In jedem Windrad stecken mehrere hundert Kilogramm Magnete. In jedem E-Auto sind es zwei Kilogramm. Selbst in Smartphones sind winzige Magnete aus Seltenen Erden verbaut. Fast alle dieser Magnete kommen aus China. Kann Europa die Abhängigkeit verringern?

Ohne Magnete wären Windrädern nutzlos: Sie stecken im Generator und machen aus Drehbewegung Strom. Foto: Wolfgang Weiser
Ohne Magnete keine Energiewende. In einem modernen Windrad stecken bis zu 600 Kilogramm Permanentmagnete aus Neodym, einem seltenen Metall. Im Antriebsmotor eines Elektroautos sind es etwa zwei Kilogramm. Das Problem: Fast alle dieser Magnete kommen aus China. Das Land kontrolliert nicht nur den Abbau der Seltenen Erden, sondern auch die Verarbeitung zu fertigen Magneten liegt nach Branchendaten zu 90 Prozent in China. Europa importiert praktisch alles. Wer ein Windrad in der Nordsee aufstellt, ist auf Lieferungen aus Asien angewiesen.
Was das bedeuten kann, zeigte sich im Jahr 2010, als China die Ausfuhr Seltener Erden vorübergehend einschränkte. Die Preise für Neodym versechsfachten sich innerhalb weniger Monate. Autobauer und Windradhersteller suchten hektisch nach Alternativen.
Jetzt soll eine neue Technologie dieses Risiko verringern. Anfang Januar 2026 kündigten drei Unternehmen aus den USA und Südkorea aus der Elektronikbranche eine Partnerschaft an. Noveon Magnetics, Kangwon Energy und LG Electronics bauen in Südkorea nach Angaben der Unternehmen die erste kommerzielle Anlage, die alte Magnete direkt in neue verwandelt. Ziel ist ein geschlossener Kreislauf vom Altgerät zurück ins Produkt. Dieser Prozess unterscheidet sich grundlegend vom bisher üblichen Recycling von Elektronikschrott. Normalerweise wandern ausgediente Waschmaschinen, Laptops oder Industriemotoren in den Schredder. Dabei gehen die wertvollen Magnete, die oft nur wenige Zentimeter groß sind und im Gerät versteckt sind, verloren oder werden so stark beschädigt, dass sie nicht wiederverwendet werden können. Die neue Methode funktioniert anders: Zunächst werden die Altgeräte analysiert und die Magnete lokalisiert.
Dann folgt eine Art chirurgische Demontage. Mithilfe von Spezialwerkzeugen werden die Magnete präzise vom Gehäuse getrennt und Kupferwicklungen sowie Stahlteile gelöst. Was übrig bleibt, sind die reinen Magnetblöcke. Unbeschädigt und vollständig. Diese werden gereinigt, von Beschichtungen befreit und zu feinem Pulver vermahlen. Das Pulver lässt sich anschließend mit Bindemitteln zu neuen Magneten pressen, die dieselbe Leistung wie Material aus dem Bergbau erbringen. So die Angaben des Technologieentwicklers. Der Energieverbrauch soll dabei um neunzig Prozent niedriger liegen als bei der konventionellen Gewinnung aus Erz.
Laut Schätzungen von McKinsey wird sich der globale Bedarf an Permanentmagneten bis 2035 verdreifachen. Windkraft und E-Autos erhöhen den Bedarf. Gleichzeitig entstehen jedes Jahr riesige Mengen Elektroschrott, in dem wertvolle Magnete ungenutzt verschwinden. Auch die EU hat das Problem erkannt. Der Critical Raw Materials Act schreibt vor, dass bis 2030 mindestens ein Viertel des europäischen Bedarfs an kritischen Rohstoffen aus Recycling stammen soll. Ein ambitioniertes Ziel, denn bisher existiert in Europa nur Pilotprojekte und keine Recycling-Infrastruktur für Seltene-Erden-Magnete. Europäische Projekte stecken bestenfalls in der Planungsphase. Dass jetzt eine Anlage in Korea gebaut wird, ist für Branchenbeobachter ein wichtiger Schritt. Die Frage ist nicht mehr, ob es technisch möglich ist, sondern wie schnell Europa eigene Kapazitäten aufbauen kann.
Quellen:
- Noveon Magnetics. Our Process – M2M Technology
- PR Newswire: n Magnetics, Kangwon Energy and LG Electronics Launch Closed-Loop Rare Earth Magnet Recycling Initiative
- McKinsey: The raw-materials challenge: How the metals and mining sector will be at the core of enabling the energy transition
- EU: Critical raw minerals