in mehreren Schritten über bis zu vier Monate zu Kompost umgewandelt. Die Temperatur beträgt in dieser Zeit für mindestens zwei Wochen zwischen 55 und 65 Grad Celsius, sodass Bakterien, Schädlinge und auch Unkraut­samen absterben. Vor und nach der Kompostierung werden Fremdstoffe wie Glasscherben, Steine, Plastik und Metallteile mit großem Aufwand aussortiert. In Deutschland dürfen nur Komposte auf den Boden aufgebracht werden, welche die hohen Anforderungen der Düngemittelverordnung erfüllen. Das prüfen regelmäßig unabhängige Labore. Die meisten Komposte sind wegen des hohen Qualitätsstandards mit dem RAL Gütesiegel ausgezeichnet.

Wenn der Bioabfall dafür geeignet ist, wird er oft vor der Kompostierung in Vergärungsanlagen verarbeitet. Bei der Vergärung entsteht Bio­gas, das in den meisten Anlagen direkt der Stromerzeugung dient. Dieser wird dann direkt in das Stromnetz vor Ort eingespeist – aus Biomüll entsteht also nachhaltige, weil erneuerbare Energie.

Kompost versorgt Pflanzen mit wichtigen Grundnährstoffen sowie Spurenelementen und erhöht die bodenbiologische Aktivität. Die pH-Werte der Böden erhöhen sich dadurch langfristig, dies wirkt der Versauerung entgegen. Im Wertstoffhof ist oft Kompost als Sack­ware oder zum Selbst­abfüllen erhältlich. Mit der Verwendung von regionaler und eigener Komposterde – und damit von regionalen Roh­stoffen – spart jede/r Einzelne Res­sourcen, Transport­wege und Energie. So schließt sich der Kreis­lauf vom Bio­abfall zur hoch­wertigen, nachhaltigen, regionalen Pflanzenerde für Haus und Garten mit bestmöglicher CO2-Bilanz – ohne chemischen Dünger oder Pestizide.

Für Gesundheit für die Natur und für uns spielt der Boden eine wichtige Rolle: Sind die Böden gesund, leben dort genügend Nützlinge wie Regenwürmer und entstehen gesunde Pflanzen – für Orte der Artenvielfalt. Solche Ökosysteme kommen auch mit Hitze, Regen und Trockenheit gut aus.

Fragen und Antworten

Seit einiger Zeit sind Produkte aus sogenanntem „Bioplastik“ oder „bioabbaubare Kunststoffe“ erhältlich. Sind diese oder auch kompostierbare Müllbeutel wirklich kompostierbar?

Unser klares Petitum: Plastiktüten gehören nicht in den Bioabfall! Das gilt auch für sogenanntes „Bioplastik“ oder „bioabbaubare Kunststoffe“, zum Beispiel Einkaufsbeutel, Einweggeschirr, Kaffeekapseln, To-Go-Becher und andere Produkte. Denn sogenannter „Bio-Kunststoff“ wird in den kommunalen Kompostierungs- und Vergärungsanlagen leider nicht immer vollständig abgebaut.

Dazu Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen und Leiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster: „Die neuen „Bio-Kunststoff“-Produkte wie Verpackungen, Kaffeekapseln oder Sammeltüten sind, auch wenn die Beschriftung dies suggeriert, eben nicht biologisch abbaubar bzw. sie zersetzen sich zu langsam. Sie müssen deswegen aufwendig aussortiert werden und verursachen damit in den Bioabfall-Behandlungsanlagen einen erheblichen zusätzlichen Aufwand. Für den Klimaschutz wollen wir immer mehr Torf durch Bioabfallkompost substituieren, um die Moore als Kohlenstoffsenken zu schützen. Hierbei stören aber jegliche Fremdstoffe – niemand will Plastikschnipsel in seiner Blumenerde oder auf dem Acker haben.“

Unser Tipp für die Entsorgung der Bio-Kunststoffe: Diese sollten getrennt gesammelt und recycelt oder als Erneuerbare Energien verbrannt werden. Die Recyclingfähigkeit dieser Materialien ist allerdings derzeit oft gar nicht gegeben.

 Gibt es eine wirklich biologische Alternative zu kompostierbaren Müllbeuteln?

Unser Appell an Verbraucherinnen und Verbraucher lautet: Bioabfälle bringen Sie am besten in einem Vorsortiergefäß, also etwa einem kleinen Eimer oder zum Beispiel eingewickelt in ein bisschen Zeitungspapier zur Biotonne, nicht in einer Plastiktüte. Das häufigere Rausbringen schützt auch vor Geruch, Essigfliegen usw. in der Küche.

Worin besteht der Sinn kompostierbarer Müllbeutel? Auf manchen Biotonnen steht, dass keine solchen Beutel hineingeworfen werden dürfen?

Die Tüten sollen zum Sammeln von Bioabfall motivieren und dieses im Hausgebrauch erleichtern. Dieses Anliegen ist richtig und wichtig. Aber sogenannte kompostierbare Müllbeutel werden in den großtechnischen Kompostierungsanlagen oft nicht vollständig abgebaut. Das gilt selbst für die speziellen sehr dünnen Bioabfallsammeltüten, und nur diese speziellen Tüten dürfen grundsätzlich in die Biotonne geworfen werden. Grundsätzlich, aber dies geschieht nicht immer und überall: Wenn diese Tüten unter den Bedingungen der örtlichen Kompostierungsanlage nicht ausreichend abgebaut werden, darf der örtliche Entsorger sie von der Miterfassung ausschließen.

Aber selbst wenn diese Werkstoffe bei der Kompostierung vollständig abgebaut werden, entsteht kein nutzbarer Kompost. Sie werden zu CO2 und Wasser abgebaut. Dafür muss Energie aufgewendet werden. Deshalb wäre es am sinnvollsten, diese Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen und als Erneuerbare Energie zu verbrennen. Oder eben doch Alternativen wie unbeschichtetes Papier, auswaschbare Gefäße usw. zu verwenden.

Die optimale Art der Entsorgung dieser Werkstoffe kann sich zukünftig ändern, wenn diese Materialien andere Eigenschaften haben. Momentan widersprechen sich biologische Abbaubarkeit und Recyclingfähigkeit, Reparierbarkeit. Meistens handelt es sich sogar um Einwegprodukte. Hier besteht ein Zielkonflikt, der durch die Hersteller und Designer gelöst werden muss.

->Quellen: